Laminat kennt man eigentlich vor allem von Bodenbelägen, die lange ein gewisses Image-Problem hatten: zu billig, zu wenig chic. Das hat sich inzwischen geändert. Hochwertige Laminatböden können in Optik und Qualität längst mithalten und verleihen einem Raum im besten Fall einen ausgesuchten Look. Bei Möbelstücken verhält sich das ähnlich.
Exemplare aus Laminat waren schon mal richtig en vogue. Vor allem in den 1980er-Jahren, als das Memphis-Design plötzlich weltweit zum bestimmenden Interior-Trend wurde. Bunt, frech und kühn gezeichnet waren die Teile, die bald nicht nur Design-Nerds sondern auch die Käufer im Möbelhaus begeisterten.
Aufgrund der Besonderheit tat man gut daran, nicht unbedingt einen ganzen Raum damit auszustatten, aber mit exponierten Stücken hatte man sich auf jeden Fall einen angesagten Hingucker geschaffen. Im Zuge von Skandi-Style und Minimalismus verschwanden die hübschen bis schrillen Möbel aus den Wohnungen, erleben jetzt aber wieder ein kleines Comeback. Influencer präsentieren stolz ihre Flohmarktstücke, Originale erzielen bei Auktionen Höchstpreise und der ein oder andere Hersteller legt Kollektionen neu auf oder wagt sich sogar an neue Entwürfe. Im Grunde ist Laminat die Verbindung von Papier mit Kleber. Das klingt erstmal nicht sehr wertig, doch das Herstellungsverfahren wird von den Anbietern ständig optimiert. Führend dabei ist zum Beispiel die italienische Firma Abet Laminati, die schon in den 1960er-Jahren damit begonnen hat, das Material zu entwickeln, und es gleichzeitig geschafft hat, berühmte Designer von den Ausdrucksvarianten zu überzeugen, die das Laminat ermöglicht. Egal ob Vintage-Klassiker, Neuerwerbung oder als Gebrauchsmöbel in der Küche: Mit ein wenig Pflege mit weichem Tuch und milder Seifenlauge wird man lange Freude an seinen Stücken haben.
KAI-UWE DIGEL
Erschienen im Tagesspiegel am 07.10.2025