Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht, zu hohe Cholesterinwerte, Diabetes: Diese klassischen Risikofaktoren können Menschen zehn Jahre und mehr an Lebenszeit kosten, wie das Global Cardiovascular Risk Consortium des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf in einer breit angelegten Studie jetzt ermittelt hat. Ausgewertet wurden die individuellen Daten von 2.078.948 Teilnehmenden aus allen Kontinenten. Dabei zeigte sich, dass schon ab dem 50. Lebensjahr das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlagfanfall deutlich erhöht ist vor allem dann, wenn alle Faktoren gleichzeitig bestehen. Doch die Analyse machte auch Hoffnung: Eine Lebensstiländerung lohnt sich auch noch im späteren Erwachsenenalter. So hatten Teilnehmende, die in der Lebensmitte das Rauchen aufgaben oder ihren Bluthochdruck behandeln ließen, im Schnitt deutlich mehr gesunde Lebensjahre als jene, die keine Veränderung vornahmen.
Bluthochdruck
Die Deutsche Hochdruckliga (DHL) geht davon aus, dass 50 Prozent der Herzinfarkte und Schlaganfälle vermieden werden könnten, wenn Bluthochdruck rechtzeitig behandelt werden würde. Denn durch einen chronisch zu hohen Blutdruck verdickt sich mit der Zeit die Muskelschicht der Arterien. Dadurch verlieren die Gefäße ihre Elastizität, sie können sich dem Blutdruck immer schlechter anpassen, was diesen weiter in die Höhe treibt. Zugleich schädigt der anhaltend hohe Druck die Innenwände der Arterien. Infolgedessen reißen sie leicht ein, sodass sich nun Ablagerungen bilden können. So entsteht eine Arteriosklerose - und sie ist die Hauptursache für Herz- und Gefäßerkrankungen. Was ist zu tun? Bei anhaltend zu hohem Blutdruck ist eine gesunde Lebensweise mit Rauchverzicht, regelmäßiger körperlicher Aktivität, ausgewogener, salzarmer Ernährung, moderatem Alkoholkonsum, dem Abbau von Übergewicht und gezielten Maßnahmen zum Stressabbau oft der erste Schritt. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, sollte der Bluthochdruck mithilfe von Medikamenten gesenkt werden.
Bauchbetontes Übergewicht
Wer seinem Körper über die Nahrung mehr Fett und Kalorien zuführt, als dieser für den täglichen Energiebedarf benötigt, muss mit überschüssigen Pfunden rechnen - und damit, langfristig seine Gesundheit zu gefährden. Denn Übergewicht leistet einem Typ-2-Diabetes Vorschub und begünstigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besteht Übergewicht gemeinsam mit Bluthochdruck, erhöhten Blutzucker- und erhöhten Blutfettwerten, steigt das Risiko für eine Herz- oder Gefäßerkrankung noch einmal um ein Vielfaches - dann sprechen Ärzte auch von einem metabolischen Syndrom. Die Bestimmung des Body Mass Index (BMI) gibt Auskunft, ob und in welchem Ausmaß Übergewicht besteht. Aber auch der Körperfettverteilung schenken die Ärzte heute große Beachtung: Studien haben gezeigt, dass insbesondere der Fettanteil von Bauch und Taille gesundheitsschädliche Folgen haben kann. Man spricht dann vom „Apfeltyp“. Bauch betontes Fett gilt als eigenständiger Risikofaktor für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. So nehmen Fettzellen im Bauchbereich zum Beispiel Zucker und Fette besonders aktiv auf und verstoffwechseln gespeicherte Fette schneller. Hinzu kommt: Je größer die Fettdepots am Bauch, desto höher ist der Umsatz an Fettsäuren, die in die Leber gelangen oder den Insulinstoffwechsel stören. Darüber hinaus verursacht diese Form der Körperfettverteilung auf Dauer einen deutlichen Anstieg des Triglyzeridspiegels im Blut sowie eine stärkere Senkung des “guten“ HDL-Cholesterin-Werts. Was ist zu tun? Um abzunehmen, gibt es praktisch nur einen Weg: sich kalorien- und fettbewusst zu ernähren. Ebenso wichtig ist regelmäßiges sportliches Training: Durch den gesteigerten Energiebedarf wird der Abbau von Übergewicht effektiv unterstützt.
Erhöhte Cholesterinwerte
Hohe Cholesterinwerte begünstigen die Entstehung von Arteriosklerose- und Arteriosklerose leistet ihrerseits schweren Schäden an Blutgefäßen und Herz Vorschub. Das gilt vor allem für hohe Konzentrationen von LDL-Cholesterin (LDL Low Density Lipoprotein) im Blut, das deshalb auch als „schlechtes“ Cholesterin bezeichnet wird. Die zweite Form von Cholesterin, das HDL-Cholesterin (HDL - High Density Lipoprotein) galt dagegen lange als förderlich für die Herzgesundheit. Aktuelle Studien legen jedoch nahe, dass ein zu hoher HDL-Cholesterinspiegel andere Gesundheitsrisiken bergen könnte, etwa für die Entstehung von Augenerkrankungen wie Makuladegeneration oder Grüner Star. Was ist zu tun? Eine fettbewusste Ernährung mit viel frischem Gemüse, Obst und Vollkornprodukten kann erhöhe Blutfettwerte positiv beeinflussen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen als Richtwert, nicht mehr als 30 Prozent der Energie durch Fett aufzunehmen. Kann der Cholesterinspiegel trotz angepasster Ernährung nicht ausreichend gesenkt werden, werden Medikamente verordnet. Die Wirksamkeit von Cholesterinsenkern (Statine) wurde in vielen Studien bestätigt, sie sind die zweite Säule einer erfolgreichen Therapie.
Diabetes
Die meisten Diabetiker sterben an einer Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems, am häufigsten an Herzinfarkt und Schlaganfall. Denn ein anhaltend hoher Blutzuckerwert schädigt die Blutgefäße, fördert die Entstehung von Thrombosen und beeinträchtigt die Herzmuskelzellen auf direktem Weg - um nur einige der zahlreichen gesundheitsschädlichen Folgen eines Diabetes zu nennen. Wichtig zu wissen: Schon die Vorstufe von Diabetes, eine gestörte Glukosetoleranz, ist ein Risikofaktor.
Was ist zu tun? Spätestens ab dem 50. Lebensjahr sollte jeder regelmäßig seinen Blutzucker kontrollieren lassen. Dies gilt umso mehr, wenn bereits Bluthochdruck und/oder eine Fettstoffwechselstörung bekannt sind oder aber, wenn die Waage Übergewicht anzeigt. Zeigen sich bei der Untersuchung grenzwertig erhöhte oder eindeutig zu hohe Werte, sollte man gemeinsam mit dem Arzt überlegen, welche Änderungen man an seiner Lebens- und Ernährungsweise vornehmen kann, um den Blutzuckerspiegel möglichst wieder in den Normbereich zu bringen. Gegebenenfalls ist auch die Einnahme von blutzuckersenkenden Medikamenten eine Option.
Nicole Schaenzler
Die „Big Five“ der Risikofaktoren
Beim Weltherztag steht die Prävention im Mittelpunkt
Die Deutsche Herzstiftung appelliert mit dem Motto des diesjährigen Weltherztages „Herzgesundheit ist kein Zufall – mach die ,Big Five' zur Prio 1!“ an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen und will aufzeigen, wie buchstäblich lebensnotwendig Prävention ist. Mit den sogenannten Big Five benennt die Stiftung besonders gefährliche und individuell beeinflussbare Risikofaktoren, die das Herz belasten und zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie zum Herzinfarkt führen können: Bluthochdruck, Rauchen, hohes Cholesterin, Diabetes und Übergewicht. Dabei können diese Big Five durchweg frühzeitig erkannt und gut behandelt werden. Daher geht der Appell auch an die Verantwortlichen des Gesundheitswesens, entsprechende Vorsorge- und Kontrollprogramme fest zu etablieren. Der Weltherztag wurde 2000 von der US-amerikanischen World Heart Federation (WHF) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins Leben gerufen. Er findet alljährlich am 29. September statt. Mittlerweile beteiligen sich mehr als einhundert Länder mit zahlreichen Fachgesellschaften und Herz-Organisationen, darunter auch die Deutsche Herzstiftung.
Erschienen im Tagesspiegel am 29.09.2025