„I zoag di Leit, wie einfach da 3-D-Druck is“, erklärt Alexander Zeilmeier in einem weichen niederbayerischen Idiom. Der gelernte Wirtschaftsingenieur und Maschinenbautechniker engagiert sich neben seiner beruflichen IT-Tätigkeit bei einem großen bayerischen Autokonzern bei der gemeinnützigen Initiative Silicon Vilstal. Unter anderem mit 3-D-Druck- und KI-Vorträgen und -Workshops an Schulen sowie beim Silicon Vilstal Erlebnisfestival. „I bin do, dass i d'Leit für die neie Technik begeister“, fährt Zeilmeier mit einem breiten Lächeln fort.
Silicon Vilstal ist keine Firma, die Produkte oder Dienstleistungen anbietet, sondern ein gemeinnütziges Unternehmen, das sich als Innovationsplattform für ländliche Regionen versteht. Es entwickelt unter anderem MINT-Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche. Etwa in realen oder virtuellen Makerspaces, in denen die Schülerinnen und Schüler neuste Technologien ausprobieren können.
So kooperieren die Niederbayern zum Beispiel mit dem Tüftellab München und haben im Vilstal einen vom Tüftellab entwickelten Workshop „Fröhliche Pflanzen mit Calliope mini“ umgesetzt. Der Calliope mini ist ein kleiner Einplatinencomputer, der speziell für Kinder ab der dritten Klasse entwickelt wurde. Er soll den Kids einen spielerischen Einstieg in algorithmisches Denken ermöglichen, die Grundlage jeder Programmiersprache. Der Workshop verbindet Softwareentwicklung mit Umweltbewusstsein: Denn das Ziel ist es, mit Calliope und Software ein Mini-Pflanzen-Bewässerungssystem zu entwickeln. Ganz nebenbei lernen die Schulkinder, welche Rolle Pflanzen in Ökosystemen spielen und erfahren, was sie zum Leben brauchen.
Mit derartigen Projekten geht es Helmut Ramsauer, Gründer und Kopf der Silicon Vilstal Ideenwerkstatt, nicht nur um die Schaffung von Lern-Topologien in seiner niederbayerischen Heimat. Er will vielmehr Beispiele für weitere Landstriche schaffen. Deswegen liefern die Niederbayern zu fast allen Maßnahmen, die sie erfolgreich realisiert haben, Handreichungen für engagierte Menschen aus anderen Ecken Deutschlands. Ob zu MINT-Themen oder zu„Social Innovation Hackathons“. Denn Ramsauer und sein rund 20-köpfiges ehrenamtliches Team sind überzeugt davon, dass ländliche Regionen die eigentlichen Hotspots für technologische und soziale Innovationen sind. „Wir machen digitale Chancen ländlicher Regionen greifbar“, formuliert Ramsauer.
Ein Konzept, dass den Vilstalern zahlreiche Auszeichnungen beschert hat. Zum Beispiel den „European Enterprise Promotion Award 2024“ der EU-Kommission in der Kategorie „Förderung des Unternehmergeistes“. Im Jahr zuvor hatte Silicon Vilstal das „Social Innovation Hub“ in der Nachbargemeinde Bodenkirchen gecoacht. Dabei wurden ein MINT-Innovationstag mit mehr als 300 Kindern aus drei Schulen auf die Beine gestellt und anschließend MINT-Workshops und Projekttage mit eigens angeschaffter MINT-Hardware realisiert. Prompt wurden die Beteiligten von der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt ausgezeichnet. Im Jahr 2022 gewannen die Vilstaler zudem den dritten Preis beim Digital Social Award der Stiftung Bürgermut für ihre Virtuelle Makerspace, eine digitale MINT-Bildungs-Plattform.
Wobei das Spielerische und Kreative bei den Vilstalern nie zu kurz kommt. So entstanden bei Alexander Zeilmeiers eingangs zitiertem 3-D-Print-Workshop unter anderem Spiel- und Werkzeuge, Dekogegenstände, Blockflöten sowie eine strahlend gelbe Büste eines freundlich lächelnden Albert Einstein. Zeilmeier war damit vor zwei Jahren auf dem jährlichen Erlebnisfestival des Silicon Vilstal in Vilsbiburg zu sehen. Heuer findet das Festival vom 19. bis 21. September statt, unter anderem mit dem Mobilen Futurium des Forschungsministeriums und KI-, VR- sowie AR-Workshops. Zeilmeier hält übrigens einen Vortrag mit dem Titel „Echt glücklich – wie geht das?“. Passend zum Festival-Thema „Happy dahoam“. Auf seiner LinkedIn-Profilseite bezeichnet sich der IT-Experte übrigens als „Zukunftsfreund“ und „Feel Good Manager :-)“.
Horst Kramer
Erschienen im Tagesspiegel am 25.07.2025