Die transkranielle Pulsstimulation (TPS) ist eine bahnbrechende Therapie, die das Gehirn mit sanften, Stoßwellen stimuliert. Seit 2018 wird sie erfolgreich zur Behandlung von Alzheimer eingesetzt und findet mittlerweile auch Anwendung bei Parkinson, Depressionen, Long Covid und anderen neurologischen Erkrankungen. Diese innovative Methode hat das Potenzial, nicht nur das Leben der Betroffenen zu verbessern, sondern auch das ihrer Angehörigen spürbar zu erleichtern.
Verbesserte Gedächtnis- und Denkfähigkeiten
Eine der bedeutendsten Wirkungen der TPS ist die Förderung der Neuroplastizität, also der Fähigkeit des Gehirns, neue Nervenzellen zu bilden. Durch TPS wird die Neubildung von Nervenzellen stimuliert, was zu einer Vergrößerung der Hirnsubstanz führen kann. Dies verbessert Gedächtnis, Denkfähigkeit und Konzentration, was für Menschen mit Alzheimer oder ähnlichen Erkrankungen einen deutlichen Fortschritt darstellt.
Positive Effekte auf die Stimmung
TPS kann auch bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angstzuständen helfen. Besonders bei Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen, die oft unter depressiven Verstimmungen leiden, stellt TPS eine wertvolle Ergänzung zur Therapie dar. Die oft in sich gekehrten Patienten erscheinen wacher und können die Vorgänge in ihrer Umgebung besser wahrnehmen. Angehörige berichten, wie sich die Orientierung verbessert und sich die Fähigkeit am Leben aktiver teilzunehmen steigert.
Bessere Beweglichkeit bei Parkinson
Für Menschen mit Parkinson, einer Erkrankung, die anfangs die Beweglichkeit später aber auch die geistigen Fähigkeiten einschränkt, kann TPS ebenfalls eine neue Behandlungsoption sein. Durch die Stimulation werden Symptome wie Zittern und Muskelsteifheit verringert wodurch alltägliche Aufgaben wie Gehen, Schreiben oder Anziehen wieder leichter fallen. Prof. Bauermeister erlebte, wie Patienten ihren Rollator nicht mehr benötigten und so wieder selbständiger wurden.
Depressionen, Post-Covid, ADHS und Autismus
Mehrere kontrollierte Studien belegen die Wirksamkeit der TPS auch bei anderen Erkrankungen des Zentralnervensystems. Entzündungen verschiedener Gehirnstrukturen sind dabei der gemeinsame zugrundeliegende Faktor, der durch die TPS positiv beeinflusst werden kann.
Langfristiger Schutz des Gehirns
Ein weiterer Vorteil der TPS ist, dass sie möglicherweise hilft, das Gehirn langfristig zu schützen. Bei Krankheiten wie Alzheimer, die das Gehirn nach und nach abbauen, könnte TPS dazu beitragen, diesen Prozess zu verlangsamen, oder sogar umzukehren. Dies gibt den Patienten mehr Zeit, in der sie geistig und körperlich stabiler bleiben.
Wissenschaft der Transkraniellen Pulsstimulation
Weltweit werden Beobachtungsstudien sowie kontrollierte Doppelblindstudien durchgeführt, um die Wirksamkeit und Sicherheit der TPS weiter zu belegen. Diese wissenschaftlichen Untersuchungen sind entscheidend, um die Akzeptanz der TPS als therapeutische Option zu erhöhen und um Krankenversicherungen von ihrem Nutzen zu überzeugen. Ziel ist es, die Kostenübernahme dieser vielversprechenden Behandlungsmethode zukünftig sicherzustellen und so einem breiteren Patientenkreis zugänglich zu machen.
Neuroinstitut München
Prof. (Univ. Charkiv, Ukraine) Dr. Wolfgang Bauermeister
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Prof. Bauermeister gilt seit dem Jahr 2000 als Pionier in der Anwendung von Stoẞwellen zur Behandlung chronischer, therapieresistenter Schmerzen, die durch Triggerpunkte verursacht werden. Der nächste logische Schritt für ihn war die Einführung der transkraniellen Pulsstimulation (TPS) in seinem Neuroinstitut in München. Heute wird TPS weltweit in über 160 Kliniken, Universitätskliniken und Praxen in mehr als 30 Ländern angewendet und intensiv weiter erforscht - unter anderem an renommierten Einrichtungen wie der Charité in Berlin.
Erschienen im Tagesspiegel am 21.09.2024