Selten war die Konstellation eines Bauvorhabens so gegensätzlich wie bei diesem, denn mit der Quartiersentwicklung Mittenheim in Oberschleißheim wagen zwei vermeintlich konträre Bauherren einen gemeinsamen Weg. Die eine Hälfte der Bebauungsfläche geschieht im Auftrag des Katholischen Männerfürsorgevereins München (kmfv), der bereits 2016 die Initiative für dieses Projekt ergriff. Die andere Hälfte beauftragte die Krämmel Unternehmensgruppe, die ebenso einen sozialen wie auch funktionalen Lebensraum präferiert. Hinter der Kooperative steht das Ziel, mehrere aktuelle Herausforderungen gleichzeitig zu adressieren wie etwa die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, sozialer Durchmischung und nachhaltiger Quartiersentwicklung.

So entstehen voraussichtlich bis Mitte dieses Jahres rund 420 Wohnungen, von denen die Hälfte mietpreisgedämpft oder gefördert vorgesehen ist, die anderen 50 Prozent sind als frei finanzierter Wohnungsbau sowie Eigentumswohnungen deklariert. Diverse Angebote zur Förderung gemeinschaftlichen Lebens und zu Begegnungen im Alltag ergänzen das Konzept. Dafür sorgen vor allem ein Quartierstreff und ein gut durchdachtes Quartiersmanagement. Auch Spielplätze, eine Fahrradwerkstatt, eine integrative Schreinerei sowie ein Hofladen mit regionalen Produkten flankieren den Community-Gedanken. Für die Kleinsten ist Platz in acht Kindergarten- und KiTa-Gruppen.
Das Quartier ist als KfW 40 ausgewiesen, weitgehend autofrei, und es wird über eine Kombination aus Grundwasserwärmepumpe und Photovoltaik mit Energie versorgt. Großzügige Grünflächen, Streuobstwiesen und ein Bachlauf runden die ökologische Vielfalt ab. Mit der Grundsteinlegung im September 2024 begann bereits die bauliche Umsetzung, der Einzug der ersten Bewohner ist für Mitte 2026 vorgesehen. KELLY KELCH
Erschienen im Tagesspiegel am 06.06.2026