Pflanzen auf Gräbern haben oft eine symbolische Bedeutung, die sich auf das Leben und den Tod, die Hoffnung oder die Liebe beziehen. Die den Pflanzen anhaftende Symbolik hat sich im Verlauf langer Zeiträume entwickelt, auch in Kulturkreisen, die sich unabhängig von unseren gebildet haben. „Der Tod wurde von unseren Vorfahren immer als Teil des Lebens verstanden“, erklärt die Treuhandgesellschaft Bayerischer Friedhofsgärtner (TBF), die Dauergrabpflegeverträge treuhänderisch verwaltet. Es könne ein schöner Weg sein, über die Symbolik der Pflanzen, das Leben von Verstorbenen nachzuzeichnen und durch die bewusste Pflanzenverwendung an sie zu erinnern, wobei sich die Bedeutungen je nach Quelle unterscheiden können. Vor Ostern werden die gelb-blühenden Narzissen gerne auf die Gräber gebracht. Die Pflanzen stehen als starke Frühlingsblume für die Wiedergeburt und die Kraft, Dunkelheit und den Tod überwinden zu können. Ein passendes Symbol für Ostern, dem höchsten christlichen Fest der Auferstehung, aber auch für den Frühlingsbeginn.
Efeu und Buchsbaum stehen als immergrüne Pflanzen für Unsterblichkeit und Auferstehung. Für die Erinnerung steht allein schon wegen des Namens das „Vergissmeinnicht“, aber auch das Stiefmütterchen. Die Chrysantheme spiegelt das Totengedenken und die Liebe über den Tod hinaus wider. Sie blüht schließlich zu den Totengedenktagen im Herbst. Auch die Lilie ist die traditionelle Blume, mit der man den Tod, aber auch das Licht und die Reinheit in Verbindung bringt. Rosen als Sinnbild für Liebe werden gerne auf Gräber gepflanzt, wer sie mit Lavendel begleitet, sorgt dann - symbolisch gesehen - sogar für die Abwehr des Bösen. Pflanzen wie Illex, Wacholder, Birke, Hasel und Lavendel werden diese Eigenschaften zugeschrieben. Die Dreieinigkeit findet sich wegen der Dreiblättrigkeit in Akelei, Erdbeere, Klee, Stiefmütterchen und dem Leberblümchen wieder. Sogar Kräuter haben Symbolkraft. Die Minze etwa ist ein Zeichen für Liebesleidenschaft, Gastfreundschaft und Heilkraft.
Neben der Auswahl der Pflanzen kann die Symbolik durch Form und Wuchs der Pflanzen unterstrichen werden. Seit Jahrhunderten steht die Kreisform für die Ewigkeit, für Anfang und Ende, für den Kreislauf des ewigen Lebens. Gebrochene Formen stehen für jäh zu Ende gegangenes Leben und den Verlust eines Menschen, weiß die TBF.
Erschienen im Tagesspiegel am 10.04.2025