Smart bedeutet schlau, klug und intelligent. Warum dann also beim Smarthome erst in der technischen Ausstattung damit beginnen, kluge Lösungen zu suchen? Wer wirklich schlau ist, fängt damit an, lange bevor die Baugrube ausgehoben ist: beim ersten Konzept. Und das nimmt in Form eines Grundrisses Gestalt an. Ziel muss dabei sein, den eigenen Bedürfnissen entsprechend möglichst viel Wohnkomfort in möglichst wenig Raum unterzubringen. Nicht zuletzt, um Bauzeit und -kosten nicht unnötig in die Höhe zu treiben. Schlau ist aber auch, möglichst flexible Räume zu schaffen, um bei sich verändernden Lebensumständen nicht gleich umziehen zu müssen, wenn das traute Heim den Bedürfnissen nicht mehr gerecht wird.


Beim ersten Schritt sollte das verfügbare Grundstück sorgfältig auf Lage, Form und Erschließbarkeit bewertet werden. Die Ausrichtung des Hauses nach dem Stand der Sonne erfüllt gleich mehrere Funktionen. Liegen das Schlafzimmer nach Osten, der Wohnbereich nach Süden, Küche und Essbereich nach Westen und nur die Sanitärräume, Waschküche, Treppen und Technikräume nach Norden raus, wissen sich die Bewohner über den ganzen Tag hinweg von der Sonne begleitet. Energetisch gesehen sollten möglichst viele Fenster für Licht und Wärme nach Süden schauen. Psychologisch betrachtet tragen auch Blickachsen weit in die Landschaft hinaus zum Wohlbefinden bei. Denn die Sicht ins Grüne ist immer wohltuend. Ein kurzer Ausblick, begrenzt von einer Hauswand oder Mauer, sollte indes dringend vermieden werden.
Der zweite Schritt zum schlauen Grundriss betrifft die innere Struktur und hat zunächst die Vermeidung aller Barrieren im Sinn, die für Kinderwagen wie für Rollstuhl gleichermaßen unbrauchbar sind. Dazu gehören nicht nur zu enge Treppen, Schwellen und Absätze, sondern auch eine allzu verwinkelte Raumanordnung, zu schmale Türen oder Sanitärräume ohne Wendeflächen. All das stößt spätestens dann auf Grenzen, wenn es um Baukosten geht. Die Geschossfläche ist an jeder Stelle gleich teuer. Es gilt also bei der Planung: So knapp wie möglich und so großzügig wie nötig. In Sachen Flächeneffizienz sollte die Optimierung bei den Verkehrswegen und Konstruktionsflächen (Wände, Schächte) angesetzt werden. Verkehrswege, die ja lediglich Verbindungen zwischen den Hauptwohnflächen darstellen, verbessern die Wohnqualität, wenn sie möglichst kurz sind. In Funktionsräumen wie Küche, Bad oder Waschküche sorgt die Konzeption nach dem Griffweitenprinzip nicht nur für eine Erleichterung der dort stattfindenden Tätigkeiten, sondern auch für eine deutliche Verkürzung der Wege. Liegen die Sanitärräume bei den Schlafzimmern und das Esszimmernahe der Küche, können weitere Quadratmeter für die Hauptnutzflächen hinzugewonnen oder gar zugunsten der Flächeneffizienz eingespart werden. Das bedeutet: Die Optimierung der Verkehrswege spart Fläche ein und macht den Bau günstiger, ohne Abstriche bei der Wohnqualität hinnehmen zu müssen. Im Gegenteil: Weniger kann mehr sein. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass bei einem Verkauf die reine Wohnfläche die Preiskategorie bestimmt.
Bei der Anordnung der Räume ist viel Intelligenz gefragt. So ist es sinnvoll, den Eltern lange Laufwege zu ersparen, indem die Kinderzimmer nahe bei Küche und Wohnzimmer angeordnet sind. Was wird aber aus den Kinderzimmern, wenn die Jugendlichen größere Räume brauchen und ihre Musik außer Hörweite der Eltern aufdrehen wollen? Sind sie als Homeoffice nutzbar, oder vergrößert man damit das Wohnzimmer? Und sind die Kinder aus dem Haus: Kann aus den Jugendzimmern vielleicht eine Einliegerwohnung werden, in der möglicherweise die Großeltern wohnen können, wenn sie nicht mehr alleine zurechtkommen? Die Anpassungsfähigkeit eines Hauses hängt von der Flexibilität des Grundrisses ab. Je offener er angelegt ist, desto mehr Nutzungsmöglichkeiten bietet er. Küche, Ess- und Wohnbereich sollten auf alle Fälle ohne Wände auskommen. Das ist zeitgemäß und spart viel Verkehrsfläche.
REINHARD PALMER
Erschienen im Tagesspiegel am 08.12.2025