Die Raku-Technik ist ein traditionelles japanisches Brennverfahren, bei dem die Keramik rotglühend bei ca. 1000 Grad Celsius aus dem Ofen kommt. Grundlage hierfür ist hochschamottierter hitzebeständiger Ton, der schnell gebrannt und schnell abgekühlt wird: Direkt nach dem Brand werden die Teile in Sägemehl gelegt und in kaltem Wasser abgeschreckt.


Durch die Temperaturunterschiede entstehen individuelle Oberflächen, keine wie die andere, die jedes Stück zum Unikat machen - oft mit den typisch haarfeinen Rissen, Craquelé genannt. Das rund 400 Jahre alte Verfahren, das seinen Ursprung in der Momoyama-Zeit hat, diente einst zum Fertigen von handgeformten Schalen für die traditionelle Teezeremonie. Doch auch an der Wand machen sich Tonelemente in Raku-Technik gut: In Form von Design-Fliesen, wie sie die Vorarlberger Manufaktur „Karak“ mit Sitz in Bludenz anbietet. In Kombination mit Siebdruck entstehen moderne Ornamente, denen durch das Craquelé zufällige Effekte zugefügt werden. Die in Handarbeit gefertigten Fliesen werden während des Prozesses rund 30-mal in die Hand genommen - das hat seinen Preis, überzeugt aber mit bestechender Qualität und Ästhetik.
Der Hintergrund: Im Jahr 2007 bauten die Keramikkünstlerin Marta Rauch-Debvec und der Lehmbauer Martin Rauch ein selbsttragendes Lehmhaus, für das sie besondere Fliesen suchten. Also übertrug die Künstlerin die ihr gut bekannte Raku-Technik auf die schmückenden Platten, für die Sohn Sebastian digitale Ornamente lieferte. Konzipiert für den Innenbereich, finden die Karak-Fliesen an Wänden und Böden im gesamten Haus Verwendung, ob in Küche, Bad (dann mit Nano-Imprägnierung) oder Eingangsbereich sowie am Ofen. Für den Außenbereich eignen sich eigene Relief-Fliesen, die Raku-gebrannten Keramikfliesen dagegen nicht.
Franziska Horn
Erschienen im Tagesspiegel am 04.07.2026