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Es muss nicht die Wiesn sein

Die Nummer 2 nach der Wiesn, was die Größe betrifft, aber entspannter: Das Gäubodenfest in Straubing beginnt dieses Jahr am 7. August. Die Maß kostet 13,30 Euro und die größte Geisterbahn der Welt hat ihr Kommen angesagt. Foto: Straubinger Ausstellungs- und Veranstaltungs-GmbH

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Es muss nicht die Wiesn sein

Gefeiert wird nicht nur auf dem Oktoberfest – in Bayern gibt es eine vielfältige und oftmals entspanntere Volksfestkultur

Zwei Dinge bewegen die Gemüter zur Volksfestzeit: Wieviel Schläge braucht XY beim Anzapfen und wie hoch ist der Bierpreis? Bei Letzterem war das Dachauer Volksfest zumindest bislang nahezu unschlagbar. Lange Zeit galt hier die Zehn-Euro-Marke für die Maß im großen Festzelt als Schallmauer, die jedoch im vergangenen Jahr zum Leidwesen der Gerstensaftfreunde erstmals geknackt wurde. Im Vergleich zum Münchner Oktoberfest ist der Preis von etwas über zehn Euro freilich immer noch moderat, was den Bekanntheitsgrad des Dachauer Volksfests weit über die Stadtgrenzen hinaus steigerte. Es gilt als gelungenes Zusammenspiel von Festzelten, Fahrgeschäften, verlockenden Schaustellerbuden und Köstlichkeiten. Heute verbinden Volksfeste Tradition (Trachtenumzüge, Fahrgeschäfte) mit moderner Technik und sind bei vielen ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Kalenders.

Die Berch ist älter als die Wiesn

Das Oktoberfest in München mag zwar größer und berühmter sein, aber älter und zwar ganze 55 Jahre – ist die Erlanger Bergkirchweih („Berch“) im Frankenland und auch „viel gemütlicher“, wie Insider schwärmen. Sie gilt als eines der schönsten und ältesten Volksfeste der Welt! Mit ihrem Charme und ihrer Atmosphäre zieht sie Klein und Groß gleichermaßen in ihren Bann. „Der Berg ruft!“ heißt es alle Jahre wieder zu Pfingsten in Erlangen, wo die Bergkirchweih am Gelände rund um den Burgberg alljährlich rund eine Million Besucherinnen und Besucher anlockt. Am letzten Tag wird die Bergkirchweih traditionell mit dem sogenannten „Bierbegräbnis“ beendet. Weithin bekannt ist auch das Kiliani-Volksfest im unterfränkischen Würzburg, das dem heiligen Kilian und Schutzpatron der Stadt gewidmet ist. Laut Überlieferung ein irischer Bischof, dessen Namenstag am 8. Juli mit dem traditionellen Kiliani-Volksfest gefeiert wird.

Rund eine Million Besucher vergnügen sich jährlich auf der Erlanger Bergkirchweih. Foto: ETM/Florian Trykowski
Rund eine Million Besucher vergnügen sich jährlich auf der Erlanger Bergkirchweih. Foto: ETM/Florian Trykowski

Die Geschichte der Volksfeste in Bayern reicht von mittelalterlichen Kirchweihen (Dulten) und Märkten bis zu modernen Großveranstaltungen. Ursprünglich oft religiös oder landwirtschaftlich geprägt, entwickelten sie sich im 19. Jahrhundert zu gesellschaftlichen Ereignissen mit Fahrgeschäften und Festzelten. Soziologen sehen hierin eine Stärkung des Gemeinschaftsgefühls und der lokalen Kultur. Viele Feste haben Wurzeln in Jahrmärkten oder Kirchweihen, zum Beispiel die Auer Dult in München (über 700 Jahre Tradition) oder das Lullusfest in Bad Hersfeld (seit 852). Die Entwicklung zeigt einen Wandel von lokalen, oft bäuerlich geprägten Feiern hin zu kommerziellen Freizeit-Events. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kamen vermehrt Schausteller, Karussells und Bierzelte hinzu. Volksfeste dienten als Treffpunkt aller Schichten und boten Vergnügen, Handel und Brauchtumspflege.

Zu den größten und bekanntesten Volksfesten Bayerns zählt das Gäubodenfest in Straubing in Niederbayern mit circa 1,5 Millionen Besuchern. Der Gäuboden mit seinen fruchtbaren Böden gilt gemeinhin als die Kornkammer Bayerns. König Maximilian I. hat das Volksfest 1812 als Landwirtschaftsfest ins Leben gerufen; seit 1949 heißt es „Gäubodenvolksfest“ und findet seit 1962 jedes Jahr statt. Es besteht aus Kirmes mit mehreren Festzelten und vielen Fahrgeschäften sowie einer Landwirtschaftsschau, allseits bekannt als Ostbayernschau. Seit 2012 gibt es auch einen nostalgischen Bereich mit historischen Fahrgeschäften und Attraktionen. Typisch für das Gäubodenfest in Straubing ist, dass hier eine gehobene Trachtenkultur gepflegt wird, auf die man in dieser Region großen Wert legt. Das elftägige Fest beginnt am Freitag vor Mariä Himmelfahrt und wird mit einem großen Festzug eingeläutet.

Dult und Plärrer

Als Besuchermagnet gilt auch die Regensburger Dult in der Oberpfalz, die zweimal jährlich (Mai- und Herbstdult) am Protzenweiher im Stadtteil Stadtamhof stattfindet. Das zweiwöchige Volksfest ging aus mittelalterlichen Jahrmärkten hervor. Es bietet eine Mischung aus Festzelten, Fahrgeschäften und einer großen Warendult, auf der es von Gewürzen über den Kochtopf bis zu Hemd und Hose alles zu kaufen gibt. Kulinarische Angebote findet man bei Fischbratereien, an Imbissständen und in den Bierzelten bei Live-Musik. In die Reihe passt auch der Augsburger „Plärrer“; mit mehr als einer Million Besuchern das größte Volksfest in Bayerisch-Schwaben. Nachdem der Lärm rund um Schiffsschaukel und Schießstand zunehmend die Bürger störte, beschloss die Stadt im 19. Jahrhundert, das „Geplärre“ von der Innenstadt auf den Kleinen Exerzierplatz zu verlegen. Heute gibt es dort den „Plärrer“ im Frühjahr (ab Ostersonntag) und Spätsommer (ab Ende August) für jeweils zwei Wochen. Bertolt Brecht hat dem Volksfest das sogenannte „Plärrerlied“ gewidmet.

Paul Kannamüller

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 09.05.2026

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