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Schöner wohnen mit Schwedenrot

AUCH DIESES HAUS AUF DER FISCHERINSEL ULVÖN IN NORRLAND AM BOTTNISCHEN MEERBUSEN BEKENNT SICH ZUR HEIMISCHEN NATIONALFARBE. FOTO: FRANZISKA HORN

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Schöner wohnen mit Schwedenrot

Öfter mal rotsehen: SCHWEDENS NATIONAL-HAUSFARBE ist längst eine Ikone der skandinavischen Architektur

AIs bekanntes skandinavisches Wahrzeichen gelten die typischen Schwedenhäuschen, leuchtend rote Holzhäuser, zwischen Malmö und Kiruna - und weit darüber hinaus. Denn die Farbe schützt, schmückt und gilt seit Jahrhunderten als Aushängeschild. Interessant ist: Der Farbton namens Falunrot (Schwedisch Falu Rödfärg) stammt ursprünglich aus einer Kupfermine und hat viele gute Eigenschaften: Er lässt das Holz atmen und bietet langlebigen Schutz. 

Wie es dazu kam? Die nach ihrer Herkunftsstadt Falun benannt rote Farbe war dazu gedacht, die herrschaftlichen, roten Backsteinhäuser aus Mitteleuropa zu imitieren. Da das Pigment als Abfallprodukt in der Kupfergrube von Falun anfiel, war es günstig und entwickelte sich zum Standard für schwedische Häuser. Das machte auch in den von Schweden beherrschten Gebieten in Pommern und Mecklenburg Schule, wo manche Gebäude bis heute den typischen Farbton tragen. Ursprünglich war die Farbe wohlhabenden Landbesitzern und Kirchen vorbehalten, so unterzeichnete der schwedische König Johann III. bereits im Jahr 1573 den ersten Kaufvertrag für das Pigment. Das macht es wahrscheinlich zu einem der ältesten Farbtöne der Welt, der in gleichbleibender Zusammensetzung bis heute hergestellt wird. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden rote Häuschen auch für bürgerliche Schweden zugänglich. Der berühmte Maler und Reformer Carl Larsson (1853-1919) verewigte die Farbe in seinen zahlreichen Darstellungen des schwedischen Landlebens, er gilt zudem als Begründer des typisch heimischen Wohnstils.

Aufgezoomt - so entstand die namensgebende Pigmentmischung, bis heute ein langwieriger Prozess: Seit dem Jahr 1616 wird die traditionelle, matte Holzfarbe aus den Abraumhalden einer Kupfermine im schwedischen Falun, das rund 200 Kilometer nordwestlich von Stockholm liegt, gewonnen. Die Pigmente werden mit Stärkekleister, Mehl und Leinöl gebunden. Die eisenhaltige Rezeptur der Farbe bot Holzfassaden Schutz vor dem rauen nordischen Klima und machte sie zu einer praktischen Wahl für heimische Holzhütten. Sie konserviert das Holz, ob hier, in Finnland oder Norwegen. Seit 1992 ist die Kupfermine im Ort Falun in Dalarna geschlossen, seit 2001 zählt das Kupferbergwerk zum UNESCO Kulturerbe, auch die umliegende Landschaft und das historische Zentrum gehören dazu. Besucher können in die Grube absteigen und auf einem interaktiven Rundgang Wissenswertes über den Standort erfahren.

Zum Beispiel Infos wie diese: Die „Falu Rödfärg“ ist atmungsaktiv und selbstreinigend, bildet keinen Film, sondern ist offenporig und dringt physikalisch ins Holz ein. Die Dispersionsfarbe blättert nicht ab, sondern wäscht sich langsam ab, was ein einfaches Überstreichen ohne vorheriges Abschleifen ermöglicht. Am besten hält sie auf unbehandeltem oder sägerauem Holz. Auch auflänger der Witterung ausgesetztem Holz, nicht aber auf gehobelten Brettern oder über alten Acrylfarben. Sie benötigt eine längere Trocknungszeit, wirkt konservierend, ist nicht wasch- und bedingt wischfest. 

FLÄCHENDECKEND ROTSEHEN: DAS BESUCHSZENTRUM DER „HIGH COAST DISTILLERY“ IN BJÄR TRÅ AN DER HÖGA KUSTEN IM OSTEN SCHWEDENS. FOTO: FRANZISKA HORN
FLÄCHENDECKEND ROTSEHEN: DAS BESUCHSZENTRUM DER „HIGH COAST DISTILLERY“ IN BJÄR TRÅ AN DER HÖGA KUSTEN IM OSTEN SCHWEDENS. FOTO: FRANZISKA HORN

Wer über Land fährt, kann sich an all den leuchtenden Farbtupfern nicht sattsehen, das Rot schimmert im hübschen Komplementärkontrast zum Grün der endlosen Wälder. Auch mit dem Blau der Meeresküste harmoniert der Ton gut und spiegelt sich in den Wellen von Nord- oder Ostsee, wo vom Tiny House bis zu öffentlichen Bauten alles im typischen Anstrich schwelgt. Auch als farblicher Akzent kommt der Ton – bei kleinformatigen Flächen - wie Gartenhäusern, Fensterläden oder Türen gut an. Zu haben ist die echte Originalschlammfarbe im schwedischen Farbenhandel oder bei Herstellern wie Moose Färg. Alternative Farbvarianten sind Skåne Gul oder Bohus Blå, zu Deutsch Schwedengelb oder Schwedisch Blau. Alle drei Farben finden sich auch in den Schürzen und Kleidern der schwedischen Nationaltracht wieder. Franziska Horn

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 06.06.2026

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