Wenn Potentaten oder reiche Männer ihrer verstorbenen W Gemahlin posthum eine letzte Liebesbotschaft hinterlassen möchten, entstehen wie mit dem Taj Mahal in Indien oder dem Soumaya-Museum in Mexiko-City mitunter einzigartige, monumentale Bauwerke. Der mexikanische Telekommunikationsunternehmer und Milliardär Carlos Slim ist der reichste Mann des Landes und zählt zu den reichsten Menschen des Planeten. Nach dem Tod seiner Frau Soumaya ließ er 2011 seinen Ex‑Schwiegersohn, den international renommierten Architekten Fernando Romero, inmitten von Mexiko-Citys nobelstem Viertel Polanco ein Kunstmuseum für seine umfangreiche Sammlung bauen. Es ist Teil eines großflächig angelegten Stadtentwicklungsprogramms in dem Viertel und zugleich ihr ikonischer Mittelpunkt.
Der Eintritt ist gratis
Das Museum, dessen Baukosten sich auf rund 35 Millionen Dollar beliefen, schenkte Carlos Slim der Stadt und verfügte, dass der Eintritt kostenlos bleibt. Die einzigartige private Kunstsammlung mit 66 000 Exponaten umfasst Werke berühmter europäischer Künstler wie Monet, Renoir, Picasso, van Gogh, Dalí oder Miró. Carlos Slims Lieblingskünstler ist aber der französische Bildhauer Auguste Rodin, von dem er die weltweit zweitgrößte Sammlung besitzt. Im obersten Geschoss des Museums ist sie in einer multifunktionalen Galerie ausgestellt. Das Museum selbst ist mit seiner kurvigen, um die eigene Achse rotierenden Form Skulpturen Rodins nachempfunden und ragt rund 50 Meter in die Höhe. Verkleidet wurde das avantgardistische, skulpturale Bauwerk mit 17 000 wabenartigen Aluminiumplatten, die von außen einer Reptilienhaut ähneln. Je nach Tageszeit und Lichteinstrahlung schimmern die aufgebrachten Aluminiumplatten in unterschiedlichen Schattierungen und reflektieren Himmel und Wolken.
Wegweisende Architektur

Foto: Pixabay

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Öffnungen nach außen gibt es – bis auf den versteckt liegenden, kleinen Eingang - keine. Der Aufwand für Haltbarkeit und Pflege des Gebäudes wurde durch die geschlossene Außenhaut minimiert.
Die Konstruktion selbst setzte neue Maßstäbe für die internationale Architektur. 28 in Größe und Form unterschiedliche, gekurvte Stahlsäulen werden durch sieben Ringe stabilisiert. Sie bilden die einzelnen Ebenen der sechs Geschosse des Museums, die durch schräge Rampen miteinander verbunden sind. Die einzelnen Sammlungen sind großzügig auf rund 6000 Quadratmetern untergebracht, die durch das Gebäude mäandernden Wege erschlossen sind. Überall entstanden Plätze zur Kommunikation. Neben den Ausstellungsbereichen wurden auch ein Auditorium mit 350 Plätzen sowie eine Bücherei, ein Museumsshop, ein Restaurant, eine Mehrzwecklounge und Verwaltungsbüros in dem Gebäude untergebracht. Das Museum wurde zur einer Institution für Kultur und Begegnung. Programme zu Kultur und Geschichte Mexikos sollen das kulturelle Selbstverständnis des Landes fördern.
Ikone der Stadt

Foto: Pixabay

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Der Architekt Fernando Romero, der aus einer mexikanischen Architekten-Dynastie stammt und mit einer Tochter von Carlos Slim verheiratet war, arbeitete, bevor er sich selbstständig machte, für das Büro des renommierten niederländischen Architekten Rem Kohlhaas. 1999 erregte er mit dem Bau des Konzertgebäudes Casa de Musica im portugiesischen Porto erstmals international Aufsehen. Die New York Times listete es als eines der wichtigsten Konzertgebäude der letzten hundert Jahre. Seitdem entwarf er vor allem in Lateinamerika zahlreiche Großprojekte, darunter die internationalen Flughäfen in El Salvador und in Mexiko-City und das „G-20 Convention Center“, das über eine Kapazität für 6500 Menschen verfügt. Mit dem Soumaya-Museum hat er seiner Heimatstadt ein ikonisches Denkmal gesetzt, das zu einem Magneten für Architektur-Liebhaber aus aller Welt wurde. Woflram Seipp
Erschienen im Tagesspiegel am 07.02.2026