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Ein Naturjuwel in der Stadt.

Die Mangfall wurde aus ihrem engen Korsett befreit und bietet Flora und Fauna wertvollen Lebensraum.    Foto: Andreas Friedrich

Heimatszene

Ein Naturjuwel in der Stadt.

Die Mangfall in Rosenheim ist nach der Renaturierung wieder eine ökologische Oase

"Innspiration“ hieß das Motto der Landesgartenschau in Rosenheim im Jahr 2010 in Anspielung auf den Inn, den mächtigen Alpenstrom. Doch auch die Mangfall stand im Fokus und seit der Gartenschau wurde das Gewässer stärker in die Stadt integriert. Alpenflüsse sind komplexe Lebensräume und zugleich sensible Spannungsfelder zwischen Natur, Technik und menschlicher Nutzung. Die Mangfall entspringt am Tegernsee und legt rund 58 Kilometer zurück, bevor sie in Rosenheim in den Inn mündet. Ihr Name kommt vom althochdeutschen "manachfalta“, was "mannigfaltig“ bedeutet, in Anspielung auf die vielen Arme und Windungen des Gewässers in alten Zeiten.

Als Gewässer erster Ordnung liegt die Betreuung der Mangfall beim Wasserwirtschaftsamt Rosenheim. Behördenleiter Tobias Hafner berichtet, dass der Fluss früher nicht zuletzt für die Holztrift begradigt und in ein schmales Korsett gezwängt wurde. Das war auch einer der Gründe für das Jahrhunderthochwasser 2013. Hafner spricht sogar von einem Schadenspotenzial der Mangfall in Milliardenhöhe.

Die staatlichen Hochwasserschutzprojekte greifen seit dem Jahr 2000. Renaturierungsmaßnahmen ermöglichen dem Fluss wieder mehr natürliche Dynamik. Deichrückverlegungen weiten den Flussraum auf. Man lässt Uferabbrüche und Steilufer wieder zu. Es entstehen Kiesbänke und Flachwasserzonen und die Auwälder sollen nicht nur erhalten bleiben, sondern sich auch weiterentwickeln. 

Ein Schwerpunkt der Eingriffe in Flusslauf und Ufer liegt in der ökologischen Durchgängigkeit. Lange Zeit behinderten hohe Sohlschwellen die natürliche Fischwanderung. In den letzten Jahren wurden diese Hindernisse durch naturnahe Rampen ersetzt, etwa auf einer Länge von 400 Metern oberhalb des Turnerstegs. Zwischen Steinriegeln entstehen Ruhezonen, die Fischen auch bei Niedrigwasser das Aufsteigen ermöglichen. Durch gezielte Uferaufweitungen und das Einbringen von Totholz schafft man unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeiten – ein Muss für ein gesundes Ökosystem. Über 75 Brutvogelarten gibt es im Stadtgebiet an der Mangfall. Typische Bewohner sind etwa die Wasseramsel, die im klaren, sauerstoffreichen Wasser nach Nahrung taucht, oder seltene Kiesbrüter wie der Flussuferläufer, der auf offene Kiesflächen angewiesen ist.

Konfliktfeld Naturschutz

Der Mangfallabschnitt bei Oberwöhr gehört zu den ökologisch wertvollsten Bereichen im Rosenheimer Stadtgebiet. Besonders prägend ist hier ein natürlich entstandenes Steilufer, das in Kombination mit Kiesbänken, Auwaldresten und strömungsreichen Flachwasserzonen einen außergewöhnlich artenreichen Lebensraum bildet. Das Steilufer bietet Vogelarten wie dem Eisvogel Bruträume, die in regulierten Flusslandschaften selten geworden sind. Die auffällig blauorange gefärbte Art gilt als gefährdet, findet an der Mangfall jedoch ein geeignetes Revier. 

Auch unter der Wasseroberfläche zeigt sich die ökologische Bedeutung des Abschnitts, besonders für sogenannte Kieslaicher wie die seltene Nase, die Äsche und die Bachforelle. Auch der Huchen (Bayerischer Fisch des Jahres 2025) findet in der Mangfall wieder einen Lebensraum, wird jedoch durch Müll und Fressfeinde weiterhin bedroht.

Trotz der positiven Entwicklung bleibt das Gebiet empfindlich. Das Steilufer zeigt, wie eng Naturschutz und Naherholung miteinander verflochten sind, denn die Brutplätze des Eisvogels reagieren sensibel auf Störungen, daher sind Hinweisschilder und Schutzmaßnahmen notwendig.

Die Steilufer der Mangfall bieten dem Eisvogel sichere Bruträume.    Foto: Adobe Stock
Die Steilufer der Mangfall bieten dem Eisvogel sichere Bruträume.    Foto: Adobe Stock

Der ökologische Zustand bleibt weiter Streitpunkt: So weist der Bund Naturschutz darauf hin, dass Wasserkraftnutzung und Wasserableitungen den Flusspegel stark beeinträchtigen. Besonders problematisch seien niedrige Restwassermengen, die Lebensräume einschränken und die Durchgängigkeit für Fische behindern. 

Die Mangfall zeigt beispielhaft, wie schwierig das Zusammenspiel von Stadt und Natur ist. Einerseits braucht es Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung, andererseits verlangt ein funktionierendes Ökosystem Raum, Wasser und Dynamik. Die Mangfall ist heute ein Vorzeigeprojekt für modernes Wassermanagement: Sicher für die Menschen, wertvoll für die Natur und ein unverzichtbarer Erholungsraum direkt vor der Haustür.



Andreas Friedrich

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 20.06.2026

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