
Die Entwicklung neuer Stadtquartiere hat sich wieder als zentrales Instrument der Wohnungspolitik etabliert. Zu diesem Ergebnis kommt der kürzlich veröffentlichte Bericht des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Auslöser sei der wachsende Wohnbedarf in den Großstadtregionen, denn kleinere Nachverdichtungen stoßen dort an planerische, soziale und infrastrukturelle Grenzen. Sie können die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage nicht mehr schließen. Vor diesem Hintergrund rücken großflächige Quartiersentwicklungen verstärkt in den Fokus kommunaler Strategien.
Noch zu Beginn der 2000er-Jahre war diese Form des Städtebaus die Ausnahme. Bevölkerungsrückgänge und stagnierende Haushaltszahlen führten dazu, dass zahlreiche Projekte nicht über die Planungsphase hinauskamen. Erst mit dem anhaltenden Zuzug in die Großstadtregionen änderte sich das Bild. Der daraus rasant zunehmende Wohnraummangel verdeutlichte, dass Leerstandsreserven und Einzelvorhaben allein keine Entlastung bringen. Daher wurden seit der Jahrtausendwende bundesweit 309 Stadtquartiere realisiert, 220 befinden sich im Bau (Stand Mai 2025). Besonders prägnant war der enorme Anstieg der Fertigstellungen ab Mitte der 2010er-Jahre, auch wenn Pandemie, Finanzierungsbedingungen und hohe Baukosten erschwerend wirkten.

Auffällig ist zudem der Wandel in der baulichen Dimension, denn neuere Quartiere fallen oftmals größer aus. Während frühere Planungen etwa 745 Wohnungen auf 29 Hektar umfassten, sind es seit 2010 durchschnittlich 920 Wohnungen auf 38 Hektar. Obendrein wächst die Bedeutung gemischt genutzter Quartiere mit Grünflächen, sozialer Infrastruktur und Anteilen geförderten Wohnens. Angesichts des weiterhin hohen Bedarfs wird diese Entwicklungsform ein prägendes Element der Stadtentwicklung bleiben.
KELLY KELCH
Erschienen im Tagesspiegel am 07.02.2026