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Gärtnern mit der Natur

Die Ästhetik spielt für Lena Landefeld bereits in der Entwurfsarbeit eine wichtige Rolle. Ein Gesamtkonzept wird mit genaueren Detailskizzen ergänzt. In welchem Stil ein Garten angelegt wird, bestimmen allerdings die Auftraggeber selbst. Der Planungsphase gehen dazu ausführliche Gespräche voraus. Repro: Reinhard Palmer

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Gärtnern mit der Natur

Für die Permakultur-Designerin Lena Landefeld ist Nachhaltigkeit ein Muss

Sie sei ein Wahl-Landei, sagt die gebürtige Augsburgerin. Der Traumjob scheiterte aus gesundheitlichen Gründen, deshalb startete Lena Landefeld (mithummelnbummeln.de) mit Verspätung durch. Dann aber richtig! Das Ergebnis: zwei Söhne, Diplom als Permakultur-Designerin, ausgebildete Obstbaumwartin, Buchautorin („Der Nachtgarten“, Ulmer-Verlag). Die 36-Jährige studiert jetzt noch Bildungswissenschaft und absolviert eine Agroforst-Ausbildung, wenn sie nicht gerade Gärten designt und Kurse gibt. Wir sprachen mit Lena Landefeld über ihre Naturverbundenheit.

Lässt sich Permakultur in wenigen Worten auf den Punkt bringen?
Lena Landefeld: Permakultur ist die bewusste Gestaltung von dauerhaften Systemen – ob im Garten, in der Landwirtschaft oder anderswo. Durch die intelligente Vernetzung der Elemente können wir diese so gestalten, dass sie sich selbst tragen und sehr stabil sind.

Der Tag ist heiß, aber bei Lena Landefeld im Garten bei Zusmarshausen ist es unter der Platane angenehm kühl. Deshalb halten sich auch viele Singvögel in ihrem Garten auf. Fotos: Palmer
Der Tag ist heiß, aber bei Lena Landefeld im Garten bei Zusmarshausen ist es unter der Platane angenehm kühl. Deshalb halten sich auch viele Singvögel in ihrem Garten auf. Fotos: Palmer

Ist ein Permakultur-Garten automatisch auch ein Naturgarten?
Ein Permakultur-Garten ist ein Naturgarten, umgekehrt gilt das nicht immer. Im Permakultur-Garten geht es nicht nur darum, die Natur nachzuempfinden, sondern um nachhaltige Funktionalität, Resilienz und die Gestaltung für die Bedürfnisse der Menschen, die das System Garten beleben. Also Artenreichtum und Natur plus.

Worin liegt der entscheidende Unterschied zu einem konventionellen Garten?
In der maßgeschneiderten Planung und der Arbeit mit der Natur statt gegen sie. Und darin, dass die heute gängigen Gärten oft nur Dekoration sind, während ein Permakultur-Garten viel mehr ist und multifunktionell wirkt. Wir schaffen Klimapuffer und Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen. Und damit Trittsteinbiotope, Brücken zwischen Ökosystemen, die Tiere nutzen. Der hohe Ertrag in Form von Ernte und Ästhetik ist obligatorisch. Die Pflege wird deutlich einfacher.

Es genügt schon eine kleine Ecke im Garten, um mit Totholz, Vogeltränke und Insektenhotel einen Lebensraum zu schaffen. Hier fühlen sich auch Straußenfarn, Frauenmantel und Knoblauhrauke wohl. Permakultur geht aber auch geordneter.
Es genügt schon eine kleine Ecke im Garten, um mit Totholz, Vogeltränke und Insektenhotel einen Lebensraum zu schaffen. Hier fühlen sich auch Straußenfarn, Frauenmantel und Knoblauhrauke wohl. Permakultur geht aber auch geordneter.

Ausgangspunkt für jeden Garten ist der Boden. Wie muss er für die Permakultur beschaffen sein?
Wir arbeiten normalerweise mit dem Boden, der da ist, und bauen ihn peu à peu auf. Wir nutzen Mulch, eine natürliche Bedeckung des Bodens, organische Materialien, Pflanzen, Verschattungen, und lebendige Durchwurzelung, um das Bodenleben zu fördern.

Ist das verhasste Thema „Unkrautjäten“ im Naturgarten vom Tisch?
Es gibt zwei Ansätze: Einerseits mindern wir diese Problematik durch eine dauerhaft ertragreiche Konkurrenz. Die Beete sind dicht bepflanzt, dass unerwünschte Beikräuter gar nicht hochkommen. Andererseits ändern wir unsere Sichtweise. Ob wir einen Bodendecker pflanzen wie den Storchschnabel, der alles übernimmt, oder lernen, den Giersch, der heimisch ist und super wertvoll für die hiesige Tierwelt, zu mögen und zu nutzen, ist eine Frage des Blickpunkts.

Ein Permakultur-System vereint Natur, Zier- und Nutzgarten. Worauf kommt es an, damit dieses System funktioniert?
Vor allem auf die gute Beobachtung und die darauf aufbauende, individuelle Planung. Und auf die Vielfalt der Elemente, die wir zum System passend vernetzen. Je mehr Elemente das System tragen, desto stabiler wird es. Ich habe allerdings auch einen sehr hohen Anspruch an die Ästhetik „meiner“ Gärten - funktionieren kann nur, was gefällt.

Welche Pflanzen sollte man dabei bevorzugen oder vermeiden?
Vermeiden wollen wir invasive Neophyten. Im Gegensatz zu einem Neophyt wie der Tomate oder Funkie, die für die Natur nicht so der Bringer sind, aber andere Nutzen bieten, gehen die invasiven Neophyten aktiv in unsere Biotope und zerstören sie. Der Fokus liegt daher auf mehrjährigen heimischen Pflanzen. Wir kombinieren Bäume, Sträucher, Stauden, Wildkräuter klug und erreichen dadurch eine deutlich höhere ökologische und klimatische Stabilität.

Gehören Biotope auch zur Permakultur im Naturgarten?
Wir versuchen, möglichst viele Tiere als Helfer in unser System zu locken. Davon profitieren alle, denn Tiere sind unsere Helfer, wir sind auf ihre Mitarbeit angewiesen. Kaum jemand weiß, dass Glühwürmchenlarven Nacktschnecken lieben. Auch der Gartenschläfer frisst Nacktschnecken. Wenn wir denen Strukturen zur Verfügung stellen, das heißt Totholz, Hecken, Laub, Feuchtbiotope, dann schaffen wir einen Garten, der funktioniert.

Die Ästhetik eines Naturgartens ist ungewohnt. Wie wecken Sie das Bewusstsein für dessen Reize?
Das muss ich gar nicht, weil die Prinzipien der Permakultur auf jeden Gartengeschmack und -stil anwendbar sind. Wir können die zugrundeliegenden Muster, also Wege, Beetformen und bauliche Anlagen in jedem Stil gestalten, und dann innerhalb dieser Strukturen mit anderen, natürlicheren Arten und Materialien arbeiten als wires in einem cleanen, konventionellen Garten machen würden. Es muss nicht wild oder unordentlich sein, und es gibt einige außergewöhnliche Elemente wie Trockenbachläufe, die echte Eyecatcher sind.

Wie steht Permakultur zum Selbstversorgergarten?
Die Lebensmittelproduktion ist der Ursprung der Permakultur. So kriegen wir einen pflegeleichten und extensiven Anbau hin, sei es von Gemüse, Wildsträuchern, Obst oder auch Kräutern. Müssen aber nicht, auch ein reiner Ziergarten kann permakulturell sein.

Inwiefern kann Permakultur für die Klimaresilienz hilfreich sein?
Klimastabilität ist eins der übergeordneten Ziele. Wir arbeiten anders als im konventionellen Garten, in dem mit vielen überzüchteten, exotischen Arten gearbeitet wird und oft alte, große Pflanzen weichen müssen. Bäume sind aber Klimaanlagen: Sie holen das Wasser nach oben, nicht nur für sich selbst, auch für ihre Umgebung. Sie kühlen, verbessern das Mikroklima und beschatten Haus und Garten.

Das Permakultur-Konzept wurde ursprünglich für die Nahrungsmittelproduktion entwickelt. Ein Naturgarten kann denn auch mit dem Nutzgarten im Einklang stehen. Für Lena Landefeld ist der Genuss kein nachrangiges Thema.
Das Permakultur-Konzept wurde ursprünglich für die Nahrungsmittelproduktion entwickelt. Ein Naturgarten kann denn auch mit dem Nutzgarten im Einklang stehen. Für Lena Landefeld ist der Genuss kein nachrangiges Thema.

Wie gut kann ein Naturgarten mit Extremwetterlagen umgehen?
Wir haben viele Möglichkeiten mit Starkregen und Hitze umzugehen: Flächen entsiegeln, um Wasser im Garten zu halten, Versickerungsflächen und Speicher schaffen, zum Beispiel in Form von Schwammbeeten, womit wir Ströme lenken und in Zeiten der Trockenheit das Wasser „ernten“ können. Selbst Hagelschäden kann man mit Bäumen und Hecken mindern.

Als Obstbaumwartin praktizieren Sie auch den radikalen Oeschberg-Schnitt. Ist das nicht ein Widerspruch zur Naturgartenidee?
Obstbäume sind keine in der Natur gewachsenen Bäume, sondern veredeltes Kulturgut. Ein Obstbaum wird in der Baumschule aus mindestens zwei Bäumen zusammengesetzt. In dieser Zucht- und Veredelungspraxis ist die Statik des Baumes nicht mit dem Fruchtgewicht hinterhergekommen. Ein Apfelbaum ist noch in seiner Genetik darauf ausgerichtet, Dreizentimeterfrüchte zu tragen. Deswegen kann er im Vollertrag oft das Fruchtgewicht nicht halten und bricht aus. Daher der vergleichsweise heftige Schnitteingriff am Anfang, damit wir später einen gesunden Baum haben, der selten geschnitten werden muss und sehr alt werden kann.

Ein Thema für Sie ist auch die emotionale Naturerfahrung mit allen Sinnen. Welche Bedeutung hat dies für Sie?
Die Entfremdung von der Natur ist ein Kern unserer Problematik. Dass wir Natur als bedrohlich und mit viel Arbeit verbunden empfinden. Dabei steckt darin so viel Erkenntnis und Lösung, auch viel Heilung, was ich nicht spirituell meine, sondern faktisch. Je mehr Angst Menschen vor etwas haben, desto weniger wollen sie es schützen. Der Zusammenbruch der Ökosysteme ist eine unterschätzte Gefahr. Naturbewusstsein ist daher für uns alle existentiell.

Interview: Reinhard Palmer

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 04.07.2026

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