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Kreative Wunderkammer – Jahresausstellung 2025 der Akademie der Bildenden Künste München

BADEN STATT BETEN: ARCHITEKTURABSOLVENT LUKAS KAYL WIDMETE EINE BRUTALISTISCHE RUINE UM. SO SOLL SCHWIMMEN DEM BAULICHEN ZERFALL ENTGEGENWIRKEN. FOTOS: FRANZISKA HORN

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Kreative Wunderkammer – Jahresausstellung 2025 der Akademie der Bildenden Künste München

Als eine der ältesten Kunsthochschulen Deutschlands bietet die Akademie der Bildenden Künste München Studiengänge in Architektur und Innenarchitektur an: Eindrücke der Jahresausstellung 2025

Es regnet in Strömen, doch tausende Besucher flanieren auch anlässlich der diesmaligen Jahresausstellung die Gänge und Säle auf und ab  wie immer, wenn die Akademie der Bildenden Künste München (ADBK) ihre Ateliers und Werkstätten der Öffentlichkeit zeigt: darin die studentischen Arbeiten des Sommer- und Wintersemesters. Schon im Foyer drängen sich die Menschen dicht, ihre tropfenden, aufgespannten Regenschirme arrangieren sich in einem Winkel des Raums wie zu einer eigenen Impro-Kunstinstallation. Gleich geht es los, es stehen die kostenlosen Führungen von Studierenden an, die es in diversen Sprachen gibt, mehrmals täglich.

Die Jahresausstellung der ADBK ist jeden Juli ein wiederkehrender Höhepunkt im Münchner Kulturkalender. Wo früher Franz von Lenbach, Wassily Kandinsky und Paul Klee studierten, mischt sich der künstlerische Nachwuchs von heute mit Besuchern aller Couleur, das alles in den ehrwürdigen Räumen im Altbau von 1886 in Bestlage der Maxvorstadt. Allein der Gang durch die überhohen Räume und die gefühlt kilometerlangen Gänge ist ein architektonisches Erlebnis  die Weite öffnet scheinbar auch den Raum für kreative Gedanken.

Das Studium selbst ist in Klassenverbänden organisiert, insgesamt 25 Klassen gibt es, dazu 22 Studienwerkstätten und eine Bibliothek, die zu den größten Europas zählt: Die über 120.000 Kunstbände sind allerdings nur für Studenten und Dozenten zugänglich. Dafür geben die rund 800 Studenten bei der Jahresausstellung Einblicke in ihre künstlerischen Prozesse aller Genres: Von den klassischen Medien wie Malerei, Skulptur, Fotografie, Bühnenbild, Schmuck und Gerät bis zu Installationen, Sound und Medienkunst. Dazu finden zahlreiche Performances statt.

Doch sogar hiesige Stadtbewohner wissen kaum: Auch die Fachrichtungen Kunstpädagogik, Architektur und Innenarchitektur kann man hier auf der Kunsthochschule studieren. Das Studium der Innenarchitektur setzt sich aus einem dreijährigen Bachelor- und zweijährigen konsekutiven Masterstudiengang zusammen. Das Ziel: die Studierenden in die Lage zu versetzen, auf dem komplexen Gebiet der Innenarchitektur Probleme zu erkennen und zu analysieren, passende Konzepte und Lösungen zu entwickeln, dabei künstlerisch und wissenschaftlich zu arbeiten und die Ergebnisse überzeugend zu kommunizieren. Der Masterstudiengang „Architektur und Kunst“ besteht aus vier Semestern. In diesen bilden der universelle Anspruch und die Freiheit des künstlerischen Denkens ein zentrales Leitmotiv.

Raum für kreative Ideen

Was bedeutet das alles in der Umsetzung? – Schauen wir auf die Arbeiten der Jahresausstellung 2025: Im Rahmen der gezeigten Arbeiten der Fakultät Innenarchitektur ging es im eigens erstellten Ausstellungsdesign in Form von Baugerüsten als Sinnbild für eine Disziplin im Umbau – zum Beispiel darum, Bestandsgebäude umzubauen, ein großes Thema der Zeit. In der Tiefgarage des ADBK-Neubaus präsentierten die Absolventen des Bachelor- und Masterstudiengangs ihre Abschlussarbeiten - mit verblüffenden Lösungen: So wurde zum Beispiel ein 60er-Jahre-Bungalow kurzerhand zum Community-Centrum für LGBTQ-Menschen umfunktioniert.

NEUE PERSPEKTIVEN AUF DEN UMGANG MIT RUINEN ERKUNDET DIESE SEMESTERARBEIT DER MASTERKLASSE FÜR ARCHITEKTUR.
NEUE PERSPEKTIVEN AUF DEN UMGANG MIT RUINEN ERKUNDET DIESE SEMESTERARBEIT DER MASTERKLASSE FÜR ARCHITEKTUR.

Im Gartenhaus zeigte die Architektur-Masterklasse von Professor Bernardo Bader ihre vielversprechenden Arbeiten. Dabei beschäftigten sich die Studenten mit neuen Perspektiven auf Ruinen an Örtlichkeiten wie Athen, Schottland, Paris oder Santiago de Chile und entwickelten diverse Annäherungen an diese Orte des Stillstandes. So konzipierte ein Absolvent ein Schwimmbad für die brutalistische Ruine eines verlassenen Priesterseminars, eine Absolventin untersuchte in einem Stadtplanungsprojekt Kinderbetreuungsangebote für ein Viertel von Paris – durch Umnutzung eines leerstehenden Stromverteilerwerks in sozialen Wohnungsbau. Inspirierende Ideen für eine Zeit, in der Bestandsbauten nicht mehr abgerissen, sondern durch überraschende Lösungen eine neue Funktion erhalten. Bleibt zu wünschen, dass der eine oder andere Vorschlag seinen Weg in die Realität findet.

Franziska Horn

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 11.11.2025

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