Anzeige

Kreativität gefordert

Flexibilität ist das Stichwort für die Berufswahl. Foto: Adobe Stock

BILDUNG AKTUELL

Kreativität gefordert

In einer digitalisierten Welt haben auch Kultur- und Geisteswissenschaftler ihre Chancen - Voraussetzung ist jedoch die Bereitschaft, neue Wege zu gehen

Egal ob Philosophie, Vor- und Frühgeschichte oder Byzantinische Kunstgeschichte - jeder, der solche Studiengänge absolviert, kennt die Reaktion: Sobald das Studienfach erwähnt wird, folgt unweigerlich die Frage: „Was möchtest du damit später anfangen?“ und „Kann man damit überhaupt Geld verdienen?“

Während Studiengänge aus dem Kanon der MINT-Fächer vielversprechende Karrieremöglichkeiten in Aussicht stellen, stehen Absolventinnen und Absolventen geistes- und kulturwissenschaftlicher Fächer hier im Abseits. Zu diesen aus Sicht des Arbeitsmarktes problematischen Studiengängen zählen Literatur- und Sprachwissenschaft, Politologie, Philosophie, Theologie, Geschichte, Musik- und Kulturwissenschaften sowie Disziplinen rund um darstellende Kunst, Film, Fernsehen und Medien. Solche Fächer sind am Arbeitsmarkt wenig gefragt und haben kein festes berufliches Einsatzgebiet. Anders als zum Beispiel Recht, Medizin oder technische Studiengänge qualifiziert ein geistes- oder kulturwissenschaftliches Studium nicht für ein bestimmtes Berufsbild. Abgesehen vom wissenschaftlichen Bereich werden Geisteswissenschaftlerinnen normalerweise nicht aufgrund ihres Studiums eingestellt. Sie müssen sich daher Gedanken machen, wie sie ihren Lebensunterhalt verdienen und wie sie ihre Fähigkeiten erweitern können.

Viele Absolventen geistes- und kulturwissenschaftlicher Studienfächer liebäugeln mit dem Medienbereich, insbesondere dem Journalismus. Er war in der Vergangenheit oft die Alternative für Akademiker mit eher düsteren beruflichen Perspektiven. Doch der Medienbereich kriselt gerade mal wieder. Trotz eines bestehenden Grundbedarfs an Kommunikationsprofis kämpft die Branche mit sinkenden Umsätzen und der Verlagerung hin zu digitalen Medien. Aktuell muss sich die gesamte Kreativbranche zusätzlich mit der Herausforderung Künstliche Intelligenz (KI) auseinandersetzen. Mit dem Aufkommen von generativer Kl verändert sich die Art und Weise, wie Nachrichten, Artikel, Fotos und Bewegtbilder produziert und konsumiert werden. Programme wie ChatGPT oder Midjourney ermöglichen es, automatisch Texte, Bilder und sogar Videos zu erstellen - was möglicherweise zu einer zunehmenden Automatisierung von journalistischen Aufgaben führen könnte. Für Studierende, die mit einer Tätigkeit im Medienbereich liebäugeln, könnte dies bedeuten, dass traditionelle journalistische Berufe wie Autorin, Fotograf oder Grafikdesignerin mehr oder weniger durch automatisierte Prozesse ersetzt werden. Dies ist eine weitere Problematik, und es könnte schwieriger werden, sich in einem sich wandelnden Arbeitsumfeld zu behaupten und relevante berufliche Perspektiven zu finden.

Jobchancen erhöhen

Dennoch bieten sich auch in einer zunehmend digitalisierten Welt Chancen für Absolventen dieser Studiengänge. Kreative Fähigkeiten wie ästhetisches Empfinden, Designkompetenz und kritisches Denken sind nach wie vor gesucht und sind in Bereichen wie digitalem Marketing, User Experience Design oder Content Creation unverzichtbar. Darüber hinaus verfügen geisteswissenschaftliche Absolventen über wichtige Soft Skills, die bei Arbeitgebern gefragt sind. Dazu gehören Tätigkeiten wie argumentieren, exzerpieren, strukturieren, filtern, vereinfachen, begründen, klären, prüfen. Daneben können sich implizite Fertigkeiten wie theoretisch-abstrakte, organisatorische und kreative Kompetenzen entwickeln. Wer für ein Fach brennt - und sei es noch so exotisch - dem sollte man nicht abraten, dieses zu studieren. Doch um sich dennoch fit zu machen für den Arbeitsmarkt, braucht es wirkungsvolle Maßnahmen.

Es ist wichtig, flexibel zu bleiben und die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen nicht zu unterschätzen. Dabei können Coaching und Weiterbildung ebenso helfen wie der Erwerb von Zusatzqualifikationen oder Jobs und Praktika während der Studienzeit.
Klaus Manhart

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 18.05.2024

Das könnte Sie auch interessieren