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Revival eines Klassikers

FOTO: PIXABAY

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Revival eines Klassikers

Bauen und Gestalten mit Glasbausteinen

Glasbausteine hatten bei uns ihre Hochphase in den 1960er- und 70er-Jahren. Sie entsprachen dem Zeitgeist und brachten Tageslicht in dunkle Treppenhäuser und Flure. Glasbausteine waren blickdicht und wirkten modern und sauber. Erfunden wurden sie bereits rund 90 Jahre früher von dem Schweizer Architekten Gustave Falconnier. Auf der Weltausstellung 1900 in Paris wurde seine Erfindung der „Briques de verre“ ausgezeichnet. Für viele damalige Bauten waren die Glasbausteine allerdings in der Herstellung zu teuer. Oft wurden Glasbausteine lediglich in geringen Stückzahlen verwendet, um Tageslicht in Kellerräume zu bringen. Befestigt wurden sie in Eisenrahmen, die den Nachteil hatten, Kondenswasser zu bilden und zu rosten. Durch die Verwendung von eisenarmiertem Beton und maschineller Glaserzeugung konnten größere Flächen mit Glasbausteinen gebaut werden. In den 1930er-Jahren wurde die Herstellung von Glasbausteinen optimiert. Um sie herzustellen, wird eine bestimmte Glasmenge in eine Form gegeben und unter hohem Druck gepresst. Zwei so entstandene Glashälften werden in heißem Zustand verschmolzen, sodass ein Glashohlkörper entsteht. Beim Abkühlungsprozess entsteht im Inneren des Glassteins ein Vakuum. Glasbausteine können wie anderes Mauerwerk mit Mörtel aufgemauert werden oder als Fertigelemente, etwa auf vorgefertigten Aluminium-Hohlprofilen, eingesetzt werden. Verschiedene Verlegesysteme, bei denen auf Mörtel verzichtet werden kann und Abstandhalter für die gleichmäßige Ausrichtung der Steine sorgen, erleichtern die Arbeit. Um Räume belüften zu können, werden Glasbausteine in einen kippbaren Metallrahmen eingesetzt. Als Glasstahlbeton können sie auch waagerecht angeordnet und als Bodenelemente verbaut werden.

Heute werden Glasbausteine vor allem zur Gestaltung von Innenräumen wiederentdeckt. Es gibt sie in verschiedenen Farben und Ausführungen. Mit LED-Leuchten versehen, strahlen sie von innen und sorgen für besondere Lichteffekte und Lichtstimmungen. Verwendet werden Glasbausteine in Privathaushalten hauptsächlich im Badbereich, als Trennwände im Innenbereich oder als Untermauerung, etwa für Tresen oder Tische. Durch die Kombination verschiedener Farben ergeben sich zahlreiche Designmöglichkeiten. Einzelne Glasbausteine können als Kunstobjekte mit beliebigen Formen und Objekten verarbeitet oder wie bei der klassischen Glas-Mosaik-Malerei gestaltet werden. Beliebt sind Glasbausteine auch zur Gestaltung von Terrassen und Gartenwegen. Von innen beleuchtet, eignen sie sich als dezente Gartenleuchten. In Japan stießen Glassteinwände auf ein besonderes Interesse, da sie im Stil den traditionellen Shoji-Trennwänden entsprachen. Hauptsächlich eingesetzt werden Glasbausteine heute weniger im privaten Bereich, sondern in Büros, medizinischen Einrichtungen, Bibliotheken oder Museen, die viel Tageslicht benötigen.

Auch in Zoos werden häufig Glasbausteine verwendet, um den Tieren einen natürlichen Rhythmus des Tageslichts zu ermöglichen. Für Außenwände werden klassische Glasbausteine kaum noch verwendet. Denn ihre Dämmeigenschaften lassen zu wünschen übrig: Sie haben einen rund dreifach höheren Wärmeverlust im Vergleich zu modernen Fenstern. Neu entwickelte Aerogel-Glasbausteine haben das Problem mangelnder Dämmeigenschaften gelöst. Erfunden wurden sie an der Schweizer Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa. Aerogel-Glasbausteine kommen auf die höchste gemessene Dämmleistung für Ziegelsteine. Möglich wurde dies durch eine Kombination aus Floatglas, einem speziellen Flachglas- und hochporösen Silikat-Aerogel-Granulat, das als Hochleistungsdämmstoff im Baubereich Verwendung findet. Durch die hohe Druckfestigkeit der Aerogel-Glasbausteine können sie auch die Last tragender Wände aufnehmen. Das aufwendige Verfahren macht Aerogel-Glasbausteine allerdings zwei- bis viermal so teuer wie herkömmliche Ziegelsteine. Dafür können Innenräume und ganze Gebäudeteile für einzigartige Lichtstimmungen sorgen.

SEP

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 06.04.2024

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