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Kosmos der Farben und Formen

Der Dänische Kult- Designer Verner Panton wäre in diesem Februar 100 Jahre alt geworden. Foto: Panton Design AG/Vitra Design Museum

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Kosmos der Farben und Formen

Der Meister des skulpturalen Designs: Zum 100. Geburtstag Verner Pantons

Wie oft der berühmte „Panton Chair“ inzwischen verkauft worden ist, darüber gibt es keine so recht verlässlichen Zahlen. Doch eines ist sicher: Der Stuhl aus der Feder des dänischen Architekten und Designers Verner Panton gehört zu den ikonischsten Möbelstücken des 20. Jahrhunderts. Er symbolisiert nicht nur die Abkehr von der klassischen Formensprache, sondern auch die Hinwendung zu neuen Materialien und Herstellungsarten, die die Gestaltung fließender Formen aus einem Stück erst möglich gemacht haben. Nach dem Studium, seiner Zeit beim großen Arne Jacobsen und einem jahrelangen Roadtrip mit Zeichentisch im VW-Bus: Panton, der in diesem Februar 100 Jahre alt geworden wäre, hatte schon zu Beginn seiner Karriere davon geträumt, seine ganz eigene Vision des skulpturalen Designs in die Tat umzusetzen. 

Zu Beginn der 1960er Jahre wurde es durch den Einsatz innovativer Kunststoffe und in Zusammenarbeit mit dem renommierten Unternehmen „Vitra“ dann endlich möglich: In einer ersten Version wurde der Stuhl aufwändig aus kaltgepresstem, glasfaserverstärktem Polyesterharz hergestellt, mit dem Start der Serienproduktion 1968 erschien dann eine Variante aus Polyurethan leichter umsetzbar, bevor man es etwas später mit dem Material „Luran S“ versuchte, was sich aber nicht als besonders stabil erwies. Ein zwischenzeitliches Produktionsende kurz vor Beginn der 1980er Jahre war bei „Vitra“ die Folge. Inzwischen ist der „Panton Chair“ dort jedoch wieder stolz im Programm: Als „Classic“ aus Polyurethan und in der Variante aus Polypropylen.

Der Raum als Welt

Auch wenn er unzählige davon entwarf (unter anderem den heute schwer gesuchten Ikea-Stuhl „Vilbert“ oder den „Cone Chair“ mit seiner prägnanten Kegel-Form), hatte Verner Panton nicht nur ein Faible für Sitzmöbel. Auch an der Gestaltung von Textilien, Leuchten oder Gebrauchsgegenständen fand er großen Gefallen. Darunter seine legendäre „Moon Lamp“ aus Aluminium, die It-Piece-Leuchte „Flowerpot“, oder Raritäten wie seine Aschenbecher, Schirmständer und Untersetzer aus den 1960er Jahren, bei denen er mit dem Material Emaille arbeitete. Davon abgesehen hat Panton Zeit seines Lebens Design gerne größer gedacht. Von einzelnen Objekten ging es über in den Raum. 

Seine Konzepte für Interieurs gelten noch heute als wegweisend und typisch für Pop Art und Space-Age. Hierbei hat er es vorzüglich verstanden all seine Ideen zu einem Gesamtkunstwerk zu vereinen. Etwa im Jahr 1969 bei der Verwirklichung des „Spiegel“-Verlagshauses in Hamburg, bei dem er jeder Etage mit einer unterschiedlichen Hauptfarbe versah und Wände und Decken mit auffälligen Formen und Leucht-Installationen bespielte. Ein Vorbild für das Verlagshaus von Gruner & Jahr, dem er einige Jahre später ebenfalls den unverwechselbaren Panton-Look verlieh. Auch sein modern-pompöser Entwurf für das Restaurant „Varna“ in Århus oder seine konzeptionellen Wohnlandschaften aus Schaumstoff für den Chemie-Giganten „Bayer“ sind in die Design-Geschichte eingegangen.

Kraft der Ideen

Der legendäre „Panton Chair“ passt sogar ins Outdoor-Ambiente. Foto: Vitra
Der legendäre „Panton Chair“ passt sogar ins Outdoor-Ambiente. Foto: Vitra

Ungeachtet der großen Anerkennung bei der Fachwelt und trotz des kommerziellen Erfolgs vieler seiner Entwürfe begann gegen Ende der 1970er das Interesse an Verner Pantons Arbeit etwas zu stagnieren. Die damalige Ölkrise und die aufkommende Skepsis für Erzeugnisse auf Mineralölbasis werden dafür oft als Grund genannt. Die Kraft seiner Ideen vermochte diesen kurzen Karriereknick jedoch durchaus zu überwinden und spätestens seit den bunten 1990er Jahren war und ist Panton wieder en vogue. 

Zu erleben bei zwei sehenswerten Ausstellungen in diesem Jahr: Das „Vitra Design Museum“ in Weil am Rhein widmet sich von diesem bis zum kommenden Mai mit „Form, Farbe, Raum“ - unter anderem mit einem begehbaren Modell seiner „Fantasy Landscape“ - dem ganzen Spektrum des dänischen Visionärs, und das Berliner Kunstgewerbemuseum feiert sein Hundertjähriges ab November mit „World of Colours“ und 100 ausgewählten Exponaten. Auch Pantons Geburtsort Bogense auf der dänischen Insel Fünen würdigt seinen großen Sohn mit einer fein kuratierten Ausstellung, die ab dem 13. Februar ihre Pforten öffnet.

KAI-UWE DIGEL

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 07.02.2026

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