Beton ist nach wie vor der bestimmende Werkstoff im Gebäudebau. Nach Zahlen des Bundesverbands der Deutschen Transportbetonindustrie werden allein in Deutschland jährlich etwa 47 Millionen Kubikmeter davon verbaut. Eine Menge, die hierzulande wegen der großen Nachfrage aus über 50 regional verteilten Zementwerken kommt. Beton lässt sich gut verarbeiten und steht für Langlebigkeit, hat allerdings in Zeiten des Nachhaltigkeitsgedankens und der Energiewende ein Imageproblem: Kritiker sehen ihn als klimaschädigend an.
Bauschutt 2.0
So weist das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz darauf hin, dass "fast acht Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen" auf die Produktion des Betonbestandteils Zementklinker zurückgehe. Hier bei uns sind es nach Zahlen, auf die sich etwa auch die Naturschützer vom „WWF Deutschland“ beziehen, immerhin noch zwei Prozent, die am Klima nagen.
Nach Meinung vieler Fachleute ist es daher längst an der Zeit etwas zu tun. Selbst die deutsche Zement- und Betonindustrie hat es sich dem Vernehmen nach zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2045 klimaneutral zu werden. Das sind noch lange zwei Jahrzehnte, aber die praxistaugliche Alternative zum Üblichen gibt es bereits: Recyclingbeton. Er wird mit aufbereiteter Gesteinskörnung hergestellt - statt der wertvollen Rohstoffe Kies, Sand oder Split kommt Bauschutt zum Einsatz, der sonst nur weggeschmissen würde. Material dafür gibt es offenbar genug: Das Umweltbundesamt hat den hiesigen Altbestand an Gebäuden und Infrastruktur einmal als künftiges „Rohstofflager“bezeichnet, aus dem Milliarden an Tonnen neuen Baustoffes gewonnen werden könnten. Dabei gehen auch einige Kommunen schon mit gutem Beispiel voran, so ist etwa in Berlin qua Verordnung bei öffentlichen Bauvorhaben grundsätzlich Recyclingbeton einzusetzen.
Kai-Uwe Digel
Erschienen im Tagesspiegel am 08.02.2025