Reduktion als Prinzip - so könnte man die Arbeit des italienischen Lichtdesigners Davide Groppi wohl am besten beschreiben. In seiner Manufaktur in Piacenza entstehen Leuchten, die Räume inszenieren, ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen.
Mit klaren Ausdrucksformen, technisch durchdacht und oft auch subtil schaffen sie ein Licht, das den Raum umarmt und Atmosphäre erzeugt.
Ein Beispiel dafür ist die Leuchte „Infinito“ - ein dünnes Lichtband, das quer durch den Raum gespannt werden kann - und wie ein architektonisches Element Akzente setzt. Es ist nicht dekorativ, sondern funktional gedacht, aber mit starker visueller Wirkung.
Oder die „Nulla“ - übersetzt „Nichts“ - und so kommt sie auch daher: Nach einem Lampenschirm sucht man vergeblich: Das Licht tritt aus einer winzigen runden Öffnung aus der Decke heraus und erhellt Räume auf subtile Art.
Dazu Davide Groppi: „Im Prinzip waren wir immer auf der Suche nach dem absoluten Licht, einem Licht, das aus der Ferne kommt, fast ohne Quelle.“
Mit ihr ist er sehr zufrieden, denn: „Jedes Mal, wenn ich Nulla betrachte, habe ich das Gefühl, dass wir es nicht besser hätten machen können. Ihr einziges Ziel ist es, sich zu verstecken und dem, was sie beleuchtet, die ganze Aufmerksamkeit zu schenken.“
Seit Ende der 1980er ist Davide Groppi schon im Geschäft: In einem kleinen Laden im historischen Zentrum von Piacenza, einer italienischen Kleinstadt nicht weit von Mailand, startete er als junger Mann seine Karriere als Lichtdesigner - obwohl er, wie er erzählt, zunächst Mathematiker werden wollte.


Doch Licht faszinierte ihn noch mehr - und aus einem kleinen Business wurde recht schnell etwas Größeres.
Von Anfang an war er fasziniert von den Entwürfen des Münchners Ingo Maurer, er besuchte ihn in jungen Jahren mehrfach - und hatte auch ähnliche Ideen: experimentelle Leuchten, teils aus recycelten Materialien.
Mit der Zeit entwickelte er seinen ganz eigenen Stil - das „Architekturlicht“: Licht, das den Raum inszeniert, unterstützt, mal subtil und mal prägnant.


Mit anderen Entwürfen schafft er es, Räume emotional aufzuladen - etwa mit der Hängeleuchte „Moon“: Von 60 Zentimetern bis zu einem fast schon monumentalen Durchmesser von bis zu zwei Metern schwebt die in Italien gefertigte Leuchtkugel im Raum.
Sie wird mit japanischem Washi-Papier per Hand überzogen: Sobald das Licht eingeschaltet wird, spiegeln die sanften Kraterstrukturen das vertraute Antlitz des Mondes wider und tauchen jeden Raum in ein fast magisches Licht.
Dabei ist die Moon nicht nur ein Objekt, sie ist ein Erlebnis: Sie verändert die Wahrnehmung des Raumes, lenkt den Blick und erzeugt eine Intimität, die Räume spürbar verwandelt.
Eine einfache und zugleich geniale Idee Davide Groppis, die im Jahr 2005 Gestalt angenommen hat und immer noch in seiner Manufaktur zusammengefügt wird. Diese füllt inklusive Lichterlebnis-Showroom zwei große Hallen im Industriegebiet am Rande von Piacenza.


Bei manchen Leuchten kommt auch der verspielte, witzige Davide Groppi durch: Zum Beispiel bei seiner „Race Of Lights“-Wandleuchte, eine elektrifizierte Carrerabahn, auf der Leuchtbirnen wie Autos beliebig platziert werden können.
Die Wirkung seiner Leuchten entfaltet sich nicht nur in Privaträumen, sondern auch in architektonisch anspruchsvollen Projekten: Museen, Luxushotels, Restaurants weltbekannter Spitzenköche wie Albert Adrià oder Massimo Bottura setzen auf seine Entwürfe.
Überall wird deutlich, dass hinter der scheinbar schlichten Form eine komplexe Technik und ein feines Gespür für Raumwirkung stehen. Wer die poetische Welt von Davide Groppi erleben möchte, sollte einen Blick in seine Manufaktur in Piacenza werfen - oder den neuen Store in München, das „Spazio Esperienze“, besuchen.
Hier verschmelzen Minimalismus, technische Präzision und poetische Lichtmomente zu einem immersiven Erlebnis, das Räume verwandelt und die Magie des Lichts in den Alltag holt. BARBARA BRUBACHER
Erschienen im Tagesspiegel am 11.11.2025