Der Juni 2025 war nach Zahlen des EU-Klimadienstes Copernicus der heißeste bis dahin gemessene Monat in Westeuropa. Mit zwei starken Hitzewellen innerhalb weniger Tage. Gerade in den großen Städten mit vielen versiegelten Flächen und wenigen Schattenbereichen ist das ein besonderes Problem, auf das man hierzulande aber mitunter noch ein wenig kleinteilig reagiert.
In Stuttgart zum Beispiel, wo in diesem Jahr 29 Sonnenschirme für öffentliche Plätze angeschafft wurden, oder in München, wo die Stadt ihre Bürger zum Spenden für neue Bäume in der Altstadt aufgerufen hat. Doch es gibt Städte in der Welt, die die Reaktion auf Klima und Wetter jetzt schon größer denken.
So setzt etwa Singapur auf biophile Architektur und naturnahe Stadtplanung, auch wenn man das bei der Skyline mit den vielen Wolkenkratzern im ersten Moment vielleicht gar nicht denken würde. Beim näheren Hinsehen und beim Bewegen durch die City fallen sie einem aber schnell auf, die vielen Grünzonen mit Regenwassergärten, vertikaler Bewaldung an den Fassaden und bepflanzten Brücken über die tosenden Straßen.
Eine Entwicklung, die schon in den 1960er-Jahren mit dem Ansinnen einer „Green City“ vorangebracht wurde und vor allem in den letzten vier Jahrzehnten zu einem städtischen Grünanteil von 47 Prozent geführt hat, wie es seitens des Singapore Tourism Board heißt. Die Fortentwicklung zu einer noch klimafreundlicheren Millionenstadt soll nun mit dem "Green Plan“ gelingen.

Dabei steht die Pflanzung von einer Million neuer Bäume auf der Agenda, der öffentliche Nahverkehr soll bis auf einen Anteil von 75 Prozent ausgebaut werden und die Planer sehen durch die Schaffung weiterer naturnaher Gebiete darüber hinaus die Möglichkeit, bis 2030 überall in der Stadt innerhalb von zehn Minuten fußläufig einen Park erreichen zu können.
KAI-UWE DIGEL
Erschienen im Tagesspiegel am 11.11.2025