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Der Designer Michael Geldmacher: Fernöstliches Joint Venture

EIN HAUCH FERNOST IN HARMONISCHEN TÖNEN FÜRS EIGENHEIM: GELDMACHERS TATAMI-KOLLEKTION AUS IGUSA-GRAS GIBT ES MIT HOLZ- ODER STAHLRAHMEN. FOTO: LOOKINTONATURE 

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Der Designer Michael Geldmacher: Fernöstliches Joint Venture

Michael Geldmacher - der renommierte Designer aus München, der für die „Look into Nature“-Kollektion des japanischen Herstellers Adal mehrere Tatami-Modelle aus Igusa-Gras entworfen hat.

In Designkreisen kein Unbekannter: Der Münchner Michael Geldmacher - ehemals Neuland Industriedesign - arbeitete für Marken wie MDF, Bulthaup, Kristalia, Nils Holger Moormann und andere. Die Jahre der Pandemie nutzte er, um einen neuen Werkstoff zu entdecken: japanische Tatami-Matten aus einem biologisch abbaubaren Material - dem Igusa-Gras. Für die „Look into Nature“-Kollektion des japanischen Herstellers Adal entwarf Geldmacher mehrere Tatami-Modelle, jüngst preisgekrönt.

Das Igusa-Gras heißt auf Deutsch Flatterbinse, ist Sumpfpflanze und Binsengewächs, das ähnlich wie Reis auf Feldern angebaut und anschließend gewebt und getrocknet wird. Das Binsengeflecht ist widerstandsfähig, mit einer weichen Oberfläche. So werden diese Matten traditionell in japanischen Häusern verwendet, als Bodenbelag, Teppich, zum Sitzen und Liegen - seit über 1000 Jahren.

Cleveres Design

„Auf der Mailänder Möbelmesse 2019 habe ich die Kollektion „Look into nature“ (LIN) des japanischen Herstellers Adal in den Fuorisalone entdeckt, in Showrooms in der Stadt also, und war sofort begeistert von der Art, wie hier mit dem klassischen Tatami-Material aus Igusa-Gräsern umgegangen wird. Ab diesem Moment wollte ich unbedingt mit LIN arbeiten. In den traditionellen japanischen Häusern bilden die Tatamis den Fußbodenbelag, Raumgrößen solcher Häuser werden nicht mit Quadratmetern angegeben, sondern mit der Anzahl von Tatamis, die hineinpassen. Es gibt zwei Grundgrößen, die jeden Raum bis in die Winkel ausfüllen.

Also habe ich Kontakt zu Adal aufgenommen und über ein Jahr gehalten, immer mit dem Ziel, mal etwas für LIN zu entwickeln“, so der Münchner Gestalter. Er war so überzeugt, dass er auf eigene Faust eine Kollektion entwarf und diese vorstellte - am Ende wurden erste vier Stücke produziert. Was kann die Matte, das andere Werkstoffe nicht können? „Das Material hat eine hohe sinnliche Qualität, eine samtige Glätte, einen feinen Duft, schalldämmende, feuchtigkeitsregulierende und luftreinigende Eigenschaften und ist einfach kompostierbar am Ende seines Lebenszklus“, schwärmt der Designer. Während des ersten Lockdowns hatte er ausgiebig Gelegenheit, mit dem Material zu experimentieren und eine kleine Kollektion zu entwickeln, die 2022 zum ersten Mal in Mailand gezeigt wurde.

Dabei interpretierte Geldmacher das nachhaltige Material neu und entwarf eine Home- und Outdoor-Kollektion. Inzwischen besteht die Kollektion „Igusa - Look into nature“ von Adal aus 15 Modellen, vier davon stammen vom Münchner Designstudio, das Geldmacher inzwischen erweiterte - seit letztem Jahr arbeitet er mit Partnerin Stefanie Kubanek zusammen. Chaiselongue "Sakyu“ besitzt einen Rahmen aus Stahl, Sitz und Rücken bestehen aus Igusa, daneben gibt es Regal und Spiegel „Kozue“ sowie den klassischen Paravent „Nagi“, der mit Trennwand „Kazue“ kombinierbar ist. Letztere verfügt über einen Stahlrahmen und wellenförmig gebogenen Flächen, die Bewegung ausdrücken und mit ihrer charakteristischer Kurvenlinie an den Wind erinnern.

Ein gelungenes fernöstliches Joint Venture also? Geldmacher über seinen ambitionierten Auftraggeber: „Der Mutterkonzern Adal ist ein großer japanischer Möbelproduzent der hauptsächlich Möbel für den Contract-Bereich herstellt. Die „Look into nature“-Kollektionist davon abgekoppelt, ziemlich hochpreisig und hat sich dem Ziel verpflichtet, den Werkstoff Igusa und die verarbeitende Handwerkskunst zu erhalten und zu verbreiten.“ Weitere Modelle sind schon in Arbeit: Dieses Jahr wird es auf dem Salone zwei neue Stücke geben, einen Stuhl in zwei Varianten und einen Tisch.
Und künftig? „Wir wollen weitere Stücke auch über 2024 hinaus entwickeln. Die Matten verfügen über wunderschöne Muster und laden ein, sich noch mehr Gedanken über mögliche Einsatzorte zu machen. Wir arbeiten daran, Ideen zu entwickeln, die Igusa auch jenseits des Möbelmarktes verbreiten.“

FRANZISKA HORN

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 02.03.2024

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