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Einfach bauen mit dem neuen Gebäudetyp-e

DIE KOSTENSPIRALE BEI DER REALISIERUNG HEUTIGER NEUBAUTEN GEHT AUFGRUND ZUNEHMENDER KOMPLEXITÄT, ANSPRUCHSDENKEN UND REGULARIEN IMMER WEITER NACH OBEN. FOTO: DANIST SOH / UNSPLASH

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Einfach bauen mit dem neuen Gebäudetyp-e

Die Initiative der Bayerischen Architektenkammer strebt an, Bauvorschriften zu reduzieren und so nachhaltigen und kostengünstigen Neubau sowie einfacheren Bestandserhalt zu ermöglichen

Was die in der Gegenwart geplanten Gebäude eint, ist deren Komplexität hinsichtlich Materialien, Technik und Ausstattung. Das einfache Bauen, also bevor die Bauvorschriften auf über 20.000 (ZIA) erweitert und in umfangreiche Faktenwerke gepackt wurden, wird kaum noch praktiziert. Es scheint, als ginge es um eine Grundausstattung, die jedoch mit dem „kleinen Besteck“ des Bauens nichts mehr gemein hat.

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Wohin soll das noch führen?

DIE BAYERISCHE ARCHITEKTENKAMMER IST GRÜNDERIN DER INITIATIVE „GEBÄUDETYP-E“ MIT BEREITS 19 PILOTPROJEKTEN IM RAUM BAYERN. DARSTELLUNG: BAYERISCHE ARCHITEKTENKAMMER
DIE BAYERISCHE ARCHITEKTENKAMMER IST GRÜNDERIN DER INITIATIVE „GEBÄUDETYP-E“ MIT BEREITS 19 PILOTPROJEKTEN IM RAUM BAYERN. DARSTELLUNG: BAYERISCHE ARCHITEKTENKAMMER

Vielmehr versteht man heute darunter das Angebot eines vollwertigen Pakets bestehend aus moderner und hipper Architektur, smarten Technologien, hochwertigen Materialien mit immerhin ökologischem Anspruch, innovativer Aufzugstechnik und großen Terrassen mit Bewässerungssystemen für die Bepflanzung. Darüber hinaus nehmen die Flächengrößen pro Person und Wohnung zu. Das Verlangen nach mehr treibt zweifelsohne die Kosten rasant in die Höhe und gestaltet das Realisieren und eine Wirtschaftlichkeit im Betreiben der Immobilien immer schwieriger. In der Konsequenz legen die Bauherren die steigenden Auslagen auf die Käufer oder Mieter um, was wiederum zu überproportional steigenden Kaufbeziehungsweise Mietpreisen führt. Diese Frage stellte sich eine Reihe Kammermitglieder der Bayerischen Architektenkammer (BYAK) und gründete im Jahr 2022 die Gegeninitiative „Gebäudetyp-e“.

Das „e“ steht hierbei für einfach und experimentell. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn das vornehmlich erklärte Ziel ist, Regularien abzumildern und dadurch mehr Innovationen im Bauwesen zu fördern. Statt einem Weiterso wünschen sich die Initiatoren eine Abkehr der Verkomplizierung des Planungs- und Bauprozesses durch die stetig mehr werdenden Normierungen und gesetzlichen Auflagen. Vor allem versprechen sie sich einen kostengünstigeren und nachhaltigeren Neubau sowie einen einfacheren Bestandserhalt und -umbau. Die Rückbesinnung zu den ausschlaggebenden Fundamenten des Bauens mit den oftmals pragmatischen Lösungen soll demnach den Denkansatz und die Herangehensweise an den Planungsprozess in den Vordergrund stellen. Eine Hürde stellt allerdings die Unantastbarkeit der Regel für Brandschutz dar.

Hier täten sicher einige Erleichterungen not, denn oftmals verantworten jene Auflagen einen komplizierten und kostenintensiven Aufwand. Doch weil dieser Bereich zu den sogenannten Schutzzielen der Bauordnung gehört, kommt eine Änderung fürs erste nicht infrage.

Die Bedeutung der Initiative erreichte bereits die Bundesarchitektenkammer (BAK) und das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB), die seit Herbst letzten Jahres den Ansatz in ihrem Maßnahmenkatalog zur Ankurbelung von klimagerechtem und bezahlbarem Wohnungsbau aufgegriffen haben. Ausstehend ist hingegen die Entscheidung, die Leitlinien des „Gebäudetyp-e“ in die Musterbauordnung aufzunehmen. Sie ist als Orientierungsrahmen zu verstehen und auf die Arbeitsgemeinschaft der für Städtebau, Bau- und Wohnungswesen verantwortlichen Minister und Senatoren aller Bundesländer zurückzuführen. Das Regelwerk unterliegt einer permanenten Bearbeitung, ist jedoch gesetzlich nicht bindend, gilt aber als Vorgabe für die Gesetzgebung der Bauordnung der Bundesländer und hat demnach großes Gewicht.

Bayern geht voran

Die Bayerische Architektenkammer ist nicht nur Gründerin der Initiative, sie treibt gleichermaßen in praktischer Weise viele Pilotprojekte voran. Insgesamt 19 an der Zahl, die im Sinne einer reduzierten Bayerischen Bauordnung agieren. Teilgenommen haben drei Schulen, ein Verwaltungsbau und im größeren Umfang Wohngebäude. In der konkreten Umsetzung bedeutete das ein Weniger an Vorschriften bei Schallschutz, Haustechnik, Stellplätzen oder alternativen Baustoffen. Möglich machte das ein zügiges Handeln des Freistaats Bayerns, der bereits im letzten Jahr die genannten Passagen der Bauordnung in ihrer Strenge lockerte.

KELLY KELCH

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 06.07.2024

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