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Raumfahrt in Bayern

Auf dem planetaren Testgelände am DLR in Oberpfaffenhofen trainieren Wissenschaftler robotische Fahrzeuge für künftige Missionen im All. Das 630 Quadratmeter große Outdoor-Feld simuliert die Vulkan- und Höhlenlandschaften von Mars und Mond. Foto: Patrizia Steipe

Heimatszene

Raumfahrt in Bayern

Mit der Initiative „Bavaria One“ will der Freistaat im Weltall mitmischen. Vom neuen Mondkontrollzentrum in Oberpfaffenhofen aus sollen künftig Missionen gesteuert werden.

Anfang April blickte die Welt zum Mond, als das Astronauten-Team der Artemis-II-Mission den Erdtrabanten umrundete. Hierzulande wurde danach vor allem über das in Bremen entwickelte Service-Modul diskutiert, doch die Fäden des europäischen Beitrags wurden in Bayern gezogen, am DLR-Standort in Oberpfaffenhofen. Hier flossen alle europäischen Daten zusammen, die große 15-Meter-S-Band-Antenne bei Weilheim überwachte den Kurs der Orion-Kapsel mit dem Astronautenteam. Noch im Februar hatte Ministerpräsident Markus Söder Förderbescheide mit einer Gesamtsumme von 63 Millionen Euro überreicht. Sie stammen aus dem Förderprogramm „Bavaria One“.

„Der Mond ist unser Sprungbrett ins All – und vielleicht irgendwann die Zwischenstation zum Mars“, kommentierte Söder. Eine Botschaft, die an einen Auftritt im Oktober 2018 erinnerte, als der „Star Wars“- und Weltraumfan Söder die Raumfahrt-Strategie „Bavaria One“ der Staatsregierung präsentierte. „Bayern wird in den kommenden Jahren mehr als 700 Millionen Euro investieren und so zu Europas Nummer Eins in der Luft- und Raumfahrt werden“, hieß es damals in einer Presseerklärung der Regierung. Und tatsächlich ist in der Zwischenzeit einiges passiert.

„Das ist das spannendste Abenteuer unserer Zeit. Es hat aber auch konkrete Effekte auf unser Leben auf der Erde: Als Space Valley entstehen in Bayern zahlreiche neue Technologien und Arbeitsplätze.“
Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern
Auf zum Mond: DLR Wenn Bayern von der Raumfahrt spricht, landet man unweigerlich in Oberpfaffenhofen. Nach Markus Söders großem „Bavaria One“-Versprechen entsteht am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ein Mondkontrollzentrum, von dem aus künftig Missionen ins All vom Boden aus begleitet werden. Die Roboter, die die Astronauten unterstützen sollen, üben bereits den Ernstfall auf Testfeldern.Ministerpräsident Markus Söder schüttelt dem Roboter Rollin' Justin beim bayerischen Mondgipfel am DLR die Hand. Foto: DLR
Auf zum Mond: DLR Wenn Bayern von der Raumfahrt spricht, landet man unweigerlich in Oberpfaffenhofen. Nach Markus Söders großem „Bavaria One“-Versprechen entsteht am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ein Mondkontrollzentrum, von dem aus künftig Missionen ins All vom Boden aus begleitet werden. Die Roboter, die die Astronauten unterstützen sollen, üben bereits den Ernstfall auf Testfeldern.Ministerpräsident Markus Söder schüttelt dem Roboter Rollin' Justin beim bayerischen Mondgipfel am DLR die Hand. Foto: DLR

Die TUM-Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie auf dem Ludwig-Bölkow-Campus wurde schon 2019 gegründet. Sie heißt inzwischen Department of Aerospace and Geodesy und ist in die TUM-School of Engineering and Design integriert. Derzeit forschen und lehren dort 28 Professorinnen und Professoren. Die Fakultät soll Europas größte Forschungseinrichtung ihrer Art werden, mit mehr als 55 Professuren im Endausbau. Inzwischen lernen dort fast 2800 Studierende in Nachbarschaft zu Firmen wie der EADS und der IABG, die in der Luft- und Raumfahrt seit Jahrzehnten aktiv sind. In wenigen Wochen sollen fünf quaderförmige sogenannte Nanosatelliten („Cubes“) mit Kantenlängen zwischen zehn und dreißig Zentimetern in den Orbit geschossen werden.

CuBy-Satelliten – ein Wortspiel aus „Cube“ und „By“ für Bayern – sollen Daten für Landwirtschaft, Natur- und Katastrophenschutz, Stadtplanung und Vermessung liefern. Ein Kooperationsprojekt von TUM, Julius-Maximilians-Universität Würzburg, der Würzburger S4 GmbH sowie der Augsburger Rocket Factory (RFA), die die Trägerrakete entwickelt. Ihre Signale werden von den 15-Meter-Antennen am DLR-Standort Weilheim aufgefangen. Nach einer Testphase wird über das weitere Vorgehen entschieden.

Zentrale Datenschnittstelle

Für größte Aufmerksamkeit sorgte indes die Artemis-II-Mission . Zumal die bemannten Mondmissionen schon 2028 und 2029 über die Bühne gehen sollen. Auch dann wird das DLR Oberpfaffenhofen als zentrale Daten-Schnittstelle für alle beteiligten europäischen Partner fungieren. Im April hatten die Oberbayern die Werte von eigens von der DLR entwickelten Sensoren im Blick, die in der Kapsel die Weltraumstrahlung maßen - eine Strahlung, die für Menschen sehr gefährlich ist, gerade bei längeren Aufenthalten im All. Außerdem überwachte die Oberpfaffenhofener Crew den Mond-Umrundungs-Trip mithilfe ihren 15-Meter-Antennen, die auf dem DLR-Gelände der Satellitenbodenstation Weilheim aufgebaut sind. Die 1974 erbaute 30-Meter-Antenne auf dem Areal ist übrigens für die Kommunikation mit Raumfahrzeugen im Deep Space ausgelegt. Sie empfing zum Beispiel mehrere Jahre die Signale der beiden Helios-Sonden, die sich in den 1970er-Jahren aufgemacht hatten, die Grenzen des Sonnensystems zu verlassen. Zurück zu Artemis II: Zum Empfang und zur Verarbeitung all dieser Informationen wurden bestehende DLR-Systeme genutzt, insbesondere das Columbus-Kontrollzentrum (Col-CC). Es wird in den kommenden Jahren durch das Human Exploration Control Center (HECC) ergänzt, das künftige europäische Mondkontrollzentrum.

Das Mondkontrollzentrum soll in vier Jahren fertig sein

Daher hatte die Artemis-II-Mission für den DLR-Standort Oberpfaffenhofen eine besondere Bedeutung: Er galt als Vorbereitungs- und Testlauf für die Aufgaben bei Mondlandungsreisen. Tatsächlich lief alles wie am Schnürchen: in Oberpfaffenhofen ebenso wie bei den weiteren Partnern. Inzwischen ist die Entwicklung der HECC-Module angelaufen. Anfang des Jahres übergab Ministerpräsident Söder der DLR-Führung Förderbescheide über 58 Millionen Euro für die Baumaßnahmen sowie weitere fünf Millionen Euro für die Entwicklung einer Mond-Raumstation und für ein KI-Projekt zur Betreuung von Astronauten. „Bayerns Tor zu den Sternen kommt“, freute sich der bayerische Regierungschef. Das DLR, das im Wesentlichen vom Bund finanziert wird, steuert selbst 20 Millionen bei. Und dann ist da noch die European Space Agency (ESA) mit ihrem 33 Milliarden-Euro-Budget für die Jahre 2026 bis 2028. Fünf Milliarden stammen aus der Kasse der Berliner Wissenschafts- und Raumfahrtministerin Dorothee Bär, einer Parteifreundin von Söder. Bayern ist dennoch ein wichtiger Partner der Mission.

Nicht zuletzt, weil der Ministerpräsident im Jahr 2018 mit „Bavaria One“ ein Ausrufezeichen gesetzt und die Türen für ein neues Raumfahrt-Interesse aufgestoßen hat. 2030 soll das Mondkontrollzentrum fertig sein. Der evolutionäre Ausbau des Systems soll garantieren, dass es schon bei den Missionen Artemis-IV 2028 und Artemis-V 2029 voll funktionsfähig ist. Beide Male ist eine Landung von Menschen auf dem Mond geplant. Bekanntlich will US-Präsident Donald Trump noch vor Ende seiner regulären Amtszeit im Januar 2029 unbedingt mit einem amerikanischen Astronauten auf dem Mond reden. Auf welchen Posten Bär und Söder dann sitzen werden, steht noch in den Sternen.

Horst Kramer

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 20.06.2026

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