Oh Wey, oh Wey - die Chinesen kommen. Die gleichnamige Marke, benannt nach dem Firmengründer von Great Wall Motors (GWM) Jack Wey, drängt auf den deutschen Markt. Noch bis vor Kurzem hießen sie Coffee 01 oder 02. Das ist alles kalter Kaffee. Great Wall hat seine Modellnamen sortiert und schickt seine Plug-In-Hybride als Wey 03 und 05 auf die Straßen. Mit fast unschlagbaren elektrischen Reichweiten und mit echten Kampfpreisen. Getestet haben wir das etwas kleinere SUV, den Wey 03. Aber was heißt hier klein? Es misst immerhin auch schon knapp 4,70 Meter in der Länge, sein großer Bruder kommt auf 4,87 Meter. Was ist das Besondere an den beiden Modellen? Erstens glänzen sie mit einer elektrischen Reichweite von 139 respektive 158 Kilometern, zweitens fahren sie einen Angriff auf gehobene Mittelklasse, die traditionell von den deutschen Herstellern dominiert wird. Dass GWM hochwertige Produkte hat, das haben sie im Heimatmarkt bewiesen. Denn dort ist man seit elf Jahren die Nummer 1 bei Premium SUVs. Noch mehr Zahlen: achtgrößter Hersteller in China, Nummer 18 in der Welt.

Entsprechend selbstbewusst steht der Wey 03 auf der Straße. Der imposante Kühler starrt vor Chrom, die riesigen Lufteinlässe im Stoßfänger sagen: Hier braucht einer Luft. In beiden Fällen ist das ein 2,0-Liter-Benziner mit 204 PS, der auf der Vorderachse von einer 163-PS starken E-Maschine unterstützt wird. Für die Allradvariante des Wey 03 und für den Wey 05 generell packen die Chinesen noch eine zweite E-Maschine mit 184 PS auf die Hinterachse. Schon mit dem Fronttriebler ist man flott unterwegs. Um die sieben Sekunden von o auf 100, beim AWD sind es nur noch 5,3 Sekunden. Ein deutliches Signal der Chinesen an die Kundschaft: An der Leistung soll es nicht scheitern.
Auch nicht an Qualität und Verarbeitung. Da fühlt sich nichts billig im China-Mercedes an: Das Leder ist geschmeidig, das Alcantara gefällig, die unterschäumten Oberflächen gediegen - und bei der Bildschirmlandschaft sparen die chinesischen Hersteller sowieso nicht: 9,2 Zoll-Digital-Tacho, 14,6 Zoll-Display fürs Infotainment und noch mal 9 Zoll für Klima- und Sitzeinstellungen. Letzteres sorgt für mehr Übersichtlichkeit bei der Bedienung des Autos: Denn sonst haben sie alles in den zentralen Touchscreen gepackt, der Einarbeitungszeit erfordert. Überfordert sind manche Assistenzsysteme. Der Wey 03 hat zwar alle an Bord, aber viele sind zu sensibel, funktionieren schlecht (Verkehrszeichenerkennung) oder nerven. So wie der Aufmerksamkeitswarner, der schon nach Zehntelsekunden anschlägt. Wey hat Abhilfe versprochen, per Software-Update.
Wie fährt sich das China-SUV, das mit ordentlich Platz für Kind (fünf Sitze) und Kegel (517 bis 1289 Liter Kofferraum) aufwarten kann? Die Lenkung ist indirekt, das Fahrwerk sehr weich abgestimmt. Passt nicht ganz zu dem sportlichen Auftritt, wenn der Plug-In Hybrid mit seinen drei Motoren aufdreht. Dafür ist die Reichweite mit 139 Kilometern stattlich. Reicht für den Alltag. Aufgeladen wird die 34-kWh-Batterie mit 11 kW (AC) und bis zu 50 kW (DC). Die Preise sind recht zivil: Ab 47.900 Euro geht es los - ein vergleichbarer Audi Q5 kostet knapp 50.000 Euro, ein BMX X3 schon 55.900 Euro. Auweya, der Preis von Wey könnte der Konkurrenz noch weh tun!
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Erschienen im Tagesspiegel am 24.06.2024