Es war ein Brief, der offenbar richtig überzeugt hat: Schon einen Tag nachdem sein Bewerbungsschreiben im Oktober 1923 am Bauhaus in Weimar eingetroffen war, hatte Wilhelm Wagenfeld seine Zusage in der Tasche. Und die kam von ganz oben, von Walter Gropius, Paul Klee und Josef Hartwig.
Das Wort von Werkmeister Christian Dell, der den jungen Bremer von der Hanauer Zeichenakademie kannte und ahnte, welchen Visionär das Bauhaus nun zu seinen Kreativen zählen konnte, hatte sie überzeugt.
Schon nach einem halben Jahr in der Werkstatt hatte Wagenfeld sein Herzensobjekt gefunden und präsentierte zahlreiche Entwürfe für Tischleuchten aus Glas und Metall, aus denen sich auch die legendäre „WG 24“ entwickelte.

Eine Lampe in reduzierter Form, bestehend aus einem Leuchtkörper aus Opalglas, einem runden Stand aus Glas oder Metall und einem Rohr, das beides verbindet. 1924 war der Entwurf reif für die Fertigung und ging vier Jahre später in die industrielle Produktion über.
Für viele Kunden damals nahezu unerschwinglich, wurde die Leuchte dennoch zum weltweiten Verkaufsschlager und gilt heute als eines der herausragendsten Signets der Bauhauslehre. Praktisch und dekorativ zugleich. Eine Kombination, die auch später das Markenzeichen Wilhelm Wagenfelds geblieben ist, obwohl sein Fokus immer auf die Funktion eines Gegenstandes gerichtet war.
Das kennzeichnete auch seine Zeit als Lehrender an der Bauhochschule Weimar, als künstlerischer Leiter der Vereinigten Lausitzer Glaswerke und als Chef seines eigenen Ateliers, in dem er ab 1954 für große Unternehmen zahlreiche ikonische Produkte gestaltete, vom Streuerset „Max und Moritz“ für WMF über das Stapelgeschirr von Melitta bis hin zu Musikgeräten von Braun.
KAI-UWE DIGEL
Erschienen im Tagesspiegel am 11.11.2025