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Harmloser Name, schlimme Erkrankung

Eine unbehandelte Schaufensterkrankheit kann böse Folgen haben, wie zum Beispiel offene Stellen und Geschwüre on Beinen und Füßen. Foto: Adobe Stock

Forum Spitzenmedizin

Harmloser Name, schlimme Erkrankung

Die Schaufensterkrankheit ist weit verbreitet, wird oft unterschätzt und kann ohne Behandlung zu ernsten Komplikationen führen

Wenn bereits der kurze Weg zum Bäcker oder zum Supermarkt um die Ecke Schmerzen in den Beinen verursacht, die erst wieder nachlassen, wenn man stehenbleibt. Oder wenn immer wieder die Waden beim Treppensteigen weh tun, wird es höchste Zeit, sich ärztlich untersuchen zu lassen. In vielen Fällen steckt die Schaufensterkrankheit“ dahinter - Mediziner sprechen von der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, kurz pAVK. Von dieser Erkrankung sind hierzulande etwa 4,5 Millionen Menschen betroffen: etwa jeder Fünfte über 60 Jahre und jeder Dritte, der älter als 80 Jahre ist. Ausgangspunkt sind chronische Durchblutungsstörungen in den Beinen, die durch eine fortschreitende Verengung oder einen Verschluss in den Beinarterien beziehungsweise in der Beckenarterie oder Bauchschlagader hervorgerufen werden.

Wichtigste Ursache: Arteriosklerose

In mehr als 90 Prozent der Fälle ist eine Arteriosklerose die Ursache für die gestörte Durchblutung der Beine und damit Auslöser der PAVK. Hierbei handelt es sich um eine fortschreitende, schleichend über Jahre und Jahrzehnte verlaufende Erkrankung der Gefäßwände, hervorgerufen durch Ablagerungen von Fetten, Kalzium, Entzündungszellen und anderen Substanzen an den Innenwänden der Arterien. Mit der Zeit werden diese auch als Plaques bezeichneten Ablagerungen immer dicker, sodass sich die Gefäße zunehmend verengen. Dies wiederum hat eine Behinderung des Blutflusses zur Folge, wodurch die Versorgung von Organen mit Sauerstoff zunehmend beeinträchtigt wird. Hiervon können alle Arterien betroffen sein, also neben den Becken- und Beinarterien zum Beispiel auch die gehirnversorgenden Halsschlagadern oder die Herzkranzgefäße. Besonders tückisch: Viele der Betroffenen bemerken lange nichts von ihrer Krankheit. Dennoch haben sie ein bis zu sechsfach erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Tatsächlich ist die Sterberate dreimal so hoch wie bei der nicht-erkrankten Bevölkerung gleichen Alters. Treten erste Symptome auf, kann es sein, dass die Beschwerden über eine lange Zeit kaum an Intensität zunehmen, doch es kann sich auch relativ rasch eine deutliche Verschlechterung einstellen. Fakt ist, dass mit zunehmender Verengung der Gefäße die Muskulatur und das umliegende Gewebe bei Belastung nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Infolgedessen entstehen schließlich die Schmerzen in den Beinen, die zum Stehenbleiben zwingen. Mit der Zeit werden die Gehstrecken, die schmerzfrei zurückgelegt werden können, immer kürzer, bis die Schmerzen schließlich sogar in Ruhe auftreten. Dadurch ist oft auch die Nachtruhe gestört. Dann lassen die Beschwerden häufig erst wieder nach, wenn man aufsteht oder das Bein aus dem Bett heraushängen lässt. Meist schmerzt nicht das gesamte Bein, sondern einzelne Teile: Je nachdem, wo genau die Verengung vorliegt, können die Schmerzen in der Wade das kommt am häufigsten vor -, aber auch im Oberschenkel, im Gesäß oder im Fuß auftreten.

Gefürchtete Folgeerscheinung

Eine nicht erkannte oder nicht ausreichend behandelte PAVK kann mit der Zeit schwerwiegende Komplikationen an Beinen und Füßen nach sich ziehen. Denn durch die Mangelversorgung des Gewebes können sich offene Stellen und Geschwüre entwickeln, die schlecht abheilen und ein hohes Infektionsrisiko bergen. Aber eine hochgradige Durchblutungsstörung und vor allem ein vollständiger Arterienverschluss kann auch dazu führen, dass Gewebebereiche absterben. Eine solche Nekrose erkennt man daran, dass die Haut zunächst immer blasser und dann schwarz wird. Im Extremfall müssen Teile der Gliedmaße amputiert werden - bis hin zum gesamten Bein.

Umso wichtiger ist eine frühzeitige Diagnose, etwa mithilfe einer Berechnung des Knöchel-Arm-Index und einer Farbduplexsonographie. Gerade im Anfangsstadium lässt sich mit einer Umstellung auf einen gesunden Lebensstil oft noch viel erreichen: Ein konsequenter Rauchverzicht, der Abbau überschüssiger Pfunde durch eine ausgewogene, kalorienbewusste Ernährung und regelmäßige sportliche Aktivität sind wichtige Maßnahmen, um die Blutgefäße gesund zu halten. Zudem sollten Blutdruck und Blutfette - notfalls mit Medikamenten - im Normbereich gehalten werden. Gerade für Diabetiker, die ein besonders hohes Risiko für Arteriosklerose und damit für Durchblutungsstörungen in den Beinen haben, ist außerdem eine gute Blutzuckereinstellung von entscheidender Bedeutung. Leiden die Betroffenen bereits unter Schmerzen beim Gehen, macht es gegebenenfalls Sinn, dass weitere Medikamente zur Verbesserung der Durchblutung zum Einsatz kommen, etwa, um die Blutgerinnung zu hemmen oder die Gefäße zu erweitern. Ein tägliches - am besten unter professioneller Anleitung erlerntes - Gehtraining kann helfen, die schmerzfreien Gehstrecken wieder zu verlängern.

Umstellung der Lebensweise

Reichen diese Maßnahmen nicht (mehr) aus, kann eine chirurgische Intervention notwendig werden. Je nach Ausdehnung der Gefäßverengungen beziehungsweise der Gefäßverschlüsse kommen verschiedene Vorgehensweisen infrage. Bei kürzeren Engstellen an den Becken- und Beingefäßen sind zum Beispiel häufig kathetergestützte Gefäßeingriffe die Methode der Wahl, wohingegen langstreckige Gefäßverengungen meist eine offen gefäßchirurgische Bypassoperation notwendig machen. Gelegentlich werden auch beide Verfahren miteinander kombiniert. Aber auch das Alter, der Allgemeinzustand und natürlich der Wunsch der oder des Betroffenen bestimmen mit, welche der verschiedenen Möglichkeiten zum Einsatz kommt. Für alle Eingriffe gilt jedoch, dass sie am besten in einer spezialisierten Klinik mit der entsprechenden Expertise durchgeführt werden. Nach einem Gefäßeingriff wird ebenfalls ein Gehtraining empfohlen, um die durch den Eingriff verbesserte Durchblutung langfristig zu erhalten.
Nicole Schaenzler


Wichtig zu wissen

Der gefährlichen peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) lässt sich vorbeugen. Die wichtigste Empfehlung lautet: Risikofaktoren vermeiden oder reduzieren. Das bedeutet: Das Rauchen einstellen, regelmäßig den Blutdruck und gegebenenfalls die Diabetes-Werte kontrollieren sowie auf eine gute Einstellung der Werte achten. Es heißt auch: Eine gesunde, gut schmeckende Ernährung mit wenig Fleisch, aber hohen Gemüse- und Vollkornprodukt-Anteilen bevorzugen, um die Cholesterinwerte im Griff zu behalten. Wichtig ist zudem, dass sich das Gewicht im Normalbereich bewegt. Strukturiertes Gehtraining fördert zusätzlich die Durchblutung und stärkt die Muskulatur.
dfr

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 25.04.2026

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