Honda probiert es ein zweites Mal mit einem Elektroauto. Das erste war zwar optisch und technologisch ein großer Wurf. Aber so richtig verkauft hat sich der Honda e in Deutschland nicht. Schuld waren der hohe Preis (mit Top-Ausstattung Advance 38.000 Euro) und die geringe Reichweite (220 Kilometer). Sonst aber ist es ein prächtiges Auto, das der Autor jetzt schon seit drei Jahren immer noch mit großem Vergnügen fährt. Nummer zwei weist eine für Honda typisch-krude Zahlen-Buchstaben-Kombination auf: e:Ny1. Könnte ein guter Kumpel von R2D2 aus Star Wars sein, ist aber ein reines Elektroauto. Und natürlich ein SUV. Ausgestattet mit einer 68,8 kWh-Batterie, einer möglichen Reichweite von 412 Kilometern und einem Frontmotor- und Antrieb mit 204 PS soll er die Kundschaft überzeugen. Günstig ist er schon mal nicht. Los geht es bei 38.990 bis 41.990 Euro. Dafür fährt er sich flott, schneller als der Honda e, aber aufgrund des hohen Karosserie-Aufbaus halt auch nicht so homogen. Gebraucht haben wir knapp 22 kWh auf 100 Kilometern und damit rund vier kWh mehr als bei unserem alten Fahrzeug. Erfahrungsgemäß kommt man bei gemäßigten Temperaturen nur rund 300 Kilometer weit, bis man aufladen muss. An der Schnellladesäule erreicht der e:Nyl schnell seine Grenzen: Mit 78 kW zählt er eher zu den Langsamen im Land. Das Infotainment ist logisch – genauso wie beim e-Modell, nur dass jetzt alles auf einem hochkanten Tablet dargestellt wird und dass die Klimabedienung nun voll digital ist. Bei der Verarbeitung und der Übersichtlichkeit lassen sich die Japaner nicht lumpen. Hier rangiert man weit über dem Durchschnitt. Aber, liebe Hondas, ihr habt doch schon mal einiges viel besser erfunden beim Honda e. Zum Beispiel, dass man die Ladeklappe per Knopfdruck auf der Fernbedienung entriegeln kann, statt bei Regen, Schnee und Kälte an der Karosserie herumzufummeln. Oder das mit dem One-Pedal-Drive. Mit einem einfachen Schalter in der Mittelkonsole holt man sich diese Art des entspannten Fahrens sofort auf das Pedal. Gibt es nicht mehr im e:Ny1. Dafür kann man jetzt per Lenkrad-Paddel die Rekuperation in drei Stufen regeln.

Warum fragen wir uns – und steigen tatsächlich gerne wieder in den Honda e ein. Nicht weil der e:Ny-1 so schlecht wäre, sondern weil sein Vorgänger so überragend gut war. Achtung Verwechslungsgefahr! Neben dem e:Ny1 (4,39 m lang) schickt Honda noch ein ähnliches SUV aus der Verbrennerwelt ins Rennen: Den ZR-V mit 4,57 Metern Länge. Im Gegensatz zum e:NY1 wird der ZR-V von einem 184 PS starken Hybrid-Strang angetrieben, der sich mit sechs Litern begnügt. Ach, wären wir doch nicht direkt vorher das Elektroauto gefahren.
Hybrid, gerade bei Honda, ist wie Autofahren mit angezogener Spaßbremse. Vor allem, wenn der Benziner nur als Stromgenerator für die E-Maschine dient. Das ist zwar effektiv, aber laut. Überzeugt hat uns das Platzangebot für die Passagiere, auch hinten sitzt man einigermaßen bequem. Und in den Kofferraum passen zwischen 380 und 1312 Liter.
Welches Auto für wen? Wer Langstrecken fährt und Reichweite braucht, sollte sich für den ZR-V (Preis: ab 42.900 Euro) entscheiden. Im urbanen Betrieb reicht der e:Ny1 allemal. Noch eine Anmerkung, die beide Autos betrifft: Um den nervigen Geschwindigkeitswarner auszuschalten, muss man die Verkehrszeichenerkennung komplett ausschalten. Wir meinen: Den Teufel mit Beelzebub auszutreiben, war noch nie eine gute Idee.
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Erschienen im Tagesspiegel am 23.09.2024