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Flossenbürger Granit: In Stein gehauen

LUFTAUFNAHME DER MARKANTEN GRANITKUPPE DES FLOSSENBÜRGER SCHLOSSBERGS MIT DEUTLICH SICHTBAREN GESTEINBÄNDERN UND DER DARÜBER THRONENDEN BURGRUINE. FOTO: MARGIT FRAUENREUTHER

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Flossenbürger Granit: In Stein gehauen

Flossenbürger Granit – einzigartige Textur, witterungsbeständig und vielseitig einsetzbar: Bedeutende Gebäude und Denkmäler auf der ganzen Welt werden mit dem einzigartigen Naturstein gebaut.

Schon seit dem 12. Jahrhundert verwenden Menschen den Flossenbürger Granit. Das belegt die um 1100 aus dem heimischen Stein erbaute Hohenstaufer-Burg, heute eine Ruine, die auf einer Anhöhe thronend dem Ort Flossenbürg seinen Namen gab und ein Wahrzeichen des Oberpfälzer Waldes ist. Damals wurde das Gestein lokal verwendet, ab dem 19. Jahrhundert für Architekturobjekte in zahlreiche Länger exportiert. Was kann dieser so besondere Stein?

Fragen wir den Diplom-Geologen Gerhard Lehrberger, Akademischer Direktor am Lehrstuhl für Ingenieurgeologie der TU München: „Der Flossenbürger Granit ist innerhalb Europas verbreitet und vor allem seine Gleichmäßigkeit in der Textur, die Verwitterungsbeständigkeit und die schöne blaugraue Färbung machen den Granit für Anwendungen im Außenbereich sehr geeignet. Im Innenbereich hingegen sind die gelblichen Varianten sehr geschätzt, die mit ihrem warmen Farbton ideal zu Holzmöbeln passen.“ Im vergangenen Jahr brachte Lehrberger ein gut 300 Seiten starkes Mammutwerk zur „Kulturgeologie und Geschichte des Flossenbürger Granits“ im Bodner Verlag heraus, das er mit zwei Co-Autoren verfasste. Worin für ihn die Faszination des Materials liegt? „In der Natur ist es die großartige zwiebelschalenartige Form der Granitkörper. Diese geht auf die Entstehung in zehn Kilometer Tiefe und die anschließende Heraushebung zurück. Beim Bauen und Gestalten mit Granit sind es die enormen Objektgrößen, die mit diesem Material möglich sind“, erklärt Lehrberger. Eine Luftaufnahme zeigt den zitierten Zwiebelschalenbau, deutlich erkennbar liegen hier die Schichten kuppelförmig übereinander, in hundertfach geschichteten Bänken von unterschiedlicher Dicke. Vor 310 Millionen Jahren entstanden, zeigt sich der Zweiglimmer-Granit aus dem Oberkarbon nicht nur witterungsbeständig, sondern verschleißfest, polierbar und gegen chemische und physische Aggressorien stabil. Weitere Qualitäten: „Neben seiner interessanten Körnung und dem Anteil an glitzerndem Hellglimmer hat er die Besonderheit, dass er in enormen Blockgrößen zu gewinnen ist, was vor allem für Denkmäler von großer Bedeutung ist. Man kann aus dem Granit Obelisken antiker Größe gewinnen.“

Das 1500-Einwohner-Dorf im Oberpfälzer Wald zählte einst 38 Steinbrüche und mehr, in diesen fand die Bevölkerung mittels harter körperlicher Arbeit eine sichere Ertragsquelle: Als Steinhauer und Steinbrecher, als Spalter, Schleifer, Polierer und Steinmetze. Der Stein diente für Mauersteine, Treppen, Tür- und Fensterumrahmungen, Gartenpfosten, Brunnen, Wassertröge und Krautfässer. Den größten Steinbruch am Schlossberg „unter dem Turm“ besaß 1865 Johann Georg Horn aus Vohenstrauß. Rund um die Weltwirtschaftskrise 1929 mussten jedoch alle Betriebe schließen. Auch für die spätere Ausbeutung von Zwangsarbeitern sind hiesige Steinbrüche wie der Wurmstein bekannt und berüchtigt. Das NS-Regime ließ den „deutschen Stein“ für seine Aufmarschplätze und Protzbauten abbauen, um das vermeintlich 1000-jährige Reich zu illustrieren, zum Beispiel das Nürnberger Reichsparteitagsgelände. Dafür errichteten die von der SS gegründeten Deutschen Erd- und Steinwerke (DESt) ab 1938 das Konzentrationslager Flossenbürg. „Die Gräuel der Unmenschlichkeit in den Jahren des NS-Konzentrationslagers stellen den absoluten Tiefpunkt in der Gemeindegeschichte dar“, heißt es im Buch. Mindestens 30.000 Häftlinge starben bis 1945. Auf dem Areal des ehemaligen Konzentrationslagers befindet sich heute eine Gedenkstätte.

Noch bis in die 60er-Jahre wurde Granit am Schlossberg gebrochen und weltweit exportiert. Billigimporte aus Asien führten ab den 70er-Jahren zum Niedergang. Heute steigt die Nachfrage nach hochwertigen Natursteinprojekten bei öffentlichen wie privaten Bauaufträgen wieder stark an: Der Naturwerkstein ist als Pflaster und Bodenbelag gefragt, als Grabmal, Naturwerkstein, Grenzstein, Fassade, für Skulpturen, Wannen und Brunnen.

FRANZISKA HORN

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 09.06.2024

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