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Die erste Testversion von NOW ist jetzt online
Die erste Testversion von NOW ist jetzt online

Qualifizierung in Eigenregie ist das Ziel der neuen Online-Plattform des Bundesarbeitsministeriums. Im Gegensatz zu vielen ähnlichen Angebote bietet sie einen sogenannten geführten Entscheidungsprozess; ein echter Mehrwert. Fotos: Adobe Stock

Bildung aktuell

Die erste Testversion von NOW ist jetzt online

Nationales Onlineportal für berufliche Weiterbildung (NOW): Umfangreiche Datenbank zur Suche nach Weiterbildungsangeboten bundesweit. Zielgruppe: Berufstätige, Arbeitgeber und Weiterbildungsanbieter.

Sie könnte einen echten Mehrwert darstellen, die Nationale Online-Weiterbildungsplattform (NOW), die das Bundesministerium für Arbeit und Soziales derzeit entwickeln lässt. „Ziel ist es, ein zentrales und niedrigschwelliges Online-Eingangsportal zum Thema berufliche Weiterbildung anzubieten. Die NOW wird damit Orientierung bieten und das komplexe System der beruflichen Weiterbildung digital an einem Ort zugänglich machen“, schreibt das Ministerium auf seiner Website.

Eine gute Idee angesichts von allein 130 Ausbildungsberufen im Handwerk, deren Perspektiven durch Fort- und Weiterbildungsangebote verbessert, aktualisiert oder ausgeweitet werden können. Die Unterscheidung zwischen Fortbildung (zusätzliche Qualifikationen innerhalb des Berufsbildes) und Weiterbildung (darüberhinausgehende Qualifikationen) ist allerdings nicht trennscharf - bei manchen Handwerksberufen war und ist sie schlüssig („ein Bäcker ist kein Schneider“), ebenso bei einer Reihe von akademischen Abschlüssen („eine Ärztin ist keine Juristin“), doch im Zuge des digitalen Wandels waren Staat und Berufsverbände nicht immer schnell genug, neue Berufsbilder zu definieren und reglementieren.

Am 1. Januar ging eine erste Version der Plattform online unter mein-now.de online. Im Sommer sollen weitere Features im Zuge einer „Ausbaustufe I“ folgen, zu Jahresende soll die Ausbaustufe II“ gezündet werden. Im Frühjahr 2025 soll das Projekt abgeschlossen sein. Das Berliner Ministerium hat im September 2022 die Bundesagentur für Arbeit (BA) beauftragt, NOW zu entwickeln. Eine naheliegende Idee, verfügt die BA doch über eine große Datenbank zu Berufsbildern sowie mit berufe.net das „umfangreichste Lexikon der Berufe“ - so die Eigenwerbung - und mit planet-beruf.de zudem über eine Plattform, auf der sich Schülerinnen und Schüler über mögliche Karrieren nach dem Schulabschluss informieren können. Ebenso wie vorausschauende Eltern oder Lehrkräfte, die von den Jugendlichen mit Fragen über „das Leben danach“ gelöchert werden.

NOW hingegen richtet sich vornehmlich an Menschen, die im Erwerbsleben stehen, aber auch an Arbeitgeber. Die Interessenlage von Berufstätigen an Weiterbildungsinformationen liegt auf der Hand: Sie wollen sich weiterbilden, um ihrer Karriere oder auch ihrem Leben einen neuen Schub zu geben. Arbeitgeber wiederum - so die Idee des NOW-Konzepts - müssten eigentlich auch an einer Weiterqualifikation ihres Personals interessiert sein; gerade im Zeitalter von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz. Auch ihnen soll NOW helfen, entsprechende Seminare und Workshops ausfindig zu machen und diese aktiv im Betrieb anzubieten.

Tatsächlich scheint die NOW-Idee nicht neu. Es gibt einige Anbieter sehr unterschiedlicher Provenienz, die entsprechendes Wissen bündeln. Etwa die Plattform weiterbildung.de , die schon seit 2020 online ist und Jahr für Jahr weiter wächst. Diese Online-Datenbank der Berliner Springest GmbH umfasst laut eigenen Angaben derzeit „mehr als 27.000 Weiterbildungen, Kurse, Seminare, Coaches, E-Learnings und Inhouse Angebote“. Mit wahlweise regionalen, lokalen oder Kostenfiltern sowie Tipps zu Fördermöglichkeiten durch den Bund oder die jeweiligen Länder.

Eine wichtige Adresse ist der deutsche Bildungsserver (www.bildungsserver.de ), ein Gemeinschaftsservice von Bund und Ländern. Die Seite wird vom Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation betreut, das seinen Sitz in Frankfurt am Main und Berlin hat. Kooperationspartner ist das FWU in Grünwald bei München, das Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht, dessen immer sehr lehrreiche und oft ziemlich unterhaltsame Filme Generationen von Schülerinnen und Schülern liebten, weil bei der Vorführung das Klassenzimmer abgedunkelt wurde.

Immer einen Weiterbildungsbesuch wert ist das BiBB, das Bundesinstitut für berufliche Bildung, ehedem mit Sitz in Bonn. Das BiBB (www.bibb.de ) ist zwar kein Weiterbildungsanbieter, hat aber ebenfalls eine Datenbank mit Informationen zu Aus- und Fortbildungsberufen aufgebaut. Hilfreich ist auch die BiBB-Checkliste zur Qualität beruflicher Weiterbildung“, ein 54-seitiges PDF-Werk mit vielen klugen Ratschlägen und weiterführenden Links. Unter anderem zur Datenbank der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU). Hier Freistaat - wird überrascht sein. Vielleicht sogar erfreut, sofern sich das eigene Interesse auf land- und forstwirtschaftliche Fragen, Ernährung, Bewegung oder auch Gemeinschaftsunterkunfts-Themen konzentriert. Denn die Datenbank hat sich das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus ausgedacht. Sie bündelt vornehmlich die Kursangebote der regionalen Ämter für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten (kurz AELF). Sehr übersichtlich, mit Kurzbeschreibungen der Inhalte und der Möglichkeit, sofort eine Teilnahme zu buchen. Aber eben auch sehr speziell. Die Analyse der BA ist also durchaus richtig, wenn sie schreibt: „Aktuell ist der Markt für berufliche Weiterbildung für Menschen im Erwerbsleben und Arbeitgeber*innen unübersichtlich.“ Viele Informationsquellen führten zu aufwendigen Recherchen. Es fällt nicht immer leicht, Informationen zu finden, die zu den eigenen Bedürfnissen passen“, hat das Ministerialteam festgestellt und sich deswegen NOW“ ausgedacht, „mein NOW“, um genau zu sein.

Innovativer Entscheidungsprozess

Doch kann eine weitere Datenbank die Lösung sein, wo es doch schon so viele gibt? Die Antwort des BMA und der BA lautet: Die Seite solle ein zentrales und niedrigschwelliges Online-Eingangsportal zum Thema berufliche Weiterbildung“ bilden und das komplexe System der beruflichen Weiterbildung für die Zielgruppen digital an einem Ort zugänglich“ machen. Klingt gut, doch was heißt das in der Praxis? Die Arbeitsprofis im Ministerium haben sich dazu einen Fall aus dem ziemlich echten Leben ausgedacht, an dem sie den Wert von NOW darzustellen versuchen: „Elena arbeitet in einem kleinen Unternehmen in der Veranstaltungsbranche.“ Seit der Corona-Pandemie muss sie ständig digitale Events oder hybride Formate“ auf die Beine stellen. „Anfangs verursachte ihr die Organisation Stress. Doch seitdem Elena sich weitergebildet hat, weiß sie genau, worauf sie achten muss.“ Die Weiterbildungsangebote hat sie natürlich auf NOW gefunden. „Ein paar Stichwörter genügten, und schon zeigte die Weiterbildungssuche den passenden Kurs in ihrer Region und Möglichkeiten für einen finanziellen Zuschuss an.“ In fünf Schritten findet sie einen lokalen Anbieter, der ihren finanziellen Rahmen nicht sprengt, zumal NOW auch weiß, welche Fördertöpfe genutzt werden können. Ein weiteres Praxisbeispiel schildert den Fall von Kim, Chefin eines mittelständischen Pflegeunternehmens, die auf der Suche nach einer Softwareschulung für ihr Verwaltungsteam ist. Klar, dass NOW auch hier ruckzuck eine Lösung findet.

Der geführte Entscheidungsprozess ist die eigentliche Innovation von NOW“. Wenn es tatsächlich für sehr viele unterschiedliche Fälle funktioniert, kann das Tool eine echte Hilfe für Weiterbildungsinteressierte sein - ebenso für Weiterbildungsanbieter, denn sie erhalten im wesentlichen Anfragen, die zu ihrem Angebot passen. Die erste Testversion von NOW lässt eine entsprechende Suche tatsächlich schon zu.

Horst Kramer

NOW im Selbstversuch

„NOW“ klingt irgendwie laut, aufregend und vor allem bunt! Zumindest sofern man die phonetische Ähnlichkeit von mein-now.de “ und „Mainau“, die Blumeninsel im Bodensee, für sich entdeckt. Wer die Seite das erste Mal aufruft, könnte daher enttäuscht sein. Alles ist grau. Oder auch weiß und schwarz. Bei genauerem Hinsehen lässt sich entdecken, dass die grafischen Begleitfiguren sehr dezent koloriert sind. Sei's drum. 

Davon unbeeindruckt suchen wir nun mit den Stichworten „Journalismus Kl“, einer regionalen Begrenzung auf „München“ und einem Umkreis von rund 50 Kilometern nach Anbietern von entsprechenden Weiterbildungskursen, egal in welcher Form. „Mein Now“ spuckt immerhin 113 Treffer aus. Einige sind für „Content Manager“ gedacht, davon manche durchaus für Journalistinnen und Journalisten geeignet.

Andere gehen am Erkenntnisinteresse des Suchenden vorbei, zum Beispiel ein Kurs namens „Additive Fertigung mit Zusatzqualifikation Internet of Things (loT) mit Microcontroller“, der sich anscheinend mit 3D-Druck auseinandersetzt.

Dieser und viele der weiteren Kurse erstreckten sich allerdings über ein halbes oder ein ganzes Jahr, zu vierbis fünfstelligen Beträgen. Zeit und Geld, die der Suchende auf keinen Fall aufwenden will. Bei der zeitlichen Begrenzung auf eine Woche sieht die Sache schon anders aus: Nun empfiehlt ,mein NOW“ nur noch einen Anbieter aus dem Großraum München: ein zweistündiges „Impulsreferat“ im Livestream, mit all den Themen, die derzeit interessant sind. Die Kosten liegen bei 190 Euro. Einziger Haken: Es wird erst im November angeboten. Der Staat fördert die Maßnahme übrigens nicht. Fazit: Der erste Eindruck des Online-Tools NOW (oder mein-now.de ) ist nicht schlecht. Die Bedienung ist kein Problem, mit ein bisschen Probieren lässt sich das Suchergebnis präzisieren. P.S: Zum Thema Journalismus & KI bietet übrigens der Bayerische Journalistenverband regelmäßig Workshops für seine Mitglieder an.

kram

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 23.02.2024

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