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Inszenierung mit „Geliehenem Licht“

DER WELTBEKANNTE ARCHITEKT FUMIHIKO MAKI HAT EINEN LICHTHOF GESTALTET, DER NICHT NUR HELLIGKEIT INS GEBÄUDE LEITET, SONDERN AUCH SPEKTAKULÄRE ANSICHTEN LIEFERT.

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Inszenierung mit „Geliehenem Licht“

In Wiesbaden entsteht Fumihiko Makis erster Kunstbau in Europa

Es ist ja nicht gerade so, dass die hessische Landeshauptstadt keine sehenswerten Museen zu bieten hätte: Das Museum Wiesbaden zeigt eine international anerkannte Expressionisten-Sammlung, im letzten Jahr hat das Stadtmuseum mit der Schau zu Ehren des legendären Gestalters Dieter Rams nicht nur eingefleischte Design-Fans angelockt, und das im Wortsinn ausgezeichnete „Frauen Museum“ macht sich schon seit den 1980er-Jahren um das Sichtbarwerden weiblicher Kunst und Lebenswelten verdient.

Dennoch entsteht im Herzen der Stadt ein weiterer Museumsbau, der zudem architektonische Maßstäbe setzt: Das nach seinem Stifter benannte Museum Reinhard Ernst (MRE) stammt aus der Ideenschmiede von Maki and Associates, dem Büro- des weltberühmten japanischen Architekten Fumihiko Maki. Das MRE ist sein insgesamt zehnter Museumsbau und sein allererster in Europa. Und auch hier vermag er es erneut, ähnlich wie etwa beim Aga Khan Museum in Toronto, trotz seiner auf das Wesentliche reduzierten Formensprache dennoch spektakuläre Ansichten zu schaffen. Das Gebäude in Wiesbaden wirkt durch seine großflächige weiße Granitfassade geradezu strahlend und schafft genau dadurch einen stimmigen Kontrast zum Bestand in der Nachbarschaft. Erstaunlicherweise sogar ganz besonders im optischen Zusammenspiel mit den umgebenden historischen Bauten aus der Gründerzeit, deren Proportionen beim Entwurf des Neubaus, wann immer möglich, mit aufgenommen wurden. Dies scheint auch den Wiesbadenerinnen und Wiesbadenern zu gefallen, denn seinen Spitznamen hat das MRE schon weg: Wohl wegen der kristallen schimmernden Oberfläche der 6000 Quadratmeter Tiefengestein auf der Außenhaut wird es augenzwinkernd „Zuckerwürfel“ genannt. Im Gegensatz zu den schweren Kalorien, die so ein echter süßer Würfel beinhaltet, wirkt Makis Entwurf allerdings leicht, um nicht zu sagen schwebend. Das kommt durch die Auskragung des viergeteilten Baukörpers, der auf dem gläsernen Erdgeschoss ruht. Möglich geworden durch eine aufwendige Stahlkonstruktion, deren Planung nach Angaben des Museums alleine etwa zweieinhalb Jahre gedauert hat. Gut Dingwill eben Weile haben -beidem ganzen Projekt: Der erste Vorschlag für einen neuen Kunstbau mit dem Fokus auf abstrakte Kunst aus Deutschland, Europa und Japan wurde der Stadt durch die Reinhard & Sonja Ernst Stiftung bereits im Jahr 2016 gemacht. Nach Zustimmung aller kommunalen Gremien und Entscheidungsträger sowie einem Bürgerbeteiligungsverfahren konnte dann drei Jahre später mit dem Bau begonnen werden.

Architektur für die Kunst

Schwere mit Leichtigkeit zu verbinden kann als eines der Markenzeichen Fumihiko Makis betrachtet werden. Genauso wie seine fast schon liebevolle Detailarbeit, wenn es an die Belichtung eines Gebäudes geht. In diesem Fall leitet der Architekt die Helligkeit über einen weitläufigen Lichthof in die Ausstellungsräume bis ins Erdgeschoss und spricht hier so sympathisch von „geliehenem Licht“, das die Innenräume besonders freundlich erscheinen lässt. Harmonie trotz scharf gezeichneter Strukturen beherrscht Maki meisterhaft und das passt auch hervorragend zur konzeptionellen Ausrichtung der Ausstellungsräume. Nach dem Entree öffnet sich ein eigener Bereich für Kinder und Jugendliche. Auch ein Shop, das Bistro und ein Veranstaltungsraum sind hier untergebracht. Die Wechselausstellungen werden ebenfalls im unteren Teil des Gebäudes stattfinden, mit einem lichten Galerieraum zur stimmungsvollen Einleitung. Die beiden Stockwerke für die Dauerausstellung ordnen sich mit hohen Decken und besonders breiten Wänden ganz der gezeigten Kunst unter. So können die teils großformatigen Exponate ihre Wirkung auch adäquat entfalten. Bleibt noch die Frage nach der offiziellen Eröffnung dieses wirklich sehenswerten Kunstbaus. Gründungsdirektor Dr. Oliver Kornhoff beantwortet sie auf der Webseite des Museums so: „Wir befinden uns tatsächlich auf der Zielgeraden und planen mit der Eröffnung zum Ende des ersten Halbjahres.“

KAI-UWE DIGEL

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 06.04.2024

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