Stellen Sie sich vor, es ist Pandemie und das Klopapier bleibt im Supermarkt liegen. Eine Utopie? Nicht, wenn es nach den Herstellern smarter Klobrillen ginge. Intelligente Toiletten sind längst auf dem Markt, auch wenn diese Revolution des stillen Örtchens genauso still vonstattenging. Zu den führenden Herstellern gehört BadeStern mit seinem Toilettensitz ZX-5027-919. Gesteuert wird er über ein Bediengerät oder per App auf dem Smartphone.



Was er zu bieten hat, ist beachtlich. Erkennt die Brille eine Sitzungsbelegung, werden die Funktionen aktiviert und die seitlich positionierte Bedienarmatur in Bereitschaft versetzt. Sitzheizung mit vier Temperaturstufen (Raumtemperatur sowie 33, 36 und 39 Grad Celsius) sorgt fürs Wohlbefinden, zudem in den Premiummodellen die Deodorierung gegen schlechte Gerüche sowie ein Nachtlicht nebst einem Eco-Modus für einen strom- und wassersparenden Gebrauch. Toilettenpapier ist nicht unbedingt notwendig, da eine temperierbare Dusche integriert ist. Der Wasserdruck und die Ausrichtung des Wasserstrahls sind steuerbar. Die Trocknerfunktion mit beheizter Luft beendet das Procedere. Alles vorausgesetzt, dass Wasser- und Stromanschluss sowie WLAN zur Verfügung stehen.
Damit sind die Möglichkeiten aber wohl noch lange nicht ausgeschöpft. 2020 stellten Forscher der Stanford University School of Medicine in der Fachzeitschrift „Nature Biomedical Engineering“ eine Klobrille vor, in der medizinische Stuhl- und Urintests integriert sind. So könnte ein Toilettengang gewisse Parameter zum Gesundheitszustand des Benutzers liefern und gegebenenfalls Diagnosen wie etwa Reizdarmsyndrom oder Harnwegsinfekt stellen. Noch ist die Erfindung nicht ausgereift, aber ihre Realisierung im Bereich des Möglichen. Reinhard Palmer
Erschienen im Tagesspiegel am 11.04.2026