Das Studienangebot in Deutschland ist so vielfältig wie nie zuvor. Über 22.000 Studiengänge sind es aktuell, wobei neue Disziplinen sich oft speziell an den Anforderungen des heutigen Arbeitsmarkts orientieren. Fächerübergreifend dominierten bei der Wahl des Studiengangs, so das Statistische Bundesamt, die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften: 41 Prozent der Abschlüsse entfielen auf sie, dahinter folgten die Ingenieurwissenschaften mit einem Anteil von 25 Prozent. Weitere wichtige Fachrichtungen sind Mathematik und Naturwissenschaften (11 Prozent), Geisteswissenschaften (9 Prozent) und Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften (7 Prozent). Die restlichen Abschlüsse verteilen sich auf Sport, Agrar-, Forstund Ernährungswissenschaften, Veterinärmedizin sowie Kunst und Kunstwissenschaft. Viele dieser Studiengänge bieten Abschlüsse als Bachelor oder Master. Susanne Rosenstein (33) aus München hat beides. Einen Bachelorabschluss im Fach Soziologie und Politikwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München, gekrönt hat sie ihre Studienkarriere mit dem Masterabschluss in Public Health. Wobei der Masterabschluss für sie eher der Selbstorientierung diente.„Weil ich nach dem doch eher allgemeinen Bachelorstudium noch nicht genau wusste, in welche Fachrichtung ich gehen soll. Deshalb habe ich mich für den Masterabschluss und die Spezialisierung auf Public Health entschieden."
Der Bachelor ist für viele Studierende der "Türöffner“ zu beruflich anspruchsvollen Tätigkeiten. Es ist der erste akademische und berufsqualifizierende Grad, der nach einem drei- bis vierjährigen Studium erworben wird. Das Studium vermittelt Basiswissen und grundlegende Fähigkeiten in einem bestimmten Fachbereich, zum Beispiel in der Soziologie. Der Lehrplan umfasst in der Regel Vorlesungen, Seminare, praktische Übungen und manchmal Projekte oder Praktika. Das Studium wird mit einer schriftlichen Bachelorarbeit abgeschlossen. Der Bachelor schließt ab, je nach Fachrichtung als Bachelor of Arts (B.A.), Bachelor of Science (B.Sc.), Bachelor of Engineering (B.Eng.), Bachelor of Laws (LL.B.), Bachelor of Fine Arts (B.F.A.), Bachelor of Music (B.Mus.) und Bachelor of Education (B.Ed.).
Absolventen eines Bachelorstudiums können in ihrem Fachgebiet in entsprechenden beruflichen Einstiegspositionen beginnen. So ist zum Beispiel nach einem Studium der Betriebswirtschaft der berufliche Einstieg ins Controlling eines Unternehmens möglich. Für manche Berufe, vor allem in der Forschung, und für Führungspositionen reicht der Bachelorabschluss allerdings nicht aus. Hier wird meist ein vertieftes Spezialwissen verlangt, das im Masterstudium erworben wird.
Der Masterabschluss ist eine weiterführende Qualifikation. Um überhaupt im Master studieren zu können, ist ein Bachelorabschluss oder eine ähnliche Qualifikation zwingend. Der Master schließt mit dem Master of Science (MSc) oder Master of Arts (MA) und einer schriftlichen wissenschaftlichen Masterarbeit ab. Für das Masterstudium werden ein bis zwei Jahre Vollzeitstudium veranschlagt. Absolventen können in leitenden Positionen in der Industrie, der Forschung, im öffentlichen Sektor oder in Bildungseinrichtungen arbeiten. Für viele akademische und spezialisierte Forschungspositionen ist ein Masterabschluss eine grundlegende Voraussetzung. Für Susanne Rosenstein, die bei einem internationalen Unternehmen im Recruiting und im Personalwesen Verantwortung trägt, hat ein Studium zusätzlich einen unschätzbaren Vorteil.
"Man lernt sich selbst zu organisieren, lernt selbstständig zu arbeiten, weil man sich disziplinieren muss und für sich selbst verantwortlich ist." Im Prüfungsjahr 2024 haben, laut des Statistischen Bundesamtes knapp 511.600 Studierende und Promovierende erfolgreich ihr Studium an deutschen Hochschulen abgeschlossen. Fast die Hälfte aller Abschlüsse entfiel dabei auf den Bachelor, was rund 245.600 Examen bedeutet. Auch die Zahl der Masterabschlüsse stieg auf 149.300. Die Entwicklung, so das Statistische Bundesamt, bestätige den Trend, dass Bachelor und Master gegenüber anderen Abschlüssen die wichtigsten Rollen im deutschen Hochschulsystem spielen. BWL, Psychologie, Physik, Jura oder doch Medizin? Für viele Interessenten keine leichte Entscheidung angesichts der Zahl der möglichen Studienangebote. Hier kann unter anderem ein guter Studienwahltest hilfreich sein, etwa der von uniturm.de. Unter anderem unterstützt dieser bei der Studienorientierung und gibt entsprechend den jeweiligen Neigungen und Fähigkeiten eine Orientierungshilfe.
Rudi Kanamüller
Erschienen im Tagesspiegel am 21.11.2025