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DIE SCHWABEN MACHEN ES VOR

ZUR STRASSE HIN BEHIELT DAS HAUS DAS ERSCHEINUNGSBILD EINES BÄUERLICHEN NUTZGEBÄUDES. FOTOS: ATELIER FLORIAN STOCKER

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DIE SCHWABEN MACHEN ES VOR

DAS MINIMALHAUS IN LEUTENBACH beweist, dass ein Eigenheim auch heutzutage erschwinglich sein kann

Hausbau ist hierzulande nur etwas für Betuchte. Nicht nur, weil Grundstücke rar sind und horrende Summen kosten, sondern weil immer nur hochwertig und luxuriös gebaut wird. Kaum ein Architekt oder Handwerksbetrieb will sich auf eine günstige Variante einlassen. Und so wird hier zu Höchstpreisen für die Ewigkeit gebaut, obgleich die Zeit bis zum Abriss immer kürzer wird. Wenn die Wohnungsnot in Deutschland überwunden werden soll, ist daher ein Umdenken nötig, damit mehr Privatinitiative auf dem Wohnungsmarkt für Entlastung sorgen kann. Und günstiges Bauen ist möglich. Inzwischen gibt es viele Beispiele guter Architektur, die trotz niedriger Kosten keinesfalls billig daherkommt.

Das Remshalder Architekturbüro Florian Stocker ließ sich auf einen solchen Auftrag ein und baute vor einigen Jahren in Leutenbach bei Stuttgart ein Minimalhaus für 193.000 Euro, sogleich mit der Auszeichnung „Beispielhaftes Bauen bedacht. Das Grundstück von 260 Quadratmetern kostete 90.000 Euro und wurde für 12.000 Euro erschlossen. Zusammen mit den Planungskosten von 42.000 Euro ergab sich eine Bruttosumme von 337.000 Euro. Das ist im überteuerten Großraum Stuttgart ein Schnäppchen.

Nutzfläche von 220 Quadratmetern

Die bebaute Fläche von 120 Quadratmetern lässt immerhin noch eine Gartenfläche von 140 Quadratmetern übrig. Die Nutzfläche des Hauses beträgt 220 Quadratmeter, davon 160 beheizt, den Rest machen Garage im EG und der Balkon im ersten Obergeschoss aus. Die Anordnung des alten Bauernhofes wurde erhalten, sodass ein Teil der Bausubstanz des Vorgängerbaus genutzt werden konnte, wobei insgesamt der rurale Ortscharakter erhalten werden konnte. Verbaut wurden hier industrielle Materialien und Betonhalbfertigteile, ferner Abbruchmaterial des Vorgängerbaus, Abfallmaterialien und Industrieschrott. So entstand ein „leichtes, offenes und reduziertes Haus“ - ein Minimalhaus eben. Ein wesentliches Einsparpotenzial entstand durch das Prinzip Rohbau-Ausbau. Das tragende Betonskelett aus Halbfertigteilen wurde sorgfältig aneinandergefügt, sodass Decke, Stützen und Wände in Sichtbetonqualität verblieben. Nur die Fugen mussten vergossen werden. Der gaubenartige Vorbau besteht aus einer sichtbaren Stahlkonstruktion. Die Hülle auf Straßenebene behielt in Form von Schwartenbrettern (sonst Abfallbretter für Hackschnitzel und Brennholz) eine raue, natürliche Qualität. In den Obergeschossen kamen als Hülle für Wand- und Dachflächen Blechsandwichelemente aus dem Hallenbau ohne weitere Bekleidung zur Anwendung. Als Unterkonstruktion für das per Terrassentür und Außentreppe erreichbare Holzdeck auf der Südseite - darunter ein Autostellplatz - stand eine ausgemusterte Maschinenbühne des Bauherrn zur Verfügung. Die Stahlbrüstung erhielt ein leichtes, spielerisches Stabwerk.

Offener Grundriss

Der Ausbau ist in wenigen Worten in der Webpräsentation des Architekten beschrieben: „Geländer und Treppen wurden auf ein konstruktives, rohes Minimum begrenzt. Auch hier wurden Stahlbetonfertigteile eingesetzt in Verbindung mit rohen Edelstahlrohren. Wände wurden nur in Ebene 2 eingebaut.“ Dort befinden sich zwei Schlafzimmer und ein Bad. Die Grundrisse sind sonst offen. Auf Ebene 1 mit Küche, Wohn- und Essbereich ist nur noch die Gästetoilette abgetrennt.

Zum energetischen Konzept: Beheizt sind die Wohnräume auf den Ebenen eins bis drei. Ebene null mit Garage und Betriebsräumen ist lediglich temperiert. Das Gasbrennwertgerät als Heizung ist mit einem wasserführenden Kaminofen kombiniert. Da das Budget noch nicht aufgebraucht war, konnte eine per Kaminofen gespeiste Fußbodenheizung und eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung ergänzt werden. Dank der Stahl- und Betonkonstruktion konnten große Fenster und Glasflächen nach Süden eingebaut werden, die solare Energiegewinne ermöglichen. Die Elektrik ist in Kabelkanälen aufwändig geführt. Die Beschattung ist innen angebracht, wird im Sommer aber teils auch von der mächtigen Eiche im Garten übernommen. Die Natursteine zur Gartengestaltung stammen aus dem Stallgeschoss des abgebrochenen Bauernhauses.                               REINHARD PALMER

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 07.12.2024

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