Ende Februar eröffnete die Ausstellung "Stay Textile Sitzobjekte“ in der Pinakothek der Moderne, wo ein langgezogenes Podest zehn überraschende Objekte präsentierte: Modelle, die Studenten der Kunsthochschule Kassel (KHK) im Studiengang Produktdesign als Prototyp entwickelten. Sie beweisen, dass das Thema Sitzen noch lange nicht auserzählt ist.
Gerade im Hinblick auf den Aspekt Stoff lassen sich immer neue Kapitel hinzufügen, weiß Professorin Ayzit Bostan, die zuvor schon Kooperationen mit etablierten Unternehmen wie Thonet oder Kvadrat anregte. Stoffe und Textilien überhaupt stehen dabei im Zentrum des Schaffens der Münchner Designerin Ayzit Bostan, die meist an der Schnittstelle von Mode, Möbel und Kunst arbeitet, seit 2012 unterrichtet sie nun an der KhK. 1968 in Ankara geboren, lernte Bostan an der Meisterschule für Mode in München, machte sich 1995 mit eigenem Label selbstständig. Ihr meist minimalistischer Ansatz erstreckt sich interdisziplinär zwischen diversen Gestaltungsbereichen.
Für das 1956 gegründete deutsche Unternehmen Tecta, das sich auf hochwertige Bauhaus-Reeditionen spezialisiert hat, entwarf Ayzit Bostan 2024 im Rahmen einer Kooperation mit Bree eine Tasche, die aus demselben hochqualitativen Leder wie der (von Tecta gefertigte) Faltsessel D4 von Marcel Breuer mit passendem Hocker besteht - als eine Verbindung, die "für die Aufhebung von Home und Office“ steht, da wir uns "immer mobiler, immer nomadischer bewegen", sagt Firmeninhaber Philipp Bree.


Auch den passenden Stahlrohrhocker mit gegerbtem Kernleder entwarf Bostan für diese Kooperation zwischen Tecta und Bree, genannt „PB 0110“. Viele Münchner erinnern sich an die Installation „Replika“ mit Gerhard Kellermann im Hofgarten von 2012. Noch bis Ende Juli 2026 schwebt Bostans Discokugel "Play“ im Gasteig in Halle E.
FRANZISKA HORN
Erschienen im Tagesspiegel am 09.05.2026