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PRINZIP ERGONOMIE

AN EINEM ERGONOMISCHEN ARBEITSPLATZ IST VOR ALLEM DIE SITZ- UND ARBEITSPOSITION DES BENUTZERS ENTSCHEIDEND. EINE GESUNDE HALTUNG BEUGT ERMÜDUNG VOR UND STEIGERT DIE EFFEKTIVITÄT DER ARBEIT. FOTO: PIXABAY/ARTIE112

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PRINZIP ERGONOMIE

Ursprünglich für den Arbeitsplatz entwickelt, ist die ERGONOMIE heute ein allgemeiner Aspekt im Design

Die Ergonomie ist heute zweifelsohne einer der zentralen Begriffe im Design. Die lang gehegte Meinung, Designer-Einrichtungsgegenstände seien per se unpraktisch und unbequem, gilt definitiv als überholt. Design wird nur dann als gut bewertet, wenn es nicht nur dem künstlerischen Anspruch gerecht wird, sondern auch in Hinsicht auf die praktische Nutzbarkeit optimal gestaltet ist. Dass wir heute beim Thema Ergonomie zunächst an den gesundheitsorientierten Arbeitsplatz denken, ist nicht ganz verkehrt, definiert doch der Begriff (das griechische „ergon“ bedeutet„Arbeit“, „nomos“ steht für „Gesetz“) die Wissenschaft von der Gesetzmäßigkeit menschlicher (auch automatisierter) Arbeit. Doch nach und nach fand der Begriff der Ergonomie allgemeine Anwendung unabhängig von der Zweckbestimmung eines Designobjekts. Die Aspekte der Ergonomie blieben dennoch erhalten und können grob mit Komfort, Sicherheit (kein Verletzungsrisiko), Benutzerfreundlichkeit, Ästhetik und Leistung umrissen werden.

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Prof. Dr.-Ing. Ralph Bruder brachte in seinem Vorlesungsskript „Einführung in die Ergonomie für Industrial Design“ an der Uni Essen den Sachverhalt auf den Punkt: „Jemand, der für andere Menschen gestaltet, muss sich mit dem menschlichen Dasein in seiner körperlichen, geistigen und seelischen Dimension auseinandersetzen. Aufgabe der Ergonomie als menschbezogener Gestaltungsdisziplin ist es, aus den Dimensionen menschlichen Daseins gestaltbare Größen und Faktoren abzuleiten. Neben den schon genannten Körpermaßen und Körperkräften als Beispiele für die körperlichen Dimensionen menschlichen Daseins, spielen die geistigen Dimensionen (z.B. Wahrnehmungsfähigkeiten, Problemlösungsprozesse) und seelischen Dimensionen (z.B. Emotionen, Motivationen) im Zusammenhang mit einer stetig wachsenden Technisierung und Automatisierung auch der alltäglichen Umwelt eine zunehmend wichtigere Rolle.“

DIE KÜCHENEINRICHTUNG NUTZEN IN DER REGEL MEHRERE PERSONEN, DIE VON UNTERSCHIEDLICHER KÖRPERGRÖSSE UND -STATUR SEIN KÖNNEN. AUCH DIE EINZELNEN TÄTIGKEITEN ERFORDERN UNTERSCHIEDLICHE ARBEITSHÖHEN. EINE ERGONOMISCHE KÜCHE MUSS DIESE ERFORDERLICHE FLEXIBILITÄT ABBILDEN. F.: HORSTMANN KÜCHEN
DIE KÜCHENEINRICHTUNG NUTZEN IN DER REGEL MEHRERE PERSONEN, DIE VON UNTERSCHIEDLICHER KÖRPERGRÖSSE UND -STATUR SEIN KÖNNEN. AUCH DIE EINZELNEN TÄTIGKEITEN ERFORDERN UNTERSCHIEDLICHE ARBEITSHÖHEN. EINE ERGONOMISCHE KÜCHE MUSS DIESE ERFORDERLICHE FLEXIBILITÄT ABBILDEN. F.: HORSTMANN KÜCHEN

Andere Beschreibungen gehen bei den drei Arten der Ergonomie von den physischen, kognitiven und organisatorischen Aspekten aus. All diese Ansätze machen aber stets vor allem deutlich, dass ergonomisches Design individuellen Ansprüchen und Bedürfnissen gerecht werden muss. Die Anpassungsfähigkeit beziehungsweise Kombinierbarkeit kommt zur rein gestalterischen Aufgabe hinzu. Die Verschiedenheit der Menschen muss in der Wandelbarkeit eines Objekts abgebildet sein.

Für den Arbeitsplatz bedeutet dies, dass er individuell gestaltet werden kann und den körperlichen Besonderheiten des dort tätigen Menschen entsprechen muss. Die Nutzung eines Objekts darf nicht körperlich anstrengend oder gar ungesund sein. Die Haltung des Körpers muss dabei möglichst natürlich sein. Im besonderen Maße ist dies bei der Schreibtischarbeit am PC erforderlich. Das betrifft vor allem die Sitzposition im Verhältnis zu den genutzten Arbeitsflächen und -utensilien wie Tastatur, Computermaus, Schreibunterlage, Monitorhöhe und -platzierung, Telefon, Aktenschrank, Ablageflächen, Beleuchtung et cetera. Eine ergonomische Büroausstattung verhindert unnötige Belastungen und Überbeanspruchung einzelner Körperteile wie Muskel und Gelenke. Ist alles optimal gestaltet, bleiben körperliche Erschöpfungserscheinungen aus, Belastung und damit die Ermüdung verringern sich, und die Produktivität sowie Leistung steigen.

Im Wohnbereich ist es nicht anders, nur dass die zu erfüllenden Funktionen anders gelagert sind, etwa Zubereitung vom Essen in der Küche, Entspannung vor dem Fernseher, angenehme Wohnlichkeit, gesunder Schlaf, unangestrengte Handlichkeit bei der Körperpflege. In vielen Fällen deckt sich hier die Ergonomie mit der Barrierefreiheit, geht es doch bei beiden grob gefasst um die natürliche Passung zwischen Mensch und Umgebung. Im Grunde bezieht sich die Barrierefreiheit auf eine bestimmte Gruppe von Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen, sei es durch Krankheit oder Alterserscheinungen. In den meisten Fällen trägt sie aber bei allen Menschen zu Komfort, Benutzerfreundlichkeit und Wohlbefinden bei.

REINHARD PALMER

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 05.10.2024

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