Bauhaus. Wer kennt sie nicht, die 1919 von Walter Gropius gegründete Kunstschule in Weimar? Die Gestaltungsprinzipien des Bauhauses gehören bis heute zu den wichtigsten Botschaftern deutschen Designs. Damals eine Stilrichtung der Avantgarde, zählen die Bauhausmodelle heute als veritable Klassiker, deren Formensprache überall auf der Welt übernommen wurde und stetige Erfolge feierte - bis heute. Die übergreifende modernistische Strömung geht inhaltlich auf das Bauhaus zurück, weswegen der Ausdruck„Bauhaus“ häufig mit der Moderne in Architektur und Design gleichgesetzt wird.
Die Anfänge: Der flämisch-belgische Architekt und Designer Henry van de Velde und der in Berlin geborene Architekt Walter Gropius beabsichtigten eingangs, das Kunsthandwerk aufleben zu lassen und es im Rahmen der Architektur mit anderen Künsten zu verbinden. Auch modulares Bauen gehörte zur Agenda der Bauhausgründerschaft. Zu den Lehrern der neuen Bauhausschule zählten bekannte Namen wie Johannes Itten, Meister der Farb- und Farbtypenlehre, der Grafiker Gerhard Marcks, die Maler Paul Klee, Oskar Schlemmer und Wassily Kandinsky. Auch der niederländische Maler Theo van Doesburg prägte mit seiner geometrisch-abstrakten Malerei die Weimarer Gestaltungsbewegung.
Die Liste großer Namen setzte auch der als Farbflächenkomponist bekannte Josef Albers, bis heute ein Vorbild für Kunst und Design, fort. 1925 zog das Bauhaus nach Dessau um, hier entstanden die ersten Stahlrohrmöbel, entworfen vom ungarisch-amerikanischen Architekten Marcel Breuer. Seine Kollegen Mart Stam aus den Niederlanden und der in Deutschland geborene Luwig Mies van der Rohe erfanden die ersten Stahlrohrschwinger - bis heute wirken diese Modelle als Inbegriff guten Designs und werden vielfach eingesetzt. Marcel Breuer hatte ursprünglich eine Tischlerlehre am Bauhaus absolviert und arbeitete für Walter Gropius, bevor er sich selbstständig machte und 1933 wegen seiner jüdischen Abstammung in die USA emigrierte.
Seinem Schicksal ist der neue Hollywood-Streifen „Der Brutalist“ nachempfunden, der für mehrere Oscars nominiert wurde und im März 2025 tatsächlich drei der begehrten Goldjungs gewann. Heimlicher Hautdarsteller des Films ist das einprägsame Setdesign von Judy Becker, in weiteren "Nebenrollen: Stilmerkmale des Bauhauses, Marmor aus Carrara, wegweisendes Midcentury-Design. Auch die Biografien von Louis Kahn und Mies van der Rohe sollen Regisseur und Drehbuchschreiber Brady Corbett zu seiner Hauptfigur inspiriert haben.


Zurück zu Marcel Breuer: Schon während seiner Ausbildung zum Tischler entwarf er wegweisende Modelle, die früh eine eigene Systematik zeigten, indem er meist gleichartige, nur geringfügig variiierte Einzelteile verbaute. Sein„Clubsessel B3“ (auch „Wassily“ genannt) aus verschraubtem Stahlrohr - die Idee hierzu holte er sich aus dem Fahrradbau-gilt heute als Designklassiker. Das Gestell gleicht einem quadratischen Gerüst, das mit unterschiedlich breiten Streifen aus Stoff oder Leder bespannt ist.


Die Firma Knoll legte nun drei neue Oberflächen für Modelle aus der Bauhausära auf: So sind nun der „MR Stuhl" und die „MR Tische“ von Ludwig Mies van der Rohe in Weiß, Schwarz und Dunkelrot zu haben, ebenso der „Wassily Sessel“ und die „Laccio Tische“ von Marcel Breuer. Die dunkelrote, ultramatte Oberfläche inspiriert sich an einem Farbton, der aus den Bauhausarchiven stammt und bereits damals Verwendung fand. Jonathan Olivares, Senior VP of Design von Knoll, erklärt: „Als diese Stühle zum ersten Mal in den Werkstätten in Deutschland hergestellt wurden, waren ihre Rahmen lackiert, sodass wir auf einen Präzedenzfall zurückgreifen konnten, der uns die Freiheit gab, die Farbe zu ändern. Wenn wir die röhrenförmigen Strukturen in Weiß, Schwarz und Rotsehen und die Art und Weise, wie diese Farben mit den Sitzflächen und Rückenlehnen interagieren, verändert sich unsere Wahrnehmung des Werks völlig und lässt uns es mit neuen Augen sehen.“
FRANZISKA HORN
Erschienen im Tagesspiegel am 07.06.2025