Früher belächelt und total unterschätzt: der Bayerische Wald, oder der Woid, wie er gerne genannt wird. Heute gehört das etwa 100 Kilometer lange und bis zu 1456 Meter hohe Mittelgebirge an der Grenze zwischen Deutschland und Tschechien zu den beliebtesten Urlaubsregionen Deutschlands. Besonders für Familien mit neugierigen und abenteuerlustigen Kindern. "Freizeit“ nimmt Sie zu Hotspots mit in den Oberen Bayerischen Wald.
Der Silberberg ruft
Von Weitem schauen die zwei Gipfel aus wie eine Mitra. Die Rede ist vom 955 Meter hohen Silberberg bei Bodenmais, der wegen seiner zwei Gipfel unter den Einheimischen auch Bischofshaube genannt wird. Auch die Geschichte von Bodenmais ist untrennbar mit dem Berg und seiner Geschichte verbunden, wo in früher Zeit Bergleute aus aller Herren Länder nach kostbaren Erzen schürften. Heute ist der Silberberg ein begehrtes Freizeitparadies und Ausflugsziel. Die Silberberg-Sesselbahn mit ihren Freizeiteinrichtungen, wie der Sommerrodelbahn, der neuen Tubingbahn, dem Kinder-Klettergarten, den Abenteuer-Spielplätzen und der Silberberg-Alm.
Eine besondere Attraktion ist der Besuch des Barbarastollens. Bei der Führung durch den über 600 Meter langen "Barbarastollen“ führt der Weg tief ins Innere des Silberbergs bis zu einer gewaltigen Höhlung, dem "Großen Barbaraverhau“. Im Barbarastollen können Maschinen und Förderschächte in Funktion erlebt werden. Tief im Erzbergwerk liegt auch der Therapiestollen für Asthma- und Atemwegspatienten. Diese Therapieform wird unter stationären Bedingungen nur in der Silberbergklinik durchgeführt. Der Silberberg Bodenmais wurde als eines von Bayerns schönsten Geotopen prämiert.
Baumwipfelpfad
Inmitten der urwüchsigen Wälder des Nationalparks Bayerischer Wald liegt ein besonderes Naturerlebnis verborgen: der Baumwipfelpfad bei Neuschönau. Seit 2009 schlängelt sich hier der 1300 Meter lange, barrierefreie Pfad aus Holz in acht bis 25 Metern Höhe durch die Kronen alter Buchen, Tannen und Fichten. Besonders markant: der 44 Meter hohe Aussichtsturm, der durch seine spektakuläre Ei-Form schon von Weitem ins Auge fällt und von dem aus man an schönen Tagen bis zu den Alpen sehen kann. Was auf den ersten Blick wie ein architektonischer Blickfang wirkt, ist gleichzeitig ein Ort zum Staunen und zum Lernen. "Hier verbinden sich Naturbeobachtung, Umweltbildung und Entschleunigung auf eindrucksvolle Weise", heißt es in der Beschreibung. Der Besuch lohnt sich zu jeder Jahreszeit.
Tierpark Lohberg
Schau mir in die Augen! Die Aufforderung ist nicht nur so dahingesagt, sondern ist hier auch so gemeint. Die Rede ist vom Tierpark in Lohberg - dem Urlaubsdorf am Großen Arber. Der Tierpark ist Heimat von über 400 Tieren des bayerisch-böhmischen Grenzgebiets mit etwa 100 Arten, die in natürlicher Umgebung leben. Der Park bietet die Gelegenheit, die heimische Tierwelt aus nächster Nähe zu erleben. Zu beobachten gibt es scheue Luchse und Wölfe. Zur Anlage gehören unter anderem ein großes Wolfsgehege, Aquarien, Vogelvolieren, Naturlehrpfaden, Streichelzoo und natürlich ein Kinderspielplatz. Der Bayerwald-Tierpark Lohberg befindet sich am Fuß des Großen Arbers. Besonders erwähnenswert, so schreiben die Betreiber, sind die verschiedenen Tierfütterungen, die regelmäßig stattfinden und einen spannenden Einblick in die tierische Bayerwald-Welt bieten.
Drachenhöhle Furth
Wenn das keinen Familienausflug wert ist? Die Drachenhöhle Furth im Walderlebnispfad. Furth im Wald hat seit 2010 einen neuen Drachen. Der größte Schreitroboter der Welt, der sogar im Guinness-Buch der Rekorde eingetragen ist, wohnt von April bis Oktober in seiner Drachenhöhle auf dem Further Festplatz. Bei einem Rundgang durch die Drachenhöhle kann man über die Geschichte der Drachen in Furth im Wald, über das Festspiel sowie die Technik des größten Vier-Bein-Schreitroboters der Welt erfahren.
Mit den gewaltigen Ausmaßen von fünf Metern Höhe und 15,50 Metern Länge ist das Fabeltier zu Recht Rekordhalter. Das ist aber noch nicht alles: Die Bewegungsabläufe des Drachen fühlen sich natürlich an und das Wichtigste: Der Drache schleudert meterlange Feuerstöße aus seinem Rachen. Der Lindwurm ist zudem der Hauptdarsteller von Deutschlands ältestem Festspiel, dem "Further Drachenstich“, das jedes Jahr im August Tausende von Begeisterten nach Furth im Wald zieht.



Keltendorf Gabreta
Töpfern, Brot backen, Feuer machen, eine Lehmwand verputzen oder sich einfach nur ganz weit in der Zeit zurückfallen lassen. Geschichte zum Erleben und Anfassen bietet der archäologische Erlebnispark Keltendorf Gabreta in Lichtenau/Ringelai. Ein weiterer Aspekt, der im Keltendorf Gabreta die Vergangenheit lebendig werden lässt, sind die Nachzüchtungen alter Haustierrassen, wie Wollschweine, Skudden, Hinterwälderrinder und Exmoreponys, die auf dem Gelände leben.
Das Keltendorf Gabreta lädt Eltern und Kinder zur Reise in die Zeit der Kelten. Nachgebaute frühgeschichtliche Häuser bilden die Kulisse für den archäologischen Erlebnispark, in dem das Leben unserer keltischen Vorfahren anschaulich dargestellt und praktisch erlebbar wird. Auf Äckern und Weiden wird die Landwirtschaft und Tierhaltung der keltischen Zeit anschaulich präsentiert. Hier im Keltendorf Gabreta können sich Familien selbst bei Aussaat, Ernte und Tierbetreuung beteiligen. Übrigens: Der Ofen zum Brotbacken wird im Keltendorf jeden Samstag und Sonntag um 14 Uhr eingeheizt.
Rudi Kanamüller
Erschienen im Tagesspiegel am 09.05.2026