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Das "Futuro-Haus" als Zukunftsprojekt: GRUSS AUS DEM WELTALL

DAS SPACIGE MINIHAUS HAT GUT LACHEN, DENN ES VERFÜGT ÜBER EINE ELEKTRONISCH GESTEUERTE, KLAPPBARE ZUSTIEGSTREPPE. FOTO: FRANZISKA HORN

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Das "Futuro-Haus" als Zukunftsprojekt: GRUSS AUS DEM WELTALL

Matti Suuronen erfand das „FUTURO-HAUS“ in den 1960er-Jahren. Das Pendant steht als eisbärensicheres Biwak in der Wildnis von Grönland

Die Münchner kennen es und obendrein Besucher von nah und fern: Wie ein Ufo, das soeben aus dem Weltall landete, ruht das „Futuro-Haus“ auf einer grünen Wiese inmitten des städtischen Kunstareals. Ein ellipsoides Objekt, das mehr ist als eine Spielerei. Das Designerhaus wurde in den 1960ern vom finnischen Architekt Matti Suuronen erdacht, in den Jahren der Space-Age-Bewegung also, als man technische Fortschritte feierte und begann, sich für die Raumfahrt zu interessieren.

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Für einen Freund konzipierte Architekt Suuronen eine Skihütte, gemacht für unwegsames Gelände, die zudem extremen Temperaturen, Erdbeben oder Stürmen trotzen sollte, und gab ihr diese futuristische Form. Die klappbare Tür fungiert zugleich als ausfahrbare Treppe, die Wände baute man aus mit Glasfaser verstärkten Polyesterschalen, isoliert mit Polyurethan-Schaum. Wer genau hinschaut, erkennt 16 Kreissegmente mit 16 verglasten Fenstern, die einen Rundum-Blick liefern. Die Konstruktion ist zerlegbar und in zwei Tagen aufzubauen. Der Prototyp steht in Rotterdam. Rund 70 Modelle wurden damals von der finnischen Firma Polykemi Ltd. produziert und für 12.000 US-Dollar pro Stück in die ganze Welt verkauft.

Darüber hinaus ist das „Futuro“ eines der ersten serienproduzierten Kunststoffhäuser überhaupt und gilt als Vorreiter der heutigen Tiny Houses: Der Baukörper verfügt über einen Durchmesser von acht Metern und inklusive Stahlrohrgestell über eine Höhe von sechs Metern, mit rund 25 Quadratmetern Wohnfläche. So steht die rund 60 Jahre alte Zukunftsvision als Teil der „Neuen Sammlung - The Design Museum“ in direkter Nachbarschaft zur Pinakothek der Moderne im Kunstareal.

Nicht aus dieser Futuro-Baureihe stammend, aber dem gleichen Gedanken geschuldet ist ein Biwak, das der Münchner Tourenguide und Grönland-Experte Christof Woltersdorf in der Nähe von Sisimiut entdeckte. Sisimiut liegt an der Westküste und ist mit 5500 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Grönlands. Seit 2016 durchstreift Woltersdorf jährlich mehrere Monate Grönland, zu allen Jahreszeiten. Auf einer Skitour entdeckte er die als Biwak konzipierte Unterkunft auf ihren hohen Metallstelzen, rund 13 Kilometer vom Ort selbst entfernt. Einheimische und Gäste kennen die Tour als „Ufo-Hike“ oder „Ufo-Trail“und kommen im Winter auf Hundeschlitten hierher, im Sommer auf Schusters Rappen. Auf einem Plateau über dem Fjord gelegen, ist der Standort mit Bedacht gewählt. Hier in der Arktis hat man wohl weniger Angst vor Erdbeben, denn die real existierende tägliche Gefahr in der Wildnis ist: der Eisbär. „Die Einstiegsluke befindet sich in rund drei Meter Höhe mittig an der Unterseite und ist über eine schmale Leiter auf gut drei Metern Höhe zu erreichen“, berichtet Christof Woltersdorf. Hm, dass Eisbären gut klettern können, gilt als gesichert. Doch mit einer so schmalen Leiter dürften selbst sie sich schwer tun. Hoffentlich. „Innen ist das Biwak leer und man hört laut den Wind heulen“, erinnert sich der Tourenguide. Es bietet einen rudimentären Schutz vor Wetter, Wind und Kälte. Und einen umgreifenden Blick durch die durchgehende Panoramafront hinaus auf den Kangerluarsuk-Tulleq-Fjord und hinüber zu den hohen Bergen mit dem Aqqutikitsoq-Gletscher.

Es wirkt ein bisschen surreal, wie die stählerne Linse da im Nirgendwo auf ihren Stelzen steht, letztere fest mit Drahtseilen verspannt. Ursprünglich baute man das Biwak am Kangerluarsuk Fjord auf, ist nachzulesen, später wurde es per Helikopter hierher transportiert. Zuvor wurde die die Ufo-Hütte in den 1970ern als eine Art wissenschaftliches Projekt von Studenten geplant und errichtet. Heute steht die ungewöhnliche Hütte im Hinterland all jenen zur Verfügung, die hier nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst übernachten möchten. Bis zu 15 Menschen finden hier Platz. Womöglich werden diese aber kein Auge zutun, falls die Aurora Borealis wieder einmal die arktischen Nächte in leuchtende Farben taucht.                                                                  FRANZISKA HORN

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 07.09.2024

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