Was soll ich bloß werden? Diese Frage beschäftigt junge Menschen, ihre Eltern und pädagogische Fachkräfte gleichermaßen. Schließlich will niemand, dass sich der angestrebte Traumberuf letztendlich als völlige Pleite herausstellt. Doch Jugendliche in der Zeit ihrer beruflichen Orientierung zu unterstützen, ist für pädagogische Fachkräfte oft eine große Herausforderung. Gilt es doch häufig, nicht nur die Kompetenzen und Qualitäten der jungen Menschen herauszufinden und zu stärken, sondern ihnen beim wichtigsten Schritt klare Entscheidungshilfen an die Hand zu geben. Das neue Portal „zynd“ (www.zynd.de ) des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) versteht sich daher gleichermaßen als Angebot für Jugendliche und für pädagogische Fachkräfte.
Wie das BIBB mitteilt, steht zynd „für den Startschuss in eine wichtige Phase, den Anstoß, das Aktivwerden“. Es gehe darum, auf der Suche nach einem beruflichen Weg irgendwann für etwas zu „brennen“; es gehe um das Feuer, das im Zweifel zu entfachen sei. Zudem sei der Name Programm: Zynd solle junge Menschen auf unterschiedliche Art und Weise entflammen. Das sind große Worte für ein neues Angebot, das sich erst noch als Initialzündung erweisen muss. Im Zentrum der Plattform stehen die sogenannten „Playlets“. Das sind spielerisch aufgebaute Tools„zum Selbstlernen, die sich zwischen Games und klassischen Lernangeboten verorten lassen“. Die frei zugänglichen Playlets sollen demnach in erster Linie zur Selbstreflexion anregen sowie entsprechende Handlungen und Entscheidungen fördern. Das Angebot reicht von interaktiven 360°-Berufsfeldpanoramen über die Reflexionsmodule „Blick in die Zukunft“ und „Selbst- und Fremdeinschätzung“ bis zu kleineren Lernmodulen wie „Who's the Fachkraft? - Das Quiz“. Das Portal schließt laut BIBB eine Lücke. Denn eine digitale Begleitung beim Übergang von der Schule in den Beruf, die diesem reflexiven Ansatz folgt, finde bisher kaum statt.
Im geschlossenen Bereich von „zynd“ können Fachkräfte die Jugendlichen beraten und sich mit ihnen austauschen. Fachkräfte erhalten als registrierte Mitglieder nicht nur Zusatzinformationen und begleitende Materialien zu den einzelnen Angeboten, sondern außerdem Zugang zu diversen Funktionen pädagogischer Arbeit. Beispiele dafür sind Dateiablage, Videokonferenz und Kalender. Über Gruppenräume und sogenannte Coaching Zones können sie mit den Jugendlichen kommunizieren und diese individuell begleiten. Die registrierten Jugendlichen selbst können über ihr Dashboard verfolgen, an welcher Stelle ihres persönlichen Entwicklungsprozesses sie sich gerade befinden.
dfr
Erschienen im Tagesspiegel am 19.07.2024