Die hohe Kunst der zimmermannsmäßigen Holzverbindungen ist absolut bewundernswert. Mit Schwalbenschwänzen, Nuten, Zapfen, Kämmen et cetera vermag ein Meister seines Faches die komplexesten Bauformen auszuführen. Der Aufwand an Zeit und Arbeit ist aber enorm. Schneller und günstiger fällt der Bau mit ingenieurmäßigen Holzverbindungen aus Metall aus. Die Einfachheit in der Handhabung bedarf keines speziellen Werkzeugs. Mit einer soliden Grundausstattung und handwerklichem Geschick können Holzverbinder aus Metall selbst von Laien verbaut werden. Die Ersparnis liegt auch im Materialverbrauch: Bei klassischen zimmermannsmäßigen Holzverbindungen lassen sich manche Lasten nur mit größer dimensionierten Balken abfangen, wenn sich der Querschnitt an der Verbindungsstelle durch Einschnitte verringert. Mit Metallverbindungen können schlankere, damit kostengünstigere Bauelemente zum Einsatz kommen, ohne die Statik zu destabilisieren.

Baubeschläge, Winkel und Holzverbinder bestehen in der Regel aus Stahlblech und sind vorgebohrt. Um die Stabilität einer solchen Verbindung zu gewährleisten, müssen aber die vorgeschriebenen, vor Rost geschützten Befestigungselemente wie Verbinderschrauben, Kammnägel, V-Anker, Stab- oder Einpressdübel zur Anwendung kommen. Das breite Angebot der Holzverbindervarianten aus Metall geht im Grunde auf elf Grundformen zurück, mit denen selbst eine komplexe Holzkonstruktion umsetzbar ist. Sie können teils miteinander zu raffinierten Verbindungselementen für Spezialanwendungen kombiniert werden.
Die geläufigsten sind die Winkelverbinder, die dort zur Anwendung kommen, wo Bauelemente im rechten Winkel zueinander stehen. Zwei Winkelverbinder sorgen für einen stabilen Anschluss. Mit einer Sicke in der Mitte oder zwei Rippen an den Seiten sind Winkelverbinder für Schwerlasten geeignet, auch bei Verbindungen mit Stahl, Beton oder Mauerwerk. Eine spezielle Form davon ist der Zuganker mit einem sehr langen senkrechten Schenkel für die Wand und einem besonders stabilen waagrechten Schenkel für den Boden. Seine Spezialität ist die Sicherung von Außenwänden gegen Zugkräfte. Bei rechten Winkeln werden auch Knaggen verwendet. Sie sind dreieckig (in der Diagonalen gefaltete Rechtecke) und können Längskräfte übertragen, was sie als Kippsicherung geeignet macht. Lochbleche in diversen Formen können nur an den flachen Fronten der Stoß- oder Knotenpunkte verwendet werden. Geeignet sind sie vor allem bei zug- und druckbeanspruchten Verbindungen bei gleicher Holzstärke, also meist im Fachwerkbau und bei Dachstühlen. Die häufiger angewandte Variante der Balkenverbinder sind die Balkenschuhe. Sie sorgen dafür, dass die Verbindungen auf Abscherung und nicht auf Zug belastet werden. Damit sind höhere Spannweiten möglich. Eine ähnliche Aufgabe übernehmen die verdeckten Holzverbindungen, wobei der Nebenträger über einen Montageschlitz eingehängt wird. Anders als beim Balkenschuh sind hier auch Anschlüsse im Winkel von bis zu 45 Grad möglich. Senkrechte Balken bekommen meist Stützenfüße (auch Stützenschuhe), die sowohl vertikale als auch horizontale Lasten aufnehmen können.
Zu den Spezialisten gehören Gerberverbinder, die Träger stumpf miteinander verbinden können. Ihre Belastbarkeit gilt in alle Richtungen. Sparrenpfettenanker verbinden indes schräglaufende Sparren mit gerade laufenden Pfetten, sind daher vor allem in diversen Schrägdachkonstruktionen anwendbar. Müssen Eisen-I-Träger mit Holzbalken verbunden werden, kommen in der Regel zwei HE-Anker diagonal gegenüberliegend zum Einsatz. Sie sind höhenverstellbar und können mit dem Boden entweder verschraubt oder darin einbetoniert werden. Eine Sonderaufgabe besonderer Art haben die Windrispenbänder, die für mehr Steifigkeit in Dach- und Wandkonstruktionen sorgen. Sie werden unter Zug montiert und können mit einem Spanngerät nachgespannt werden. Aufgrund komplexer Statik sollten selbst ambitionierteste Heimwerker stets einen Zimmerer oder Statiker zu Rate ziehen.
REINHARD PALMER
Erschienen im Tagesspiegel am 11.11.2025