Anzeige

Modulares Bauen

HÄUSER AUS STEIN SIND BEI „HÄUSLEBAUERN“ MEIST DIE ERSTE WAHL, DOCH FERTIGHÄUSER SIND BESSER ALS IHR RUF. FOTO: PIXABAY

WEBIMMOBILIEN

Modulares Bauen

Vorgefertigte Bauelemente können helfen Baukosten zu senken

Ein Fertighaus gilt für viele Bauinteressenten als überholt und minderwertig. Stein auf Stein soll das individuelle Traumhaus über viele Monate wachsen und für Solidität über Generationen hinweg stehen – so die gängige Vorstellung. Zahlreiche Gewerke vom Maurer, Zimmerer bis zum Elektriker und Fliesenleger sind jedoch beim konventionellen Hausbau nötig, bis endlich alles fertig ist. Zeitverzögerungen und oft überschrittene Baukosten strapazieren Nerven und Budget. Beim klassischen Wohnungsbau sieht es ähnlich aus. Für private Investoren wird dieser angesichts steigender Baukosten zunehmend unattraktiv.

Unternehmen aus der Region

Modulare und serielle Bauweise soll nun helfen die Baukosten zu senken und schnell neuen Wohnraum zu schaffen. Dadurch soll die Wohnungsnot in Ballungsgebieten gelindert werden. Eine hohe klimagerechte Bauqualität soll nach den Plänen der Bundesbauministerin, Klara Geywitz, dennoch erhalten bleiben: „Die Modulbauten von heute bieten Ästhetik, Qualität und Nutzungsflexibilität. Das innovative und modulare Bauen kann einen Beitrag dazu leisten, in kurzer Zeit qualitativ ansprechenden Wohnraum zu schaffen. Serielles Bauen entlastet den Bauprozess, macht ihn schneller und vermeidet auch sehr viel Baulärm und lange Bauzeiten in den Innenstädten“, so Klara Geywitz. Durch die serielle Vorfertigung von Bauteilen und ganzen Baumodulen in der Fabrik werden zudem Ressourcen gespart und Emissionen vermieden.

Ein bürokratischer Hemmschuh für serielles Bauen war bislang die sogenannte Typengenehmigung, die an die jeweilige Landesbauordnung gebunden war. Für jeden Modulbau war eine neue Genehmigung erforderlich. Zukünftig sollen einmal erteilte Typengenehmigungen bundesweit gelten. Ziel sei es laut Bundesbauministerium, das „Serielle und modulare Bauen als ein dem klassischen Bauverfahren ebenbürtiges Bauverfahren zu entwickeln“.

Kostengünstige Vorfertigung der Module mit standardisierten Einbauten

Die serielle Vorfertigung ermöglicht mit einem einheitlichen Rastermaß standardisierte Grundrisse mit einer effizienten Flächennutzung für Wohnungen und öffentliche Gebäude. Dadurch sind auch standardisierte Möblierungen, Standardmaße für Türen und Fenster mit hohen Stückzahlen möglich. Je höher die Stückzahlen, umso kostengünstiger kann produziert werden. Durch die Vorfertigung können Bäder bereits mit Duschkabine und Armaturen versehen werden. Türen, Fenster, Leitungen, Lichtschalter und Dämmungen sind ebenfalls oft schon in die Module integriert. Auch barrierefreie Wohnmodule lassen sich so standardisiert vorfertigen. Auf der Baustelle werden die Module dann mit einem Kran aufeinandergestapelt und die Leitungen angeschlossen. Vom ersten vorfabrizierten Raummodul bis zum bezugsfertigen Wohnhaus vergehen bei dieser Bauweise oft nur wenige Wochen. Die einzelnen Module können bei einer Nutzungsänderung zudem leicht umgebaut und versetzt werden. Bei Nachverdichtungen und Aufstockungen können Module in der Regel auch auf bestehende Gebäude gesetzt werden.

Betonmodule für die schnelle Schaffung von hochwertigem Wohnraum

Im öffentlichen Wohnungsbau lassen sich Bauprojekte mit seriellen Modulen schnell verwirklichen. So nutzte etwa der Berliner Senat vorfabrizierte Betonmodule für den Bau von Flüchtlingsunterkünften an insgesamt 53 Standorten. Die massiven Gebäude haben eine Hersteller-Garantie von 80 Jahren und wurden inklusive der Planung in rund einem Jahr fertig. Bestandteil der Planung war die Nachnutzung für den regulären Wohnungsmarkt und sozialen Wohnungsbau etwa als Seniorenheim oder Studierendenunterkunft.

Als erstes Wohnungsunternehmen in Deutschland setzte die kwb Kommunale Wohnungsbau GmbH aus Bad Schwalbach 2018 ein Projekt mit Stahlbeton-Raum-Modulen für neun Wohneinheiten um. Die Bauphase betrug lediglich acht Wochen. Die Wohnungen waren nach vier Monaten bezugsfertig und wurden zu einem Festpreis errichtet. Die Modulbauweise ist den Gebäuden nach der Fertigstellung nicht anzusehen. Neue Plattenbausiedlungen in minderer Qualität entstehen durch die Modulbauweise nicht. Das Projekt entstand aus einer Rahmenvereinbarung mit dem Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Mittlerweile sind dadurch über 5000 Wohnungen in serieller Bauweise entstanden. Gemeinsam mit dem Bundesbauministerium, dem Hauptverband der Bauindustrie und der Bundesarchitektenkammer wurde zudem das erste europaweite Ausschreibungsverfahren für serielles und modulares Bauen ausgeschrieben.

In Holzbauweise können Fertighäuser individuell und exakt vorgefertigt werden

Planbarkeit, Einhaltung von Budgetvorgaben und Qualität sprechen neben Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit für den Bau von Fertighäusern. Die modulare Bauweise eignet sich besonders für den Bau mit Holztafelmodulen und in Holzständerbauweise. Die Wandelemente sind schon mit einer umweltfreundlichen Dämmung etwa aus Holzspänen versehen. Die Module werden in den Werkshallen witterungsunabhängig mit Tür- und Fensterelementen unter kontrollierbaren Bedingungen millimetergenau vorgefertigt. Die Genauigkeit und Qualität wird durch die computergesteuerte Automation bei der Produktion der Module erreicht. Zahlreiche individuelle Wünsche für das geplante Haus können durch Datenbanken – ähnlich wie bei einer Küchenplanung – verwirklicht werden. Der Allgäuer Holzbaupionier Baufritz hat über 100 Artikel, wie etwa verschiedene Vordächer oder unterschiedliche Treppen gespeichert, die immer zu dem jeweiligen Modul passen. Für den Innenausbau können auf Wunsch auch Bauteile oder Materialien verwendet werden, die noch gar nicht in der Artikeldatenbank enthalten sind. Armaturen, Fliesen, Böden, Türen und Fenster können die Kunden auswählen und sich die Vorab-Bemusterung der Innenräume am Computer darstellen lassen. Durch die Planung aus einer Hand werden Fehler bei Koordination von verschiedenen Gewerken und Verzögerungen vermieden. Auch der Technikraum wird bei der Allgäuer Firma mit Anschlüssen, Leitungen und Komponenten vorproduziert, wodurch Platz gespart wird und keine zusätzlichen Leitungen verlegt werden müssen. Nach der Lieferung und dem Anschluss des Energie-Wärme-Moduls kann sofort Energie bezogen werden. Das Fertighaus ist dann schon fertig und macht seinem Namen alle Ehre. 

WOLFRAM SEIPP

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 06.07.2024

Das könnte Sie auch interessieren