Auf dem Weg in die Digitalisierung gehört die IT-Branche zu den zukunftsträchtigsten überhaupt: Bereits im August 2023 hat die Bundesagentur für Arbeit erstmals eine Million sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in den entsprechenden Berufen vermeldet. Dabei arbeitete ein Drittel als Software-Entwickler oder Programmierer, ein weiteres Drittel als Informatiker mit Ausbildung oder Studium, und der Rest als Webadministratoren, Anwenderberater oder Entwickler. Laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) aus dem letzten Jahr wird die Beschäftigungszahl im IT-Bereich bis 2027 nun sogar um etwa 14 Prozent auf mehr als drei Millionen ansteigen. Dennoch ist keine Sättigung des Marktes zu erwarten, denn Professionals sind auch hier oft rar - und vor allem sehr gesucht: In zwei Jahren werden schätzungsweise 128.000 Fachkräfte fehlen, wie das IW ebenfalls prognostiziert. „Die Unternehmen in Deutschland fragen deutlich mehr Fachkräfte mit Digitalexpertise nach als der Arbeitsmarkt hergibt“, bestätigte Alexander Burstedde, der Autor der Studie. Abhilfe können zum Beispiel attraktive Ausbildungswege zum Berufsstart, Umschulungen zur Neuorientierung oder auch die kontinuierliche Weiterbildung schaffen.

Hier gibt es seit kurzem eine wegweisende Neuerung: Im letzten November ist die Verordnung zur Modernisierung des IT-Weiterbildungssystems „IT-WBS“ in Kraft getreten, das auf einer bundesweit einheitlichen Regelung zur Fortbildung fußt und von den Industrie- und Handelskammern umgesetzte öffentlich-rechtliche Abschlüsse ermöglicht. Eine Chance für alle, die eine Ausbildung im IT-Bereich erfolgreich absolviert haben, eine zusätzliche Qualifikation erlangen möchten oder sich als Quereinsteigerinnen oder Quereinsteiger beruflich neu orientieren wollen. Bereits 2002 war das ursprüngliche „IT-WBS“ auf den Weg gebracht worden, doch in den letzten über zwei Jahrzehnten haben sich sowohl die beruflichen Anforderungen als auch die Bedingungen im Ausbildungswesen mit der Neugestaltung des Berufsbildungsgesetzes und der Neuordnung der IT-Berufe mit zusätzlichen oder veränderten Schwerpunkten stark verändert. Jetzt geht„ein deutlich einfacheres und zeitgemäßes System“ an den Start, wie es die Deutsche Industrie- und Handelskammer schon im Vorfeld beschrieben hat.
Neue Spezialisierungen in zwei Fortbildungsstufen
Das überarbeitete „IT-WBS“ ebnet zunächst den Weg für einen geprüften Abschluss in fünf Bereichen der Spezialisierung als Berufsspezialist/in für Datenanalyse, Informationssicherheit, IT-Beratung, Softwareentwicklung oder Systemintegration und Vernetzung. All das zur Vertiefung des bereits im Vorfeld erlangten beruflichen Wissens und mit der Gewissheit neben den einzelnen Spezialisierungen im Verlauf der Weiterbildung auch noch zusätzliche Skills aus den Bereichen Compliance, Datensicherheit, Projektkoordination und Risikomanagement zu erwerben. In einer weiteren Stufe der Fortbildung lässt sich der Abschluss als„Bachelor Professional in IT“ erzielen. Das klingt nicht nur gut, sondern „qualifiziert für anspruchsvolle Fach- und Führungspositionen“, wie das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) betont, das zusammen mit den Bundesministerien, den Sachverständigen und Sozialpartnern maßgeblich an der Neugestaltung des „IT-WBS“ beteiligt gewesen ist. Inhaltliche Schwerpunkte der „Bachelor-Stufe“ sind unter anderem betriebswirtschaftliches Handeln, Mitarbeiterführung und das Projekt- und Prozessmanagement.
Vielfältiger Zugang
Um die Fortbildung einem möglichst breiten Spektrum an Interessierten zu ermöglichen, sind die Zugangswege recht vielfältig: Eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung in der IT ist der Schlüssel für beide Stufen der zusätzlichen Qualifikation. Im Wesentlichen sind das Fachinformatiker/innen der bereits im Jahr 2020 neu geregelten IT-Berufe, IT-System-Elektroniker/innen, sowie die Kaufleute für IT-Management oder Digitalisierungsmanagement. Aber auch Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger, die eine erfolgreiche Abschluss- oder Gesellenprüfung in einem anerkannten Beruf außerhalb der IT-Branche und eine mindestens einjährige Berufspraxis vorweisen können, werden zugelassen. Darüber hinaus kann eine mindestens vierjährige Berufspraxis den Zugang zu Stufe 1 ermöglichen, genauso wie mindestens 60 Leistungspunkte nach dem Europäischen System zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen, die man mit einem Studium erworben hat. Allerdings muss dazu noch eine Berufspraxis von zwei Jahren nachgewiesen werden. Die direkten Zugangsvoraussetzungen zu Stufe 2 sind analog zu denen in der ersten Stufe etwas verschärft, die Details sind in den entsprechenden Verordnungen zum neuen „IT-WBS“ beschrieben. Wer bereits einen Spezialisten-Abschluss auf der ersten Stufe bestanden hat, kann sich diesen im Übrigen für den „Bachelor Professional in IT“ anrechnen lassen. Der modulare Charakter des Programms ist dabei ganz zentral. So können sich alle ganz gemäß der persönlichen Ambition und Vorstellung flexibel weiterbilden.
Praxisnahe Prüfungen
Sie stehen am Ende einer jeden Aus- oder Fortbildung, und allein schon der Gedanke daran verursacht mitunter ein mulmiges Gefühl, doch Prüfungen können auf zeitgemäße Weise gestaltet werden. Beim neuen „IT-WBS“ sind sie vor allem an der Praxis orientiert und bestehen aus zwei Teilen: Im schriftlichen Teil warten simulierte praxisnahe IT-Situationen auf die Prüflinge, die von abschlussrelevanten Projekten ergänzt werden. Im Fokus stehen dabei die Lösungswege, die die Teilnehmenden bei der Aufgabenstellung entwickeln. So soll die berufliche Handlungskompetenz offenbar werden, wie es das BIBB beschreibt. Aktuell sind die beiden beschriebenen Fortbildungsstufen die wählbaren Bestandteile des neuen „IT-WBS“, in Zukunft soll es aber auch noch eine dritte, noch höher qualifizierende Stufe geben: Mit ihr wäre dann auch ein Abschluss als „Master Professional IT“ möglich.
Kai-Uwe Digel
Modulares Weiterbildungssystem „IT-WBS“
Mit der Neugestaltung des „IT-WBS“ wurde ein modulares Weiterbildungssystem geschaffen, das auf den Anforderungen der beruflichen Realität basiert und an die neuen Gegebenheiten der Digitalisierung im professionellen Bereich angepasst ist. Gedacht ist es für Interessierte aus dem IT-Bereich, ermöglicht aber ausdrücklich auch den Zugang für Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger, um sich neu zu orientieren und einen qualifizierten anerkannten Abschluss zu erwerben. Dies ist aktuell in zwei Stufen als „Berufsspezialist/in“ oder als „Bachelor Professional IT“ möglich. Eine weitere Qualifizierungsebene als „Master Professional IT“ ist angedacht. Informationen zur Zulassung, zum Lehrinhalt und den Abschlussmöglichkeiten gibt es online beim Bundesinstitut für Berufsbildung (bibb.de ) oder der Deutschen Industrie- und Handelskammer (dihk.de ). kud
Erschienen im Tagesspiegel am 21.02.2025