Nicht nur der Verschleiß von Gelenken zählt zu den häufigsten Krankheitsbildern in der zweiten Lebenshälfte, sondern auch Osteoporose. Allein in Deutschland sind knapp acht Millionen an Osteoporose erkrankt, 85 Prozent davon sind Frauen. Eine unheilvolle Kombination, insbesondere wenn etwa ein Hüft- oder Kniegelenk so stark durch eine Arthrose beeinträchtigt ist, dass ein künstlicher Gelenkersatz erwogen wird. Denn eine Endoprothese muss fest im Knochen verankert sein - und hierfür ist eine gute Qualität der Knochen Voraussetzung. Liegt eine Osteoporose vor, fehlt es den Knochen jedoch an Dichte und Festigkeit: Die Mikroarchitektur des Knochens hat sich verändert, sodass er immer instabiler wird. Im Extremfall ist der Knochen so weich und porös, dass er ohne nennenswerte äußere Einwirkung bricht. Häufig lenkt eine solche Fraktur überhaupt erst den Blick auf eine bestehende Osteoporose: Da sich die Erkrankung schleichend entwickelt und lange Zeit keine Symptome verursacht, wissen die Betroffenen meist nichts davon.
Osteoporose ist eine Systemerkrankung, die das gesamte Skelett betrifft. Dieser Umstand ist vielen gar nicht bewusst, vermutlich auch deshalb, weil beim gängigen bildgebenden Verfahren zum Nachweis einer Osteoporose, der sogenannten DEXA-Methode, die Knochendichte üblicherweise an der Lendenwirbelsäule und am Oberschenkelhals, in Ausnahmefällen auch am Handgelenk gemessen wird. Außerdem denken bei einem osteoporosebedingten Knochenbruch viele eher an einen Wirbelkörper oder Handgelenksbruch. Letztlich ist es jedoch so, dass jeder einzelne Knochen des Körpers geschwächt ist, also eben auch die Knochen, die an den Gelenken beteiligt sind, etwa die Knochen des Knie- oder Hüftgelenks. Dies gilt es zu beachten, wenn die Implantation eines künstlichen Gelenkersatzes im Raum steht. Denn durch die geschwächte und poröse Mikroarchitektur des Knochens hält die Prothese schlechter, wächst schwerer ein und der Knochen ist bei Einsatz eines künstlichen Gelenkes, meist für viele Jahre, deutlich stärker bruchgefährdet! So ein Bruch um die Prothese, der oft schon wenige Tage bis Wochen nach dem Eingriff passieren kann, bedeutet eine erneute aufwändige Operation, häufig verbunden mit einem Wechsel von Prothesenbestandteilen und Stabilisierung der Knochenbruchstücke. Dies gilt es zu vermeiden und damit das Risiko zu senken.
Um das Implantat bestmöglich im osteoporotischen Knochen zu verankern, verwenden wir an der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Barmherzige Brüder Krankenhaus München sehr früh über Knochenzement fixierte und etwas weiter in den Knochen hineinreichende Implantate. Beim Knochenzement handelt es sich um einen speziellen Kunstharzzement, der rasch aushärtet und biologisch gut verträglich ist. Eine zementierte Endoprothese bietet bei einer verminderten Knochenqualität eine viel verlässlichere Verankerung als eine zementfreie Endoprothese, die direkt im Knochen fixiert wird und in den Knochen einwachsen muss. Durch den Knochenzement besteht sofort nach der Operation eine feste Verbindung zwischen der Endoprothese und dem Knochen. Wie schon erwähnt: Die Gefahr, dass es im Laufe der Jahre nach dem Eingriff zu einem Knochenbruch um eine Prothese kommt, ist und bleibt deutlich geringer bei einem zementierten künstlichen Gelenkersatz an der Hüfte als bei der zementfreien Variante.
Wichtig ist generell, dass sich die Patienten an eine Klinik wenden, deren Operateure über große Erfahrung und die notwendige fachliche Kompetenz verfügen, um mit allen etwaigen Widrigkeiten angemessen und patientenorientiert umgehen zu können. Schon bei jeder Routineoperation kann etwas Unvorhergesehenes passieren, das gilt umso mehr, wenn gleichzeitig eine Osteoporose besteht. Deshalb muss gewährleistet sein, dass das OP-Team die nötige Expertise hat, in jeder Phase des Eingriffs umgehend adäquat reagieren zu können. Mindestens ebenso wichtig ist es, dass sämtliche notwendigen Implantate bereitgehalten werden, damit auch wirklich jeder einzelne Fall und jede Komplikation gut und individuell abgestimmt behandelt werden kann. Diese Voraussetzungen sind erfüllt, wenn die Klinik als Endo Prothetik Zentrum der Maximalversorgung, kurz EPZmax, zertifiziert ist.
Alle zertifizierten Kliniken werden auf der Website des Endoprothesenregisters Deutschland (EPRD) veröffentlicht. Diese Kliniken liefern außerdem regelmäßig Daten, die dann vom Register eingehend und unabhängig geprüft werden. Das Endoprothesenregister Deutschland ist Europas größtes medizinisches Register für Hüft- und Knieendoprothetik und hat sich bestens bewährt. So lassen sich aus den gesammelten Registerdaten eine Vielzahl an verlässlichen Informationen gewinnen, etwa zur Altersverteilung und Vorerkrankungen der Patientinnen und Patienten oder zu den Gründen für Wechseloperationen sowie zur Haltbarkeit der Implantate. Auch zu den Fallzahlen sowie zur Komplikationsrate der einzelnen Kliniken gibt das EPRD Auskunft. Dabei hat sich gezeigt: Kliniken mit hohen Fallzahlen weisen auch deutlich niedrigere Versagerquoten auf.
Und speziell zum Zement: Wir versorgen über 50 Prozent unserer Patienten mit zementierten Hüftprothesen, während dies andere Kliniken in Deutschland in nur etwa 20 Prozent der Fälle machen. Die Bruchrate in unserer Klinik ist dafür erwiesenermaßen auch deutlich geringer, was unser konsequentes und konservatives Vorgehen bestätigt.

Professor Dr. Johannes Beckmann ist Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Barmherzige-Brüderkrankenhauses München und zudem am orthopädischen Lehrstuhl der Universität Regensburg habilitiert. Als aktives Mitglied u. a. in den Präsidien Mitglied u. a. in den Präsidien der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik (AE), der Deutschen Kniegesellschaft (DKG) und der European Knee Society (EKS) wirkt er u. a. an der Überarbeitung von AWMF Leitlinien mit, etwa zur Gonarthrose oder der Femurkopfnekrose.
Erschienen im Tagesspiegel am 28.06.2025