Adel zieht immer. Das zeigen Kultserien wie „Downton Abbey“, “The Crown“ oder ganz aktuell „Bridgerton“. Tiefere Einblicke in das Leben und vor allem in die Privatgemächer der Blaublütigen, Reichen und Schönen scheinen Jung wie Alt spannend zu finden. An Weihnachten bringen die stark romantisierenden “Sissi“-Filme in Technicolor auch nach mittlerweile 70 Jahren immer noch ganze Familien zusammen. Vielleicht gelingt Sisi das Kunststück auch, wenn es um gemeinsame Ausflüge mit Schwiegereltern und tendenziell eher unwilligen Teenagern geht? Am besten einfach einmal ausprobieren!
Bad Kissingen: Audio-Tour „Im Spiegel der Kaiserin“
Insgesamt sechsmal besuchte Kaiserin Elisabeth von Österreich das Kurbad – und zwar als „Gräfin von Hohenembs“. Dieses Inkognito sorgte für etwas mehr Privatsphäre, denn damit waren weder Gast noch Gastgeber an protokollarische Pflichten gebunden. Betreut von Kurärzten, unterzog sich Sisi einem Programm mit speziellem Speiseplan, Bädern, täglichem Trinken des Heilwassers und sehr viel Bewegung im Kurpark und der angrenzenden Natur. Wer mehr über Sisi erfahren und wissen möchte, wo sie sich hier gerne aufgehalten hat, kann mit der unterhaltsamen „Sisi-Audio-Tour“ auf Spurensuche gehen. Der etwa drei Kilometer lange, ganzjährig machbare Rundweg führt vom Kurpark hinauf auf den etwa 300 Meter hohen Altenberg mit dem 1907 errichteten Sisi-Denkmal. Das Besondere an der Tour: Wir machen sie quasi als unsichtbare Begleiter der beiden fiktiven Kurgäste Katja und Stefan, die sich zum Wandern treffen. Die plaudern dabei locker über Kaiserin Elisabeth, das heutige und das historische Kurleben und wir hören „heimlich“ mit. Die Psychologin und der Bibliothekar sind Sisi-Fans und haben praktischerweise von Berufs wegen viel Hintergrundwissen, das sie miteinander (und mit uns) teilen. So erfährt man etliches zur „Extremsportlerin“ Sisi oder wie man das behandelte, was damals als „Nervenleiden“ galt. Spoiler: mit Kokain. Zum Rundgang gibt es ein Faltblatt, die Audiodateien kann man mit dem Smartphone bequem über die QR-Codes an den zwölf Stelen der jeweiligen Standorte aufrufen. Auch über outdooractive.com und die entsprechende App ist die Sisi-Tour kostenlos.
Unterwittelsbach: Museum im „Sisi-Schloss“
1838 erwarb Herzog Maximilian in Bayern dieses Wasserschloss bei Aichach, das für etliche Jahre zur bevorzugten Sommerresidenz der herzoglichen Familie wurde. Weit weg vom Münchner Hof konnte man sich hier in relativer Ungezwungenheit bewegen. Sofern es überhaupt eine unbeschwerte Kindheit für den damaligen Hochadel gab, konnten Sisi und ihre Schwestern diese wohl hier erleben.

Seit dem Jahr 2000 ist das Schlösschen mit seinem ungewöhnlichen Park – einem Biotop mit 40 Vogelarten – als „Sisi-Schloss“ ein Muss für Fans. Die Stadt Aichach hat es in ein Museum mit der Dauerausstellung „Sisi – Leben, Tod und Mythos“ verwandelt. Hier können Besucher multimedial in die verschiedensten Stationen von Sisis Leben eintauchen.
Beim Sehen, Hören, Riechen oder Fühlen kommt man der Frau hinter der Kaiserin näher. Die diesjährige Sonderausstellung „Verliebt, verlobt, verheiratet … Eheglück im Hause Habsburg?“ wird vermutlich mit so manchen Klischees der Sisi-Filme aufräumen. Das Museum ist vom 17. April bis Ende Oktober 2026 geöffnet (ausschließlich Barzahlung).
Lauschtour: Rund ums Sisi-Schloss
Direkt am Wasserschloss startet diese kostenfreie Audio Tour, die sich über die „Lauschtour“-App bereits im Vorfeld abrufen lässt. Wahlweise mit oder ohne GPS geht es in einer guten Stunde auf rund zwei Kilometern zu sechs Lauschpunkten. Der Sprecher und seine Experten vor Ort geleiten uns so zur Burgkirche nach Oberwittelsbach. Im Zusammenhang mit der dortigen, später geschleiften Burg taucht 1105 übrigens zum ersten Mal „von Wittelsbach“ als Adelsname auf. Wir stehen hier also an der Wiege dieser bedeutenden europäischen Dynastie. Angefangen bei den Herzögen im 12. Jahrhundert bis hin zum Ende der Monarchie 1918 unter König Ludwig III. regierte das Adelsgeschlecht in Bayern. Tipp: Mit einem Besuch des Wittelsbacher Museums im historischen Unteren Tor der Aichacher Stadtmauer und einer anschließenden Wittelsbacher Wandertour (ca. zehn Kilometer ab dem Aichacher Stadtplatz) kann man die hier genannten Bausteine zu einem tagesfüllenden Programm kombinieren.
Stationen am Starnberger See
Die beliebten Ausflugsziele Kaiserin Elisabeth Museum im historischen Bahnhof von Possenhofen (1. Mai-18. Oktober 2026, nur Barzahlung) und Roseninsel lassen sich wunderbar verbinden. Und zwar mit einem der schönsten Audiospaziergänge in Bayern. Informationen und Audiodateien gibt es auf audio-guide.starnbergammersee.de oder direkt über die QR-Codes an der jeweiligen Station. Der dazugehörige Flyer zeigt Routenvorschläge für einen Rundweg oder für die einfache Wanderung zwischen den S-Bahnhöfen Possenhofen und Feldafing. Mehr Sisi geht (n)immer!
Margrit Amelunxen
Erschienen im Tagesspiegel am 09.05.2026