Dem finnischen Architekten und Designer Eero Saarinen war leider kein langes Leben vergönnt. Bereits mit 51 Jahren starb er im Jahr 1961 an den Folgen einer Operation, aber dennoch hat er es in seiner so kurzen Schaffensphase von etwa einem Vierteljahrhundert geschafft, mit seinen Werken bedeutende Meilensteine in der Gestaltung zu setzen.
Sei es mit Bauwerken wie dem „Gateway Arch“, dem berühmten riesigen Bogen, der den Eingang zu einem Nationalpark im amerikanischen St. Louis überspannt oder mit für das 20. Jahrhundert signifikanten Möbelstücken wie dem „Tulip Chair“, ein Entwurf für einen organisch geformten Kunststoffstuhl mit Stütz-Fuß, der heute ein absoluter Klassiker ist und nach wie vor hergestellt wird.
Moderne Formensprache

1955 erdacht, fand der Stuhl schon drei Jahre später seinen Weg in die Ausstellung des MoMa in New York und passt von Ausprägung und Aussage stilsicher zu einem weiteren legendären Stück von Saarinen:
Der erste Dining Table für die Marke Knoll International stand im Jahr 1958 in den ersten modernen Esszimmern und war sozusagen das Flaggschiff einer Formation weiterer ähnlicher Saarinen-Tische in unterschiedlichen Größen. Die Formensprache, die moderne Leichtigkeit und skulpturalen Anspruch vereint, zeichnet alle Modelle aus, ist beim ganz großen Tisch und seinem Oval von fast zwei Metern Länge aber besonders gelungen.
Die Tischplatte ruht erneut auf einem einzelnen stützenden Fuß, der an eine Tulpe erinnert und von einem Sockel aus Aluminium vollendet wird. Dies verleiht der Konstruktion gleichzeitig Stabilität- und Praxistauglichkeit, da dadurch beim Sitzen eine angenehme Beinfreiheit entsteht. So könnte der Dining Table nicht nur etwas für edle Esszimmer, sondern auch für produktive Besprechungsräume sein. Für kluges und beständiges Design steht er in jedem Fall.
KAI-UWE DIGEL
Erschienen im Tagesspiegel am 06.09.2025