


Seit über einem Vierteljahrhundert prägen die Neuen Werkstätten die Münchner Designlandschaft als Einrichtungshaus, als kreativer Ort und als Bühne für internationale Gestaltungskultur. Nun hat sich das Traditionshaus nochmal neu erfunden und präsentiert mit seinem neuen Showroom - gestaltet vom Mailänder Designduo Studiopepe ein Next-Level-Einrichtungserlebnis. Zugleich verstehen sich die hell und offen gestalteten neuen Wohnwelten als Ort der Begegnung, des Austauschs und der Inspiration.
Transformation
Interessant ist ein Blick in die Vergangenheit, denn die Neuen Werkstätten sind quasi eine Ur-Münchner Institution. 1898 gründeten sich in München und Bremen die „Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk“, ein Zusammenschluss von Architekten, Künstlern und Handwerkern, der den Weg für das moderne deutsche Design ebnete - mit hoher gestalterischer Qualität, handwerklicher Perfektion und zeitgemäßer Formensprache, vergleichbar mit der Bauhausbewegung. In den 1980ern wurde der Bremer Teil aufgegeben. Die Münchner machten mit fünf Mitgliedern weiter - und gründeten mit Unterstützung eines ehemaligen Kunden/Investors die „Neue Werkstätten Gesellschaft für Planung und Einrichtung“ Seither prägen sie die Münchener Designlandschaft und Wohnkultur.


Nun schlagen die Neuen Werkstätten erneut ein neues Kapitel auf: „Was war, bleibt - aber anders. Echt. Direkt. Mutig. Für heute. Für morgen“ - unter diesem Leitsatz geht es weiter in die Zukunft. Mit dieser Transformation setzen die Neuen Werkstätten nicht nur ein deutliches Zeichen für die Zukunft des Hauses und ihre Rolle im neu entstehenden Münchner Design District: „Wir leben auch eine starke Verbindung nach Mailand“, so Mehrheitsgesellschafterin Nathalie Schwörer, die selbst als Architektin und Unternehmerin in der italienischen Designmetropole lebt und arbeitet. „Der gelebte Horizont an Interesse und Neugier geht aber über Italien hinaus. Wir sehen große Stärke darin, mit externen Designer:innen international wie lokal zusammenzuarbeiten und ihnen bei uns eine Bühne zu bieten. Diese Offenheit bereichert unser Haus, schafft neue Perspektiven und steht sinnbildlich für das, wofür die Neuen Werkstätten heute stehen: gelebte Designkultur, Dialog und Inspiration.“
Genau diese Haltung übersetzten die Designerinnen von Studiopepe, Arianna Lelli Mami und Chiara Di Pinto, in den Showroom: Das zeitlos-elegante Konzept verbindet architektonische Klarheit mit sinnlicher Materialität. Reflektierende Flächen und Ledervorhänge setzen überraschende Akzente und schaffen in Verbindung mit atmosphärischem Licht Räume voller Kontraste und gleichzeitig Behaglichkeit. Architektonische Akzente wie die mit Granito Verde Marina gefasste Säule, markante Portale und eine dreidimensional ausgearbeitete Wandstruktur verleihen dem Raum Tiefe und definieren kuratorische Flächen. Flexible Wandsysteme ermöglichen es, Möbel und Materialien immer wieder neu zu inszenieren und unterschiedliche Perspektiven zu eröffnen.


Gestaltungskultur
Handel, Planung und Beratung werden am Promenadeplatz zu einem ganzheitlichen Service verbunden: Das Angebot im Store richtet sich an Endkunden genauso wie Planer und reicht von Möbeln internationaler Premium-Marken und kleinerer Labels über Textilien, Beleuchtung und ausgesuchte Accessoires bis hin zu Materialien, Farben und Fliesen. Neu hinzugekommen sind zwei zentrale Kompetenzen: Mit dem Molteni&C-Flagship Store haben die Neuen Werkstätten ihr Portfolio um den Bereich hochwertiger Küchen und Innenausbau erweitert. Die Marke Falper ergänzt das Programm um das Thema Bad. Beides sind Kollektionen, die fließend ins Wohnen übergehen. Ob private Wohnprojekte oder professionelle Planungen - jede Planung entsteht im engen Austausch mit Kunden und Architekten mit Empathie, Stilgefühl, handwerklicher Präzision und einer tiefen Wertschätzung für Design. Barbara Brubacher
Erschienen im Tagesspiegel am 04.02.2026