Wenn ein geliebter Mensch stirbt, halten sich viele Hinterbliebene zunächst einmal an den Dingen fest, die geregelt werden müssen. Meist sind sie dabei in einem emotionalen Ausnahmezustand, „funktionieren“ vor allem. Die wirkliche Trauer und die Bewusstwerdung darüber, dass der Verstorbene nicht mehr da ist und der damit verbundene Schmerz stellen sich meist später ein. Wohin dann mit der Trauer?
Vielen Menschen hilft dann ein Ort, meist das Grab des Verstorbenen. Ein Ort, an dem sie in stille Zwiesprache mit dem Toten treten und Dinge verrichten können, die sie für den Verstorbenen noch tun können und möchten: Einen Blumenstrauß aufstellen, das Grab saisonal bepflanzen, eine Kerze anzünden, ein selbstgemaltes Bild oder ein Foto ablegen, eine kleine Figur mitbringen oder einfach etwas Unkraut zupfen und Erde vom Grabmal entfernen. Diese größeren und kleineren Tätigkeiten sind mehr als nur Symbolik. Sie helfen Trauernden in der ersten, schweren Phase des Verlustes oftmals ganz besonders. Abgeschirmt vom Alltagsumfeld können sich Trauernde an diesen Ort zurückziehen, ganz bei ihrer Erinnerung und Trauer sein. Da stört kein Telefon, kein Auto, kein Klingeln an der Haustür, keine E-Mail oder Lärm.
Rückzugsmöglichkeit und Ritualpflege: Ein Grab erfüllt mehrere Aufgaben
Der Besuch des Grabes ist Hilfe und Unterstützung, er kann Kraft geben und er hilft, sich Schritt für Schritt von einem lieben Menschen zu verabschieden. In der Kürze der Zeit bis zur Beisetzung ist dies oft nicht möglich, gerade wenn man viele Jahre Tag für Tag zusammen verbracht hat. Das Loslassen und die Trennung brauchen Zeit und einen festen Ort. Sie sind die Anker für die Hinterbliebenen.
Ein Grabmal macht den Erinnerungsort individuell und persönlich. Hier sind der Name, die Lebensdaten und meist noch eigens ausgesuchte Widmungen festgehalten. Ein Steinmetz-Handwerksbetrieb bietet die passende Beratung und Umsetzung der Wünsche.
Nicht selten geht der Wahl des Natursteins und der Gestaltung des Grabmals ein langes Vorgespräch voraus, in dem der Hinterbliebene seine Wünsche und Gefühle äußert. Aufgabe der Steinmetzmeisterinnen und -meister sei es, so der Bundesinnungsbervand des Deutschen Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerks, diese aufzugreifen und Vorschläge für die Umsetzung in die Praxis zu machen. Dabei sei vieles möglich, was oft nicht bekannt ist. Dies beginne bereits bei der Natursteinauswahl.
Erschienen im Tagesspiegel am 05.02.2025