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Heiter bis sonnig
Heiter bis sonnig

Ingenieursberufe sind weiter auf Wachstumskurs. Foto: Adobe Stock

Bayern sucht Fachkräfte

Heiter bis sonnig

Für einige Ingenieure sind die Aussichten besonders gut. Perspektiven, Trends und Zahlen auf dem Arbeitsmarkt

In einem technologieorientierten Land wie Deutschland sind Ingenieure und Ingenieurinnen gefragte Fachkräfte. Viele Schlüsselindustrien bieten ihnen gute Karrierechancen. Dazu kommt eine bemerkenswert niedrige Arbeitslosenquote von durchschnittlich drei Prozent. Trotz des anhaltenden Bedarfs an qualifizierten Fachleuten beeinflussen jedoch Faktoren wie konjunkturelle Flauten, Energiepreisschocks, schwächer und stärker performende Wirtschaftszweige, aber auch die steigenden Anforderungen durch die Digitalisierung und den Klimaschutz die Arbeitsmarktlage. In ihrem jährlich erscheinenden Online-Bericht „Blickpunkt Arbeitsmarkt: Akademikerinnen und Akademiker“ gibt die Bundesagentur für Arbeit (BA) eine aktuelle Einschätzung. Am gefragtesten waren im vergangenen Jahr Ingenieure der Elektrotechnik, Mechatronik, Automatisierungstechnik, Informations- und Kommunikationstechnik. In diesen Fachrichtungen haben Unternehmen die größten Probleme, offene Stellen zu besetzen. Auch werden Bauingenieure für die Bauplanung und Bauüberwachung besonders dringend gesucht. Anders ist die Lage bei den Maschinenbauern. Hier gibt es derzeit keinen Fachkräftemangel mehr. Laut Bundesagentur für Arbeit liegt das an einer höheren Absolventenzahl an den Unis in den Vorjahren und an der schwachen Konjunktur.

Die Entwicklung ist durchweg erfreulich: Der Arbeitsmarkt für Ingenieure ist auf Wachstumskurs. Die Unternehmen haben steigenden Bedarf. Die gemeldete Nachfrage war laut BA auf einem Höchststand. Zugleich gibt es immer mehr Ingenieure. Den Daten zufolge haben rund zwei Millionen erwerbstätige Männer und Frauen einen Abschluss in Ingenieurwissenschaften, gut 16 Prozent mehr als noch in den Zehnerjahren. Allerdings arbeitet rund eine Viertelmillion in einem anderen Beruf. Dass das Interesse am Ingenieurstudium weiter auf Höhenflug ist, zeigt ein Blick auf die Hochschulen: Über eine halbe Million Studierende ist derzeit im Ingenieurwesen eingeschrieben. Und der Nachwuchs macht sich startklar: Rund 95.000 Absolventen und Absolventinnen verlassen jedes Jahr die Uni mit ihrem Zeugnis in der Tasche.

Fast zwei Drittel aller Ingenieure (62 Prozent) sind in der Produktion und Fertigung einschließlich der Entwicklung beschäftigt. Etwa jeder fünfte Ingenieur (22 Prozent) hat sich für Bau, Architektur, Vermessung oder Gebäudetechnik entschieden. Weitere 16 Prozent entfallen auf andere Ingenieurberufe, wie etwa auf den technischen Vertrieb, Verkehrsbetrieb, Informatik oder Gartenbau, was die große Vielzahl des Berufsbilds demonstriert.

In fast allen Tätigkeitsfeldern gibt es einen Anstieg an Ingenieuren. Dabei legten einige Sparten besonders zu: Der Vertrieb (plus 7,9 Prozent), der Verkehrsbetrieb und die Sicherheitstechnik (jeweils plus 3,7 Prozent) sowie die Maschinen- und Fahrzeugtechnik (plus 3,1 Prozent).

Auch wenn sich die Zahl der arbeitslosen Ingenieure insgesamt erhöht hat, was vor allem auf die stärker gebeutelte Bau- und Architekturbranche zurückzuführen ist, fällt sie mit drei Prozent doch so niedrig aus, dass die Bundesagentur für Arbeit von „Vollbeschäftigungsniveau“ spricht. Betrachtet man die einzelnen Fachrichtungen, machen sich stärkere Unterschiede bemerkbar. Bei den Bauingenieuren und Maschinenbauern sind 2,9 Prozent arbeitslos, im Berufsfeld Forschung oder Produktionssteuerung hingegen nur 1,8 Prozent, im technischen Vertrieb aber 7,6 Prozent.

Maschinenbau zeigt sich robust

Maschinenbau zeigt sich robust die Bundesagentur für Arbeit hat auch die Entwicklungen in den beschäftigungsstärksten Sparten wie Maschinenbau, Elektrotechnik und Bauwesen genauer unter die Lupe genommen. Und das sind die wichtigsten Entwicklungen: Dass es im Maschinen- und Fahrzeugbau seit ein paar Jahren kriselt, nicht zuletzt durch den Wandel zur Elektromobilität und die schwache Wirtschaftslage, ist nur zu gut bekannt. Erfreulicherweise zeigt sich der Arbeitsmarkt dennoch sehr stabil. „Die Zahl der Beschäftigten setzte ihren Wachstumskurs fort“, unterstreicht die BA. Rund 254.000 Ingenieure waren 2023 im Maschinenbau und in der Fahrzeugtechnik in Deutschland tätig. Hier erholte sich nach einigen mageren Jahren die Nachfrage nach Fachkräften deutlich. Eine gute Nachricht für Arbeitgeber dürfte sein, dass es nach Auskunft der BA schneller gelingt, die offenen Stellen zu besetzen. Im Durchschnitt dauert eine erfolgreiche Suche 108 Tage. Was die Ausbildung des Nachwuchses betrifft, ist das Interesse an dem Studiengang nach wie vor groß, wenn auch leicht rückläufig. Rund 31.000 Absolventen schlossen im Jahr 2022/2023 ab und 40.000 Studienanfänger schrieben sich neu ein.

Nachfrage auf Rekordniveau: Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik

„Die Nachfrage stieg auf Höchstniveau“, bescheinigt die BA in ihrem Arbeitsmarktbericht für 2023 allen Ingenieuren der Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik, von denen es insgesamt 182.000 in Deutschland gibt. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass Unternehmen Schwierigkeiten verzeichnen, offene Stellen zu besetzen, da es zu wenige passende Bewerber gibt. Die Zahl der Studierenden in der Elektrotechnik ist zwar leicht rückläufig, bleibt aber auf hohem Niveau.

Im nächsten untersuchten Bereich, der Forschung, Entwicklung, Konstruktion und Produktion, waren im vergangenen Jahr 444.000 Ingenieure tätig. Sie entwickeln Produkte, überwachen Anlagen, sorgen für Energie- und Kosteneffizienz und arbeiten in der Qualitätssicherung sowie Prozesssicherheit. Berufsbezeichnungen in diesen Feldern sind zum Beispiel Forschungs-, Projekt- oder Qualitätsingenieur/-in. Sie zählen zu den gefragtesten Fachleuten. Ebenso wie Wirtschaftsingenieure. „Gerade die Verbindung von technischem Knowhow und betriebswirtschaftlichem Sachverstand hat an Stellenwert gewonnen“, erklärt die Bundesagentur für Arbeit. Was mit am häufigsten gesucht wird, sind dem Amt zufolge Experten in der technischen Produktionsplanung und Produktionssteuerung. Besonders wenn es um die Besetzung von Stellen in der technischen Qualitätssicherung geht, tun sich größere Probleme auf.

Bauingenieure für Bauleitung gesucht

Über 500.000 Frauen und Männer sind derzeit deutschlandweit als Architekten oder Bauingenieurinnen beschäftigt, der Arbeitsmarkt ist riesig. Aber auch stark von der Baukonjunktur abhängig. Nach vielen guten Jahren führten zuletzt Materialengpässe, steigende Baupreise und höhere Finanzierungskosten zu einer Abschwächung im Bausektor, was künftig eine nachlassende Nachfrage nach Baufachleuten erwarten lässt. Dennoch dürften sich gerade Bauingenieure keine großen Sorgen machen. Hier besteht immer noch Fachkräftemangel. Die größten Engpässe zeigen sich in der Bauplanung und Bauleitung. Hier suchen die Unternehmen händeringend gute Leute. Die Zahl der Bauingenieurabsolventen an den Hochschulen ist rückläufig. Sie sank 2022/2023 um vier Prozent auf rund 10.000.
shau

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 26.10.2024

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