Geht es um einen Holzbau, ist immer nur die Rede von Nachhaltigkeit und umweltrelevanten Vorteilen. Das ist beim Projekt „Wilhelm & Raabe nicht anders. Doch es lohnt sich hier, darüber hinaus auf Basis der Entwürfe auch die Frage nach Baustil und Fassadengestaltung zu stellen. Angesichts dessen, dass Holzbau zunehmend die Optik selbst der Großstädte mitprägen wird, ist es keine Nebensächlichkeit.
Allerdings wird es in den Innenstädten selten möglich sein, ein Haus von so geringer Größe zu bauen, zwingt doch der Wohnungsmangel zu Großobjekten. Sonst würde Wilhelm & Raabe sicher zu den optisch ansprechendsten Beispielen zählen.
Die geringe Höhe reduziert die Dimensionen auf ein menschlich gut verträgliches Maß und zugunsten ausgewogener Proportionen, zudem angepasst an die umgebende Bebauung in einer ruhigen Nebenstraße (Wilhelm-Raabe-Straße 3) in München Milbertshofen. In der Gestaltung spielt das Material Holz eine entscheidende Rolle, zumal in Verbindung mit der Statik des Gebäudes und in Hinsicht auf die Kosten.
So ist die kompakte Pavillon-Architektur in geradliniger Stilistik wohl die sinnvollste Wahl. Dennoch ist es hier dem Berliner Projektentwickler Best Place Immobilien gelungen, die architektonischen Elemente auch optisch bestmöglich zu inszenieren, wenn auch eher an mediterranen Villenbau angelehnt. Im Grunde handelt es sich um einen Kubus, der jedoch mit kleinen Abweichungen die Ausbildung unterschiedlicher Fassaden ermöglicht. Etwa die Aussparungen an Außenkanten, die eine Risalitbildung suggerieren.



An zwei Seiten ist die Fassade mit Balkonen, Loggien (mit Treppenaufgang) und Terrassen geöffnet, auch wenn die Stützen und das prägnante, dreischichtig abgestufte Gebälk die äußeren Umrisse betonen. Die schräg verlaufende Außenschale bildet hinter den Kolonaden großzügige überdachte Außenbereiche aus. Lediglich das Penthaus tritt an der Gartenseite zurück, um vor der Terrasse einem Dachgarten Platz zu machen. Die geschlossene Fassade zur Straße hin wartet mit einer Komposition aus Fenstern in Hoch- und Querformat auf.
Die mehrschaligen Wände begünstigen den Verzicht auf gängige Türen zugunsten von Schiebetüren, die man verschwinden lassen kann, genauso wie die im Fensterrahmen integrierte Verdunkelung. So können auch Schlafräume und Außenflächen in das Kontinuum des offenen Grundrisses der Bereiche Wohnen, Kochen und Essen eingebunden werden. Die fünf Einheiten von 53 bis 125 Quadratmetern Wohnfläche können geschossweise auch miteinander verbunden werden, nur das Penthaus im Staffelgeschoss bildet eine feste Einheit.



Das Gebäude ist in Vollholz mit Lehmdecken zur optimalen Klimaregulierung sowie mit ebenfalls natürlichen Ausstattungsmaterialien geplant, womit für eine gesunde Baubiologie gesorgt ist. Die Wandoberflächen werden in Fichten- und Tannenholz ausgeführt, außen Strukturiert mittels vertikaler Lattung. Erdwärme und Photovoltaikanlage sind zur Energieerzeugung vorgesehen, wobei die bodentiefen Fenster die Sonneneinstrahlung nicht nur zur Innenraumbelichtung, sondern auch zusätzlich zur Wärmegewinnung genutzt werden können. Mit dem KfW-40-Standard entspricht das Gebäude der Kategorie Klimafreundlicher Neubau (KFN). Begrünte Dach- sowie teilweise Fassadenflächen wie eine E-Ladestation in der Tiefgarage ergänzen das Programm der Nachhaltigkeit.
Wilhelm & Raabe wird anstelle einer Abrissimmobilie inmitten eines Wohngebietes mit entsprechender Infrastruktur und in wenigen Gehminuten Entfernung von der U2 (Haltestelle Milbertshofen) entstehen. Die Lage zwischen dem Frankfurter und dem Mittleren Ring Nord sowie der Leopold- und Knorrstraße garantiert auch automobil für eine optimale Anbindung. Mit dem Fahrrad sind in wenigen Minuten sowohl der Olympiapark wie auch der Englische Garten zu erreichen. Die Sportanlage des TSV Milbertshofen, ferner der Kinderund Jugendtreff Milbertshofen befinden sich mit entsprechenden Vorzügen für die Freizeitgestaltung nur einen Steinwurf entfernt.
REINHARD PALMER
Erschienen im Tagesspiegel am 07.06.2025